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Swiss Observer

Glückskette sammelt 6 Millionen Franken für Erdbebenhilfe in Asien

Nationale Spendenaktion sammelt über 6 Millionen Franken für die Erdbebenopfer in Myanmar und Thailand und zeigt das humanitäre Engagement der Schweiz

Glückskette sammelt 6 Millionen Franken für Erdbebenhilfe in Asien
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz hat gesprochen, und die Botschaft ist laut, klar und Millionen wert. In einem eindrücklichen Zeichen nationaler Einigkeit hat die Glückskette, das humanitäre Organ der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), die Erwartungen übertroffen und an einem einzigen Tag über 6,3 Millionen Franken gesammelt. Am Dienstag um 22.45 Uhr belief sich der Spendenstand auf genau 6 357 329 Franken. Diese Summe unterstreicht die anhaltende Grosszügigkeit der Schweizer Bevölkerung angesichts globaler Krisen.

Die von privaten Radiosendern und der SRG unterstützte Spendenaktion verwandelte die Radiowellen in Lebensadern. Den ganzen Tag über nahmen Freiwillige und Prominente an den Telefonen Spendenzusagen entgegen, deren Zahl von Minute zu Minute anstieg. Dabei geht es nicht einfach nur um Geld, sondern um eine entscheidende Hilfe für die Überlebenden des Erdbebens vom 28. März, das Teile Thailands und Myanmars verwüstete. Die Erschütterungen haben aufgehört, doch die Folgen von Vertreibung und Armut machen sich erst bemerkbar. Diese umfangreichen finanziellen Mittel ermöglichen es Schweizer NGOs, vor Ort unmittelbar und flexibel Hilfe zu leisten. Sie beweisen einmal mehr: Wenn eine Katastrophe zuschlägt, schaut die Schweiz nicht weg.

Doppelte Tragödie: Erdbeben trifft auf Konflikt

Die Lage in Myanmar ist katastrophal. Die Überlebenden sehen sich mit einem Albtraum konfrontiert: Eine verheerende Naturkatastrophe verschärft das Elend eines anhaltenden, brutalen Bürgerkriegs. Das Erdbeben vom 28. März brachte nicht nur Gebäude zum Einsturz, sondern zerstörte auch die ohnehin fragile Infrastruktur in Regionen, die durch den Konflikt bereits schwer getroffen waren. Laut der Glückskette war die humanitäre Lage schon vor dem Erdbeben dramatisch, nun ist sie kritisch.

Der Zugang ist das grösste Hindernis. Anders als in typischen Katastrophengebieten, in denen Hilfsgüter ungehindert fliessen, ist Myanmar ein logistisches Labyrinth. Der interne Konflikt behindert den Zugang für humanitäre Hilfe aktiv und schafft einen Engpass, der den betroffenen Regionen die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern zu entziehen droht. Schweizer Partnerorganisationen leisten bereits vor Ort Hilfe, müssen sich dabei jedoch durch ein Minenfeld aus politischer Instabilität und Zerstörung bewegen. Die Widerstandskraft der lokalen Bevölkerung wird aufs Äusserste geprüft. Dadurch sind die Neutralität und Effizienz der Schweizer Hilfe wichtiger denn je.

Bern fordert Zugang: Diplomatie in Aktion

Bern schweigt nicht. Karin Keller-Sutter, die das jährlich wechselnde Bundespräsidium innehat, nutzte den Start der Kampagne, um jene, die Hilfe behindern, scharf zu kritisieren. Bei der Lancierung der Spendenaktion erklärte sie, «jede Geste zählt». Ihre Botschaft an die Machthaber in Myanmar war jedoch noch direkter. «Die Schweiz fordert die Militärbehörden und die Konfliktparteien auf, dafür zu sorgen, dass humanitäre Hilfe im Einklang mit den humanitären Grundsätzen durchgelassen werden kann», sagte sie mit Nachdruck.

Dies erinnert eindrücklich an die doppelte Rolle der Schweiz als bedeutende humanitäre Akteurin und diplomatische Vermittlerin. Keller-Sutter betonte, die Katastrophe sollte «uns demütig machen» und uns daran erinnern, dass der Mensch die Natur nicht kontrollieren kann, wohl aber seine Reaktion darauf. Indem das Bundespräsidium die Spendenaktion direkt mit einem Aufruf zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts verknüpft, sorgt es dafür, dass die gesammelten 6 Millionen Franken von dem politischen Druck begleitet werden, der nötig ist, damit die Hilfe tatsächlich die Opfer erreicht. Verantwortung bedeute, dort Hilfe anzubieten, wo es möglich sei, und zugleich den nötigen Zugang dafür einzufordern, sagte sie.

Sofortige Hilfe: So können Sie jetzt unterstützen

Das Zeitfenster zur Rettung von Menschenleben wird kleiner, doch die Schweizer Bevölkerung kann weiterhin helfen. Die Glückskette hält die Spendenkanäle offen und ruft alle, die noch nicht gespendet haben, dazu auf, sich der Unterstützung anzuschliessen. Die Gelder fliessen direkt an erfahrene Schweizer NGO-Partner, die auf Einsätze in komplexen Katastrophengebieten spezialisiert sind. Sie können die Franken sofort in Wasser, Unterkünfte und medizinische Versorgung umwandeln.

Spenden werden weiterhin entgegengenommen. Sie sind auch für den längerfristigen Wiederaufbau wichtig, der auf die unmittelbare Nothilfe folgen wird. Sie können jetzt etwas bewirken, indem Sie 0800 87 07 07 anrufen oder online auf www.glueckskette.ch spenden. Wenn der erste Schock der Katastrophe nachlässt, wird der materielle Bedarf der Opfer weiter zunehmen. Die 6 Millionen Franken sind ein erfolgreicher Auftakt, doch der Weg zur Erholung für Myanmar und Thailand ist lang. Die Schweiz hat einen wichtigen Beitrag geleistet, nun müssen wir dranbleiben.