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Swiss Observer

Schweizer KMU führen KI rasch ein, erwarten aber keine grossen Stellenverluste

Drei von vier Schweizer kleinen und mittleren Unternehmen nutzen laut einer neuen Umfrage inzwischen täglich künstliche Intelligenz. Die Unternehmen berichten von Effizienzgewinnen und Zeitersparnissen, während Anwendungen mit direktem Kundenkontakt aufgrund von Bedenken hinsichtlich des Vertrauens begrenzt bleiben.

Schweizer KMU führen KI rasch ein, erwarten aber keine grossen Stellenverluste
AISWI swissinfo.ch

Vierundsiebzig Prozent der Schweizer KMU nutzen inzwischen täglich künstliche Intelligenz, wie eine am 15. September 2026 veröffentlichte Axa-Studie zeigt. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den 55% im Jahr 2025, obwohl sich die Nutzung inzwischen auf dem aktuellen Niveau stabilisiert hat.

Für die kleinen und mittleren Unternehmen der Schweiz gehört KI mittlerweile zum Arbeitsalltag. Die Unternehmen setzen sie für praktische Aufgaben und interne Abläufe ein, statt sie als fernes Technologieprojekt zu betrachten. Laut der Umfrage spielt KI in immer mehr Bereichen der täglichen Geschäftstätigkeit eine Rolle. Ihre Nutzung geht über die Textgenerierung und andere sprachbasierte Arbeiten hinaus.

Diese Verbreitung ist bedeutsam, weil KMU einen zentralen Teil der Schweizer Wirtschaft und des Arbeitsmarkts bilden. Die Umfrage zeigt jedoch nicht, dass sich Unternehmen auf einen grossen Beschäftigungsschock einstellen. Nur 12% erwarten KI-bedingte Stellenverluste, während 47% mit Zeitersparnissen rechnen, ohne ihren Personalbestand zu verändern.

Die Ergebnisse weisen auf einen schrittweisen Wandel hin. Unternehmen prüfen, wo KI die Produktivität verbessern kann, während die meisten ihre Arbeit weiterhin mit menschlichen Mitarbeitenden organisieren. Die Technologie wird zu einem gängigen Geschäftswerkzeug, doch die Umfrage liefert kaum Hinweise darauf, dass Schweizer KMU darin einen Grund sehen, ihre Belegschaft radikal umzustrukturieren.

KI hält Einzug in Prozesse und Datenanalysen

KI hält zunehmend Einzug in Geschäftsprozesse und Datenanalysen und bietet Schweizer KMU mehr Einsatzmöglichkeiten als nur das Verfassen von Texten. Laut der Axa-Studie stieg der Anteil der Unternehmen, die KI zur Prozessoptimierung einsetzen, von 23% auf 35%. Die Nutzung für Datenanalysen nahm von 22% auf 34% zu.

Diese Zahlen deuten darauf hin, dass Unternehmen KI vermehrt für die Abläufe ihrer Geschäftstätigkeit einsetzen. Bei der Prozessoptimierung können Arbeitsabläufe geprüft und Verzögerungen erkannt werden. Datenanalysen können Mitarbeitenden helfen, Informationen zu ordnen und Muster zu erkennen. Die Quelle nennt nicht, in welchen Branchen oder Kantonen die grössten Zunahmen verzeichnet wurden. Die Ergebnisse sind deshalb als nationales Gesamtbild und nicht als regionale Rangliste zu verstehen.

Der Wandel wirkt sich auch auf die Anforderungen an die Kompetenzen innerhalb der Unternehmen aus. Mitarbeitende, die KI-generierte Ergebnisse prüfen, interpretieren und anwenden können, werden für Arbeitgeber zunehmend wertvoll. Schweizer Unternehmen sind weiterhin auf Personen angewiesen, die ihre Kundschaft, Produkte und regulatorischen Pflichten kennen, insbesondere wenn automatisierte Systeme unvollständige oder unzuverlässige Ergebnisse liefern.

