Gesellschaft
Umfrage zeigt: Mehrheit der Schweizer Bevölkerung befürwortet Abschaffung des Fünfräpplers
Eine neue Umfrage zeigt, dass 54 % der Schweizer Bevölkerung die Abschaffung des Fünfräpplers befürworten würden. Besonders gross ist die Unterstützung in der Romandie und im Tessin. Dies macht die unterschiedlichen regionalen Einstellungen zur kleinsten Schweizer Münze deutlich.

Das Urteil ist gefällt, und die Tage des goldenen Fünfräpplers scheinen gezählt. Unglaubliche 54 % der Schweizer Bevölkerung fordern inzwischen die Abschaffung der kleinsten Schweizer Münze. Das markiert einen entscheidenden Wandel in der öffentlichen Meinung. Es handelt sich nicht bloss um einen Vorschlag, sondern um einen klaren Auftrag, wie die jüngste Edelmetallstudie der Universität St. Gallen (HSG) und von Philoro zeigt. Jahrzehntelang füllte der Fünfräppler die Portemonnaies und beschwerte die Taschen. Nun ist die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung bereit, sich von ihm zu verabschieden.
Die Daten zeichnen das Bild einer pragmatischen Nation, die bereit ist, sich zu modernisieren. Die Münze besitzt zwar einen gewissen nostalgischen Wert, doch ihr praktischer Nutzen ist in einer Zeit schneller Transaktionen und digitaler Effizienz stark gesunken. Die zwischen Juli und September 2025 durchgeführte Umfrage bestätigt, dass der Wendepunkt erreicht ist. Die Schweiz diskutiert nicht mehr darüber, ob der Fünfräppler nützlich ist, sondern fordert aktiv seine Abschaffung.
Die lateinische Schweiz treibt den Aufstand voran
Während der nationale Durchschnitt bei 54 % liegt, geht der eigentliche Aufstand gegen das Kleingeld vom Süden und Westen aus. Das Tessin hat sich als unbestrittener Vorreiter dieser Bewegung erwiesen: 80 % der Einwohnerinnen und Einwohner würden die Münze gerne verschwinden sehen. Die Meinungen gehen hier nicht auseinander, es herrscht Einigkeit. Die Romandie folgt dicht dahinter: 68 % sprechen sich für die Abschaffung der Münze aus. So entsteht über den «Röstigraben» und den «Polentagraben» hinweg eine starke gemeinsame Front.
Ganz anders sieht es in der Deutschschweiz aus, wo die Meinungen ausgeglichen sind und die Zurückhaltung überwiegt. Christian Brenner, CEO von Philoro Schweiz, führt die nationale Mehrheit ausdrücklich auf den starken Meinungsumschwung in den lateinischen Regionen zurück. Der kulturelle Graben ist deutlich und unbestreitbar: Während die deutschsprachigen Kantone an der Tradition festhalten, drängen die französisch- und italienischsprachigen Regionen mit Nachdruck auf eine vereinfachte Zukunft ohne diese Münze. Diese regionalen Unterschiede weisen auf eine breitere Entwicklung hin: unterschiedliche wirtschaftliche Einstellungen innerhalb der Eidgenossenschaft.
Bargeld bleibt trotz Ärgernis König
Die Ablehnung des Fünfräpplers ist nicht mit einer Ablehnung von Bargeld zu verwechseln. Bargeld erlebt ein beachtliches Comeback. Die Studie zeigt ein entscheidendes Paradox: Die Schweizerinnen und Schweizer wollen zwar die kleinste Münze loswerden, doch ihre Verbundenheit mit Bargeld nimmt zu. 2025 befürworten nur 11,2 % der Befragten die vollständige Abschaffung von Bargeld. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber 12,4 % im Jahr 2024 und ein massiver Einbruch gegenüber 28 % im Jahr 2023. Der Trend ist eindeutig: Die Schweizer Bevölkerung hält entschlossen an ihren Banknoten fest.
Diese Widerstandskraft stellt die weltweit verbreitete Erzählung einer unvermeidlichen bargeldlosen Gesellschaft infrage. Die Schweizerinnen und Schweizer gestalten ihren Umgang mit Geld neu: Sie verzichten auf die unpraktischen Aspekte, etwa den Fünfräppler, verteidigen aber vehement die Anonymität und die greifbare Sicherheit von Bargeld. Selbst im Tessin, wo 80 % die kleine Münze loswerden wollen, würden nur 21,5 % ein vollständig bargeldloses System befürworten. Die Botschaft an die Schweizerische Nationalbank ist unmissverständlich: Die Währung soll vereinfacht werden, aber das Bargeld darf keinesfalls abgeschafft werden.
Demografische Faktoren bestimmen den digitalen Wandel
Die Fronten im Streit um die Währung verlaufen nicht nur entlang geografischer Grenzen, sondern auch entlang von Alter und sozialer Schicht. Die Umfrage zeigt eine wachsende Kluft zwischen den Generationen und den sozioökonomischen Gruppen. Jüngere Befragte wenden sich vermehrt vom Bargeld ab und sind deutlich weniger daran gebunden als ältere. Für diese Generation der Digital Natives ist Bargeld eine Möglichkeit, aber keine Notwendigkeit. Das treibt die Zahlen zur Abschaffung der Münze in die Höhe.
Auch ein höheres Einkommen und ein höherer Bildungsstand beschleunigen diese Abwendung. Personen mit höherem Einkommen und höherem Bildungsniveau verzichten statistisch gesehen eher auf Münzen und Banknoten zugunsten digitaler Lösungen. Mit dem demografischen Wandel in der Schweiz und dem Wachstum der digital geprägten Bevölkerung wird sich der Druck auf das Bargeld verändern. Vorerst deuten die Daten jedoch auf eine komplexe Zukunft hin: Die Schweiz verlangt den Komfort digitaler Zahlungen und hält zugleich hartnäckig am Recht fest, bar zu bezahlen, vorzugsweise einfach ohne Fünfräppler.