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Swiss Observer

Schweizer KMU setzen auf KI und erwarten dennoch nur wenige Stellenverluste

Drei von vier Schweizer KMU nutzen inzwischen täglich KI, doch die meisten erwarten nicht, dass dadurch Arbeitsplätze wegfallen. Der Artikel untersucht, in welchen Bereichen Unternehmen KI einsetzen, warum kundenorientierte Anwendungen hinter der internen Nutzung zurückbleiben und was die Ergebnisse für die Schweizer Arbeitskräfte bedeuten.

Schweizer KMU setzen auf KI und erwarten dennoch nur wenige Stellenverluste
AISWI swissinfo.ch

Laut einer am 15. September 2026 veröffentlichten Axa-Studie nutzen inzwischen 74 Prozent der Schweizer KMU täglich künstliche Intelligenz. Zwischen 2024 und 2025 nahm die Nutzung stark zu, von 55% auf 74%, und hat sich seither auf diesem Niveau stabilisiert.

Die Zahlen zeigen, dass KI zum Arbeitsalltag der kleinen und mittleren Unternehmen der Schweiz gehört und nicht mehr nur am Rand von Unternehmen ausprobiert wird. Die Technologie wird in verschiedenen täglichen Abläufen eingesetzt, wobei Unternehmen ihre Nutzung über einfache textbasierte Aufgaben hinaus ausweiten.

Diese Verbreitung ist in einer Volkswirtschaft von Bedeutung, in der KMU einen grossen Teil der Geschäftstätigkeit und Beschäftigung ausmachen. Die Studie beschreibt jedoch keinen Umbruch auf dem Arbeitsmarkt. Die meisten Unternehmen erwarten, dass KI die Effizienz bestehender Arbeit steigert, während nur eine kleine Minderheit direkte Stellenverluste erwartet.

Die Ergebnisse zeichnen ein nüchternes Bild der Einführung. Schweizer Unternehmen integrieren KI und behalten zugleich vertraute Organisationsstrukturen und vorsichtige Erwartungen daran bei, was die Technologie leisten kann. Für Arbeitnehmende geht es vorerst um veränderte Aufgaben und mögliche Zeiteinsparungen, nicht um einen massiven Stellenabbau.

KI hält Einzug in Prozesse und Datenanalyse

KI geht über das Schreiben hinaus und hält Einzug in die alltäglichen Abläufe von Unternehmen. Laut der Axa-Studie stieg die Nutzung von KI zur Prozessoptimierung von 23% auf 35%. Auch Anwendungen zur Datenanalyse nahmen zu, von 22% auf 34%.

Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass Unternehmen die Technologie nutzen, um Informationen zu prüfen, Arbeitsabläufe zu vereinfachen und betriebliche Entscheidungen zu unterstützen. Die Quelle nennt weder einzelne Unternehmen noch Branchen und bietet daher keine Grundlage dafür, zu beurteilen, welche Bereiche am schnellsten vorankommen. Sie zeigt jedoch ein breiteres Muster: KI wird zunehmend in Geschäftsprozesse eingebettet.

Für ein kleines Unternehmen kann Prozessoptimierung wiederkehrende administrative Aufgaben umfassen, während die Datenanalyse Mitarbeitenden helfen kann, grosse Informationsmengen zu ordnen und zu interpretieren. Solche Anwendungen können den Zeitaufwand für Routineaufgaben verringern, ohne die Personen zu ersetzen, die Ergebnisse überprüfen, Ausnahmen bearbeiten oder Entscheidungen treffen.

Die Veränderung bringt auch praktische Anforderungen mit sich. Mitarbeitende müssen verstehen, wie Systeme Empfehlungen erzeugen, wo Fehler auftreten können und wann eine menschliche Überprüfung nötig ist. Die Zahlen der Studie weisen auf eine zunehmende Nutzung hin, messen jedoch weder Produktivitätsgewinne noch die Qualität einzelner KI-Systeme.

Kundenorientierte KI muss sich beim Vertrauen bewähren

Kundenorientierte KI bleibt für Schweizer KMU ein Bereich, in dem sie besonders vorsichtig vorgehen. Laut der Studie stagniert der Einsatz von Anwendungen wie personalisierter Werbung und Kundenservice. Das Vertrauen in KI bei direktem Kontakt mit Kundinnen und Kunden ist weiterhin begrenzt.

Diese Zurückhaltung spiegelt die Risiken wider, die entstehen, wenn ein automatisiertes System zwischen ein Unternehmen und seine Kundschaft tritt. Eine fehlerhafte Antwort kann das Vertrauen schnell beeinträchtigen, insbesondere bei Unternehmen, deren Ruf von persönlichem Service, Fachberatung oder lokalen Beziehungen abhängt. Die Quelle enthält keine Aufschlüsselung nach Kanton, Branche oder Unternehmensgrösse. Deshalb lässt sich nicht feststellen, ob dieses Muster in einem Teil der Schweiz ausgeprägter ist als in einem anderen.

