Wirtschaft
Arbeitslosigkeit in der Schweiz auf höchstem Stand seit drei Jahren
Die Arbeitslosenquote erreicht im Januar 3 Prozent und damit den höchsten Stand seit 2021. Bauwirtschaft und saisonale Faktoren treiben den Anstieg.

Der Schweizer Arbeitsmarkt hat einen ernüchternden Meilenstein erreicht. Zum ersten Mal seit dem Ende der Pandemiezeit im Dezember 2021 ist die Arbeitslosenquote landesweit auf 3,0 Prozent gestiegen. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine statistische Schwankung, sondern um eine psychologische Schwelle, die die Schweizer Wirtschaft über drei Jahre lang erfolgreich vermieden hat. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) bestätigte den Anstieg von 2,8 Prozent im Dezember. Damit zeichnet sich zu Beginn des Jahres 2025 ein deutlicher Wandel der wirtschaftlichen Lage ab.
Die Schweizer Wirtschaft ist im internationalen Vergleich nach wie vor robust, doch dieser plötzliche Anstieg verlangt Aufmerksamkeit. Der Sprung bedeutet eine klare Abkehr von den Werten unter 3 Prozent, die die Erholung nach der Pandemie geprägt haben. Die Behörden befassen sich nun mit Daten, die darauf hindeuten, dass sich der Arbeitsmarkt in den Wintermonaten schneller abkühlt als erwartet. Während das Land mit dieser neuen Realität konfrontiert ist, stellt sich unmittelbar die Frage, ob es sich um einen vorübergehenden saisonalen Schock oder um das erste Anzeichen einer tieferen Konjunkturabschwächung handelt.
Tausende mehr Arbeitslose
Die Rohdaten zeichnen ein eindrückliches Bild der menschlichen Folgen hinter den Prozentzahlen. Allein im Januar stieg die Zahl der registrierten Arbeitslosen stark an: 5480 Personen kamen hinzu. Damit waren insgesamt 135 773 Personen offiziell als arbeitslos registriert. Das entspricht einem deutlichen Anstieg von 4,2 Prozent gegenüber dem Vormonat und unterstreicht die derzeitige Volatilität am Arbeitsmarkt.
Das sind nicht einfach nur Zahlen: Sie stehen für Tausende Haushalte, die mit unmittelbarer finanzieller Unsicherheit konfrontiert sind. Die rasche Zunahme der Arbeitslosmeldungen innerhalb eines einzigen Monats belastet die sozialen Sicherungssysteme und deutet darauf hin, dass die Einstellungstätigkeit in den betroffenen Branchen deutlich ins Stocken geraten ist. Die Zahlen für Dezember zeigten bereits einen Aufwärtstrend, doch der beschleunigte Anstieg im Januar legt nahe, dass die Zeit nach den Feiertagen für den Erhalt von Arbeitsplätzen besonders schwierig war. Die grosse Zahl neuer Registrierungen unterstreicht, wie dringend die Politik diese Entwicklungen im weiteren Jahresverlauf genau beobachten muss.
Winterflaute legt Bauwirtschaft lahm
Die saisonale Flaute ist der Hauptgrund für den Anstieg dieser Zahlen. Laut SECO ist der grösste Teil des Anstiegs auf die alljährliche winterliche Verlangsamung zurückzuführen, die das Baugewerbe mit grosser Regelmässigkeit trifft. Als die Temperaturen stark sanken, kamen Baustellen in den Kantonen zum Erliegen. Dies führte zu einem vorübergehenden, aber deutlichen Rückgang der Beschäftigung. Diese saisonale Abhängigkeit sorgt in den monatlichen Daten für einen «Auf und Ab»-Zyklus, der den tatsächlichen Zustand der Wirtschaft verschleiern kann.
Werden diese saisonalen Verzerrungen herausgerechnet, zeigt sich die wirtschaftliche Dynamik deutlich widerstandsfähiger. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote blieb mit 2,7 Prozent stabil und unverändert gegenüber der Vorperiode. Diese Abweichung deutet darauf hin, dass die winterliche Kälte zwar die Arbeit im Freien zum Erliegen gebracht hat, die strukturelle Arbeitskräftenachfrage in der Schweiz aber weiterhin besteht. Die ausschliessliche Betrachtung saisonbereinigter Zahlen bietet jedoch den Tausenden Saisonarbeitskräften, die bis zum Tauwetter im Frühling ohne Arbeit sind, wenig Trost.
Zahl der Stellensuchenden steigt im Jahresvergleich um 17 Prozent
Hinter der Schlagzeilen machenden Arbeitslosenquote verbirgt sich eine besorgniserregendere Kennzahl: die Gesamtzahl der Stellensuchenden. Im Januar waren laut SECO insgesamt 212 803 Personen auf Stellensuche. Dazu gehören auch Personen in befristeten Programmen oder in Umschulungen. Besonders bedeutsam ist, dass diese Zahl gegenüber dem Vorjahresmonat um fast 17 Prozent gestiegen ist. Dieser Vergleich zum Vorjahr zeigt eine wachsende Lücke am Arbeitsmarkt, die sich nicht vollständig durch saisonale Bereinigungen erklären lässt.
Die Quote der Stellensuchenden ist inzwischen um 0,1 Prozentpunkte auf 4,6 Prozent gestiegen. Dieser zweistellige prozentuale Zuwachs innerhalb von zwölf Monaten zeigt, dass das Angebot an verfügbaren Arbeitskräften schneller wächst, als der Markt es aufnehmen kann, obwohl die Wirtschaft im Kern stabil ist. Während die Schweiz im Jahr 2025 weiter voranschreitet, ist der Anstieg um 17 Prozent ein deutliches Warnsignal: Der Wettbewerb um offene Stellen nimmt zu und der Arbeitsmarkt wird immer stärker umkämpft.