Schweiz
Schweizer Gewerkschaften fordern für 2027 eine Lohnerhöhung von 2,5 Prozent
Der Schweizerische Gewerkschaftsbund fordert für 2027 flächendeckende Lohnerhöhungen von 2,5 Prozent. Er argumentiert, dass die Reallöhne gegenüber der Produktivität und den Lebenshaltungskosten zurückgeblieben seien. Ausserdem verlangt er einen monatlichen Mindestlohn von CHF 5’000 für Arbeitnehmende mit Lehrabschluss.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund will die Löhne 2027 flächendeckend um 2,5 Prozent erhöhen, womit eine neue nationale Auseinandersetzung darüber beginnt, wer von der wirtschaftlichen Erholung der Schweiz profitiert. Der SGB kündigte die Forderung am Donnerstag, 10. September 2026, an. Er argumentiert, dass die Arbeitnehmenden jahrelang ein schwaches Lohnwachstum hinnehmen mussten, während Produktivität und Lebenshaltungskosten weiter stiegen.
Der Gewerkschaftsbund erklärt, höhere Löhne seien nötig, um die Kaufkraft zu schützen. Seine Kampagne betrifft Arbeitnehmende in der gesamten Wirtschaft, auch in Branchen, in denen die Löhne laut den Gewerkschaften nicht mit den Alltagskosten Schritt gehalten haben. Das Gesundheitswesen, das Gastgewerbe und der Verkehr werden ausdrücklich als Bereiche genannt, in denen die Lohnerhöhungen teilweise nicht mit der Inflation Schritt gehalten haben.
Die Forderung kommt vor dem Hintergrund, dass die Schweizer Löhne im internationalen Vergleich hoch sind. Der Medianlohn für eine Vollzeitstelle erreichte 2025 CHF 87’000, wie aus von Swissinfo verlinkten Zahlen hervorgeht. Dieser nationale Median verdeckt jedoch Unterschiede zwischen Berufen, Qualifikationsstufen und Geschlechtern. Der SGB nutzt diese Lücken, um von den Arbeitgebern breit angelegte Erhöhungen zu verlangen, statt sich allein auf Verhandlungen in den einzelnen Branchen zu verlassen.
Die Forderung von 2,5 Prozent für 2027 ist eine Verhandlungsposition. Arbeitgeber und Gewerkschaften müssen aushandeln, wie eine allfällige Erhöhung umgesetzt wird und ob einzelne Branchen die zusätzlichen Lohnkosten tragen können.
SGB bringt Lohnlücke mit Produktivität in Verbindung
Der SGB schätzt, dass die durchschnittlichen Monatslöhne um CHF 500 höher wären, wenn die Löhne mit der Produktivität Schritt gehalten hätten. Diese Berechnung bildet das wirtschaftliche Fundament der Forderung des Gewerkschaftsbundes. Er stellt die Differenz als über das vergangene Jahrzehnt aufgelaufenen Einkommensverlust für Arbeitnehmende dar, in dem das Lohnwachstum im Verhältnis zur Produktion und zur wirtschaftlichen Leistung bescheiden blieb.
Der Gewerkschaftsbund sagt, der Druck zeige sich auch in den Haushaltsbudgets. Mieten, Krankenkassenprämien, Lebensmittel- und Transportkosten wirken sich alle auf die Kaufkraft der Schweizer Arbeitnehmenden aus, auch wenn der Quellenbericht keine Aufschlüsselung dieser Ausgaben nach Branchen enthält. Der SGB argumentiert, nominale Erhöhungen müssten zu höheren Reallöhnen führen, damit die Arbeitnehmenden ihre Kaufkraft erhalten können.
Die Auswirkungen der vorgeschlagenen Erhöhung würden je nach Lohn stark variieren. Eine Erhöhung um 2,5 Prozent auf CHF 5’000 pro Monat entspräche CHF 125 vor Abzügen, während derselbe Prozentsatz bei CHF 8’000 CHF 200 ausmachen würde. Diese Beispiele veranschaulichen die Höhe der Forderung, sind aber keine Prognosen zu individuellen Löhnen oder Nettolöhnen.
Die Arbeitgeber werden den Vorschlag anhand der Geschäftskosten und der wirtschaftlichen Lage beurteilen. Der SGB verweist auf die verbesserte Wirtschaftslage als Beleg dafür, dass die Unternehmen mehr Spielraum hätten, die Zugewinne mit den Mitarbeitenden zu teilen. Der Bericht nennt keine bestimmten Arbeitgebergruppen und gibt keine Stellungnahme von Wirtschaftsverbänden wieder.