Interne Anwendungen bergen andere Risiken. Mitarbeitende können eine Analyse überprüfen, einen Entwurf korrigieren oder einen Prozess stoppen, bevor er die Kundschaft erreicht. Bei direkter Interaktion bleibt weniger Spielraum, Fehler aufzufangen, wenn eine Antwort ungenau, unpersönlich oder schlecht getimt ist.

Vorerst scheinen Schweizer KMU KI lieber im Hintergrund einzusetzen, als sie als Stimme des Unternehmens auftreten zu lassen. Dieser Unterschied erklärt mit, warum die allgemeine Nutzung hoch sein kann, während der Einsatz im direkten Kundenkontakt zurückhaltend bleibt.

Unternehmen erwarten Zeiteinsparungen statt Stellenabbau

Nur 12% der KMU erwarten, dass KI zu Stellenverlusten führt, während 47% mit Zeiteinsparungen ohne Auswirkungen auf die Beschäftigung rechnen. Diese Zahlen vermitteln die klarste Botschaft der Umfrage: Unternehmen sehen KI derzeit vor allem als Werkzeug, das die Arbeitsweise verändert.

Das bedeutet nicht, dass die Arbeitskräfte unberührt bleiben. Durch die bei Routineaufgaben eingesparte Zeit können Mitarbeitende komplexere Arbeiten übernehmen, Kundinnen und Kunden bedienen, Informationen analysieren oder zusätzliche Verantwortung tragen. Auch die von Arbeitgebern geschätzten Kompetenzen können sich dadurch verändern. Ein separater Schweizer Bericht zu KI und Arbeitsplätzen, auf den Swissinfo verweist, hält fest, dass Erfahrung mit KI bei Einstellungen zu einer wichtigen Kompetenz wird. Die Axa-Ergebnisse beziffern diese Entwicklung jedoch nicht.

Die Studie enthält keine Prognosen zu Löhnen, Einstellungszahlen oder bestimmten Berufen. Sie zeigt auch nicht, ob Unternehmen Produktivitätsgewinne reinvestieren, Arbeitszeiten reduzieren oder ihre Produktion ausbauen werden. Diese Fragen werden die Folgen für die Beschäftigung im Laufe der Zeit prägen.

Für Schweizer Arbeitnehmende ist praktische Vertrautheit vorerst besonders wichtig. Zu verstehen, wie man KI einsetzt, ihre Ergebnisse überprüft und verantwortungsvoll anwendet, könnte für viele Bürojobs ebenso relevant werden wie herkömmliche Softwarekenntnisse.

Schweizer KMU blicken vorsichtig auf KI

Zwei Drittel der KMU erwarten keine grundlegende Veränderung ihres Arbeitsumfelds, und fast zwei Drittel sehen keinen Anlass, ihr Geschäftsmodell anzupassen. Die Stimmung ist positiv, aber zurückhaltend: 41% betrachten KI als Chance, 15% als Bedrohung und 44% bleiben neutral.

Die Zahlen zeigen eine Geschäftswelt, die die Folgen weiterhin abwägt. Die grösste Gruppe wartet ab, obwohl der tägliche Einsatz weit verbreitet ist. Dies könnte den Unterschied zwischen der Einführung eines Werkzeugs und einer darauf ausgerichteten Neugestaltung eines Unternehmens widerspiegeln. Die regelmässige Nutzung kann zum Alltag werden, lange bevor Führungskräfte entscheiden, Aufgaben, Dienstleistungen oder Investitionspläne neu auszurichten.

Die nächste Phase für die Schweiz hängt davon ab, wie KMU Experimente und schrittweise Anwendungen in dauerhafte Geschäftspraxis überführen. Ausbildung, Datenschutz, Beschaffung und Qualitätskontrolle beeinflussen, ob sich Produktivitätsgewinne über einzelne Teams hinaus verbreiten. Die Quelle enthält keine detaillierten politischen Empfehlungen und weist nicht auf regionale Unterschiede hin.

Vorerst zeigt die Axa-Studie eine Schweizer Wirtschaft, die KI schrittweise aufnimmt. Unternehmen erweitern die interne Nutzung, gehen im Kontakt mit Kundinnen und Kunden vorsichtiger vor und erwarten begrenzte Auswirkungen auf die Beschäftigung. Die Technologie gehört bereits zum Arbeitsalltag, während ihre grösseren wirtschaftlichen Folgen noch beurteilt werden.