Die Umfrage nennt Effizienz als unmittelbaren Nutzen. KI kann den Zeitaufwand für repetitive Arbeiten verringern und Mitarbeitenden ermöglichen, sich auf Entscheidungen und Aufgaben zu konzentrieren, die Kontext erfordern. Diese Erwartung erklärt mit, weshalb die meisten Befragten KI mit Produktivitätsgewinnen und nicht mit Personalabbau verbinden.

Vertrauen begrenzt KI im Kundenkontakt

Bei KI-Anwendungen mit direktem Kundenkontakt sind Schweizer KMU weiterhin zurückhaltend. Laut der Studie stagniert der Einsatz etwa für personalisierte Werbung und im Kundendienst, weil das Vertrauen in KI bei der direkten Interaktion mit Kundinnen und Kunden begrenzt ist.

Diese Zurückhaltung spiegelt die Risiken wider, denen Unternehmen ausgesetzt sind, wenn ein automatisiertes System in ihrem Namen öffentlich kommuniziert. Eine fehlerhafte Antwort kann eine Kundenbeziehung rasch beschädigen, insbesondere bei kleineren Unternehmen, deren Ruf von persönlichem Service und Stammkundschaft abhängt. Die Umfrage nennt keine einzelne technische oder regulatorische Ursache für die Zurückhaltung, unterscheidet aber klar zwischen interner Effizienz und externer Kommunikation.

Innerhalb eines Unternehmens können Mitarbeitende eine KI-Ausgabe prüfen, bevor sie sie verwenden. Kundinnen und Kunden sehen möglicherweise nur die fertige Mitteilung. Dieser Unterschied ist ein Grund für Unternehmen, im Service, Verkauf und in der Beratung weiterhin Menschen einzubeziehen, auch wenn sie Hintergrundaufgaben automatisieren.

So entsteht ein zweigeteiltes Muster bei der Einführung. KI kommt bei der Prozessoptimierung und Datenanalyse voran, während der Kundenkontakt genauer geprüft wird. Für Schweizer KMU wird Vertrauen zu einer praktischen Voraussetzung für den Einsatz. Schnellere Arbeit ist willkommen, doch Unternehmen wollen weiterhin sicherstellen, dass Verantwortung übernommen wird, wenn Technologie direkt mit Kundinnen und Kunden kommuniziert.

Schweizer Unternehmen setzen auf eine schrittweise Einführung

Die meisten Schweizer KMU erwarten kurzfristig nicht, dass KI ihre Arbeitsplätze oder Geschäftsmodelle grundlegend verändert. Etwa zwei Drittel rechnen nicht mit einer grundlegenden Veränderung ihres Arbeitsumfelds, und fast zwei Drittel sagen, dass sie ihr Geschäftsmodell nicht anpassen müssen.

Die Zahlen zur Beschäftigung bestätigen dieses Bild. Fast die Hälfte der Befragten erwartet Zeitersparnisse ohne Veränderungen beim Personalbestand, und nur 12% rechnen mit Stellenverlusten. Die Umfrage zeigt KI damit als Effizienzwerkzeug, das Mitarbeitende in ihre bestehenden Aufgaben integrieren. Sie zeigt weder, ob bestimmte Berufe später unter Druck geraten, noch misst sie die Qualität neuer Stellen, die durch Produktivitätsgewinne entstehen.

Die Stimmung in der Geschäftswelt bleibt zurückhaltend. Einundvierzig Prozent sehen KI als Chance, während 15% sie als Bedrohung betrachten. Die grösste Gruppe, 44%, nimmt eine neutrale Haltung ein und wartet ab. Dieses Verhältnis deutet darauf hin, dass sich die Nutzung durch praktische Versuche und nicht durch umfassende Unternehmensprogramme weiterentwickeln wird.

Für die Schweiz hängt die nächste Phase davon ab, wie Unternehmen Mitarbeitende schulen, Ergebnisse überprüfen und das Vertrauen der Kundschaft schützen. Die Ergebnisse der Axa-Studie zeigen eine breite tägliche Nutzung, aber auch, dass die meisten KMU KI in bestehende Strukturen einführen. Einstellungen, die Organisation am Arbeitsplatz und Kundenbeziehungen bleiben weitgehend von Menschen geprägt.