Bildung
Schweizer Jugendliche schlafen länger und erzielen bessere Noten, wenn abends Smartphones verboten sind
Eine Studie der Universität Genf zeigt, dass Jugendliche 40 Minuten länger schlafen und bessere schulische Leistungen erbringen, wenn sie abends auf die Nutzung des Smartphones verzichten.

40 Minuten. So gross ist laut einer wegweisenden Studie der Universität Genf der erstaunliche Unterschied zwischen ausgeschlafenen und übermüdeten Schülerinnen und Schülern. In einer digitalen Ära, in der die Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird, haben Schweizer Forschende einen entscheidenden Zusammenhang entdeckt: Jugendliche, die nachts physisch von ihren Smartphones getrennt sind, schlafen deutlich länger und erzielen, was besonders wichtig ist, bessere schulische Leistungen als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler.
Die in der Fachzeitschrift Discover Public Health veröffentlichte Studie untersuchte die Gewohnheiten von mehr als 300 Schulkindern im Alter von 13 bis 15 Jahren. Die Daten sind eindeutig. Schülerinnen und Schüler, für die abends strikte Verbote gelten und deren Geräte ganz aus dem Schlafzimmer verbannt werden, schlafen jede Nacht durchschnittlich 40 Minuten länger. Das ist keine geringfügige Zunahme, sondern eine physiologische Veränderung mit direkten Auswirkungen auf die Noten. Pädagoginnen und Pädagogen vermuteten zwar schon lange einen Zusammenhang, doch diese Studie liefert die fundierten Belege, die strenge Massnahmen rechtfertigen. Die Botschaft an Schweizer Familien ist klar und deutlich: Der Weg zum schulischen Erfolg beginnt mit einem smartphonefreien Schlafzimmer.
Warum halbe Massnahmen scheitern
Laxe Regeln bringen nichts. Die Ergebnisse der Universität Genf widerlegen die verbreitete Annahme, dass es ausreicht, die Bildschirmzeit zu «begrenzen». Die Studie zeigt einen deutlichen Unterschied: Während das vollständige physische Entfernen des Geräts zu markanten Ergebnissen führt, haben andere Einschränkungen, etwa eine abendliche Sperrstunde oder eine Begrenzung der täglichen Nutzungsdauer, keinerlei signifikanten Einfluss auf die Schlafdauer. Ist das Smartphone im Zimmer, leidet der Schlaf.
«Eine Regel, wonach elektronische Geräte mit Bildschirm physisch aus dem Schlafzimmer entfernt werden müssen, ist mit längerer Schlafdauer verbunden», halten die Forschenden fest. Diese Erkenntnis stellt den «sanften» Erziehungsansatz infrage, bei dem verhandelt wird. Allein die Anwesenheit des Geräts scheint, selbst wenn es nicht benutzt wird, wie eine psychologische Verbindung zu wirken und die Fähigkeit zu stören, vollständig abzuschalten. Für Schweizer Jugendliche weisen die Daten auf eine Alles-oder-nichts-Realität hin: Entweder verlässt das Smartphone das Zimmer, oder das Schlafdefizit bleibt bestehen. Der Zusammenhang zeigt sich auch im Klassenzimmer: Schülerinnen und Schüler mit strikten Regeln erzielten durchgehend bessere Noten als jene, die sich an vage Nutzungsbeschränkungen halten mussten.
Das Schlafdefizit abbauen
Rechnet man es hoch, zeigt sich ein beträchtlicher kumulativer Vorteil. Virginie Sterpenich, die Leiterin der Studie, veranschaulicht die Daten eindrücklich: «Jede Woche entspricht dieser Gewinn von 40 Minuten fast einer zusätzlichen Nacht Schlaf.» Jugendliche benötigen biologisch gesehen ungefähr 9 Stunden Schlaf, kommen aber typischerweise nur auf 7 bis 8 Stunden. Deshalb ist diese Massnahme entscheidend.
Es geht nicht nur darum, sich weniger müde zu fühlen, sondern auch darum, eine gefährliche Gesundheitslücke zu schliessen. Die Altersgruppe der 13- bis 15-Jährigen steckt derzeit in einer chronischen Schlafkrise, die sowohl die geistige als auch die körperliche Entwicklung gefährdet. Indem Familien mit einer einfachen Regel zu Hause fast fünf Stunden Schlaf pro Woche zurückgewinnen, können sie diesen Trend wirksam umkehren. Die Studie zeigt, dass das Defizit nicht unvermeidlich ist, sondern eine Folge leicht zugänglicher Technologie. Wird die digitale Verbindung nachts unterbrochen, normalisiert sich der biologische Rhythmus. So erhält das jugendliche Gehirn die nötige Erholungszeit, um Informationen zu verarbeiten und sich zu regenerieren.
Der Auftrag der Eltern
Die Verantwortung liegt nun eindeutig bei den Eltern. «Eltern spielen deshalb eine Schlüsselrolle. Ihr Engagement wirkt sich direkt auf die Gesundheit und den Erfolg ihrer Kinder aus», sagt Kevin Mammeri, der Hauptautor der Studie. Die Wissenschaft hat den Erziehungsberechtigten einen klaren Auftrag erteilt: Einzugreifen ist kein unzulässiger Eingriff, sondern eine gesundheitliche Notwendigkeit. Dies entspricht einem umfassenderen kulturellen Wandel in der Schweiz, der sich etwa im jüngsten Entscheid Genfs zeigt, Mobiltelefone an Sekundarschulen vollständig zu verbieten.
Wenn Bildungseinrichtungen ihre Einschränkungen verschärfen, muss auch zu Hause ein entsprechender Rahmen gelten, damit die Vorteile möglichst gross sind. Das Zusammenspiel von schulischen Regeln und deren Durchsetzung zu Hause schafft ein einheitliches Umfeld, in dem sich Jugendliche entfalten können. Das digitale Zeitalter ermöglicht zwar eine beispiellose Vernetzung, doch die Studie bestätigt, dass die wertvollste Verbindung für Jugendliche jene zu ihrem eigenen Schlafrhythmus ist. Für Schweizer Eltern ist die Beweislage klar: Das Smartphone wegzunehmen, gehört zu den Massnahmen, mit denen sie den schulischen Erfolg ihrer Kinder am stärksten fördern können.