Gewerkschaften setzen Mindestlohn von CHF 5’000 für qualifizierte Arbeitnehmende an
Der vorgeschlagene monatliche Mindestlohn von CHF 5’000 soll Arbeitnehmende mit einem Lehrabschluss betreffen. Laut SGB verdient derzeit rund ein Drittel dieser Gruppe weniger als diesen Betrag. Bei Frauen mit Lehrabschluss beträgt der Anteil gemäss den Zahlen des Gewerkschaftsbundes bis zu 40 Prozent.
Das duale Berufsbildungssystem der Schweiz stellt die Lehre ins Zentrum des Arbeitsmarkts. Jugendliche verbinden den Unterricht mit bezahlter Ausbildung im Betrieb, bevor sie in eine qualifizierte Berufstätigkeit einsteigen. Der gewerkschaftliche Vorschlag würde für diesen Abschluss eine klare Lohnrichtgrösse festlegen, unabhängig davon, in welcher Branche eine Person arbeitet.
Die Forderung verleiht der Kampagne für 2027 auch eine geschlechtsspezifische Dimension. Die vom SGB bereitgestellten Zahlen deuten darauf hin, dass Frauen mit Lehrabschluss häufiger unter der vorgeschlagenen Schwelle liegen. Die Quelle erläutert weder die Ursachen dieses Unterschieds noch enthält sie eine Aufschlüsselung nach Kanton, Alter oder Beruf. Deshalb lassen sich anhand der Zahlen keine einzelnen Branchen vergleichen.
Ein Mindestlohn von CHF 5’000 würde Arbeitgeber betreffen, deren Löhne unter dieser Schwelle liegen. Der Bericht schätzt weder die Zahl der Arbeitnehmenden, die eine Erhöhung erhalten würden, noch die Gesamtkosten für die Unternehmen. Auch ist nicht angegeben, ob der vorgeschlagene Mindestlohn vor oder nach Abzügen gelten soll. Diese Einzelheiten müssten in Verhandlungen und Umsetzungsregeln festgelegt werden.
Der Lohnstreit für 2027 kommt an den Verhandlungstisch
Die Lohnkampagne für 2027 geht nun von einer nationalen Forderung in Verhandlungen in den Branchen der ganzen Schweiz über. Der SGB hat die zentrale Forderung festgelegt. Das Ergebnis wird davon abhängen, wie die Gesamtarbeitsverhandlungen verlaufen, wie es um die Finanzen der Unternehmen steht und wie sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten entwickelt.
Die Argumentation des Gewerkschaftsbundes stützt sich auf drei miteinander verbundene Zahlen: eine allgemeine Erhöhung um 2,5 Prozent, eine geschätzte monatliche Produktivitätslücke von CHF 500 und einen monatlichen Mindestlohn von CHF 5’000 für Arbeitnehmende mit Lehrabschluss. Zusammen beschreiben sie eine Strategie, die eine allgemeine Forderung für alle Arbeitnehmenden mit einer gezielten Massnahme für geringer entlöhnte qualifizierte Arbeitskräfte verbindet.
Besonders deutlich zeigt sich, worum es geht, im Gesundheitswesen, im Gastgewerbe und im Verkehr. Dort sind die Löhne laut SGB teilweise nicht mit den steigenden Lebenshaltungskosten Schritt gehalten. In diesen Branchen arbeiten viele Menschen, und sie erbringen Dienstleistungen, auf die Haushalte und Unternehmen täglich angewiesen sind. Im Quellenbericht wird nicht angegeben, ob die Forderung von 2,5 Prozent in allen Gesamtarbeitsverträgen einheitlich gelten oder je nach Branche angepasst werden soll.
Für die Arbeitnehmenden wird sich in den Verhandlungen entscheiden, ob die Erholung 2027 zu höheren Löhnen führt. Für die Arbeitgeber stehen Personalgewinnung, Mitarbeitendenbindung und Lohnkosten im Zentrum. Mit seiner Ankündigung gibt der SGB den Gewerkschaften eine gemeinsame Richtgrösse, während sie ihre Forderungen bei Unternehmen und Branchenverbänden geltend machen.