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Swiss Observer

Schweizer Mieterinnen und Mieter profitieren von städtischen Mietzinssenkungen in Zürich

Die Bewohnerinnen und Bewohner der städtischen Wohnungen in Zürich dürfen mit tieferen Mietkosten rechnen. Dies ist eine bedeutende Entwicklung in der Schweizer Wohnungspolitik der Städte.

Schweizer Mieterinnen und Mieter profitieren von städtischen Mietzinssenkungen in Zürich
AIThe Local Switzerland

In einer Stadt, die für ihre rasant steigenden Lebenshaltungskosten bekannt ist, steht 10'000 Bewohnerinnen und Bewohnern eine Nachricht bevor, die ihr Leben verändern dürfte: Ihre Miete sinkt. Die städtischen Behörden Zürichs haben am Dienstag mit der bisherigen Praxis gebrochen und eine definitive Mietzinssenkung für Mieterinnen und Mieter in städtischen Wohnungen angekündigt. Das ist keine geringfügige Anpassung, sondern ein direkter finanzieller Eingriff, von dem ein bedeutender Teil der Stadtbevölkerung profitiert.

Jahrelang war die Entwicklung in Zürich von einem unerbittlichen Aufwärtsdruck auf die Preise geprägt. Nun können sich diese 10'000 Mieterinnen und Mieter dem Trend entgegenstellen. Die Ankündigung erinnert daran, wie stark die städtische Wohnungspolitik die Bewohnerinnen und Bewohner vor Marktschwankungen schützen kann. Während der Privatsektor mit explodierenden Kosten kämpft, nutzt die Stadt ihren Wohnungsbestand, um sofortige und konkrete Entlastung zu schaffen. Dieser Schritt markiert einen wichtigen Moment für den gemeinnützigen Wohnungsbau in der Schweizer Wirtschaftshauptstadt und zeigt: Wenn die Stadt handelt, spüren die Einwohnerinnen und Einwohner die Auswirkungen unmittelbar im Portemonnaie.

Der wirtschaftliche Auslöser: Der Referenzzinssatz sinkt

Auslöser für diese finanzielle Entlastung ist eine entscheidende Veränderung der nationalen Wirtschaftslage: Der Referenzzinssatz ist gesunken. Am 3. März fiel er von 1,75 Prozent auf günstigere 1,5 Prozent. Damit wurde eine Überprüfung der Mietzinse für Mietverträge ausgelöst, die an den Referenzzinssatz gekoppelt sind. Diese Senkung ist der zentrale Mechanismus hinter den aktuellen Entlastungsmassnahmen.

Im komplexen Gefüge des Schweizer Mietrechts dient der Referenzzinssatz als Richtgrösse für die zulässige Höhe der Mietzinse. Sinkt dieser Satz, entfällt bei daran gekoppelten Verträgen die Grundlage für höhere Mietzinse. Dass die Stadt die Einsparungen rasch an die Mieterinnen und Mieter weitergibt, zeigt, dass sie sich konsequent an diesen wirtschaftlichen Indikatoren orientiert. Während private Vermieterinnen und Vermieter möglicherweise zögern oder Schlupflöcher suchen, um die aktuellen Mietzinse beizubehalten, passt die Stadt ihren Wohnungsbestand entschlossen an die neue wirtschaftliche Realität an. Eine Senkung um 0,25 Prozentpunkte mag auf dem Papier gering erscheinen, bedeutet über Tausende von Haushalten hinweg aber eine erhebliche Gesamtersparnis.

Trotz eines «praktisch nicht vorhandenen» Marktes

Die Senkung erfolgt in einer Lage, die für Wohnungssuchende nur als schwierig bezeichnet werden kann. Zürich kämpft derzeit mit einer akuten Wohnungsnot. Bezahlbare Wohnungen sind laut jüngsten Berichten «praktisch nicht vorhanden». Der Unterschied zwischen dem freien Markt und dem städtischen Wohnungssektor war noch nie so deutlich. Während Bewerberinnen und Bewerber auf dem privaten Markt erbittert um überteuerte Studios konkurrieren, sinken für städtische Mieterinnen und Mieter die Kosten.

Diese Entwicklung zeigt, wie städtisches Eigentum in einem extrem umkämpften Markt als Puffer wirken kann. Im privaten Sektor treibt die Knappheit die Preise unabhängig von den Zinssätzen nach oben, denn die Nachfrage übersteigt schlicht das Angebot. Das städtische Modell folgt jedoch einer anderen Logik: Es geht um Kostendeckung statt Gewinnmaximierung. Indem Zürich die Mietzinse trotz Wohnungsnot senkt, schafft die Stadt in einer Wüste hoher Preise gleichsam eine bezahlbare Oase. Das unterstreicht, wie wichtig der öffentliche Wohnungsbestand als stabilisierende Kraft ist, wenn der freie Markt in einer Stadt keine bezahlbaren Angebote für die arbeitende Bevölkerung bereitstellt.

Der Zeitplan für die Entlastung: Umsetzung ab Juli

Die Mieterinnen und Mieter müssen nicht lange warten, bis sie die Veränderung auf ihren Bankkonten sehen. Die tieferen Mietzinse sollen ab dem 1. Juli gelten und die Haushaltsbudgets damit mitten im Jahr entlasten. Die Umsetzung richtet sich nach den Einzelheiten der jeweiligen Mietverträge, doch die Vorgabe ist klar: Die Einsparungen kommen.

Mit dem nahenden Sommer setzt dieser politische Kurswechsel einen Massstab dafür, wie rasch Institutionen auf günstige Wirtschaftsdaten reagieren können. Für die 10'000 betroffenen Haushalte ist der 1. Juli mehr als nur ein Datum im Kalender: Er steht für die Wiederherstellung ihrer Kaufkraft. Während der Rest der Schweiz darauf wartet, ob private Vermieterinnen und Vermieter nachziehen oder ob es der SBB gelingt, ihre störungsanfälligen Züge in den Griff zu bekommen, können die städtischen Mieterinnen und Mieter in Zürich ihren Sommer mit der Gewissheit tieferer Fixkosten planen. Die Stadt hat gehandelt. Nun steht der Privatsektor unter Druck zu erklären, warum er nicht dasselbe tut.