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Swiss Observer

Ständerat stärkt Berufsbildung mit Titeln «Professional Bachelor»

Eine neue Gesetzgebung führt die Bezeichnungen «Professional Bachelor» und «Professional Master» für Berufsqualifikationen ein und soll damit den Stellenwert der praxisorientierten Ausbildung stärken.

Ständerat stärkt Berufsbildung mit Titeln «Professional Bachelor»
AISWI swissinfo.ch

In einem entscheidenden Erfolg für das renommierte duale Bildungssystem der Schweiz hat der Ständerat einen mutigen Vorschlag des Bundesrats zur Aufwertung der Berufsbildung mit grosser Mehrheit unterstützt. Mit 32 zu 10 Stimmen machten die Ratsmitglieder deutlich, dass die Zeiten, in denen eine praxisorientierte Ausbildung als zweitrangig gegenüber einem Hochschulabschluss galt, gezählt sind. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine bürokratische Anpassung, sondern um einen grundlegenden Wandel darin, welchen Wert die Schweiz ihrer Erwerbsbevölkerung beimisst.

Der vom Ständerat nun verabschiedete Plan des Bundesrats zielt entschlossen auf die «Attraktivitätslücke» zwischen akademischen und beruflichen Bildungswegen. Hochqualifizierte Schweizer Berufsleute mussten sich viel zu lange mit internationaler Unklarheit über ihre Abschlüsse auseinandersetzen. Die Abstimmung ist ein entscheidender erster Schritt einer Strategie mit vier Massnahmen, die das Bildungsfundament des Landes stärken soll. Die Botschaft aus Bern ist unmissverständlich: Die Berufsbildung ist kein Trostpreis, sondern eine tragende Säule der Schweizer Wirtschaft, die gleiches Ansehen verdient.

Internationale Anerkennung für Schweizer Fachkompetenz

Das Zeitalter des «Professional Bachelor» und des «Professional Master» ist angebrochen. Gemäss den neu beschlossenen Massnahmen werden Diplome der höheren Berufsbildung künftig diese international anerkannten Bezeichnungen tragen. Damit wird endlich die sprachliche und auf das Ansehen bezogene Kluft überbrückt, mit der Schweizer Berufsleute im Ausland konfrontiert waren. Das ist ein bedeutender Fortschritt für die Tausenden von Fachkräften, die den Schweizer Wirtschaftsmotor am Laufen halten.

Die Gesetzgebung enthält jedoch eine wichtige Vorgabe: Die neuen Bezeichnungen dürfen nicht allein stehen. Damit die Besonderheit des jeweiligen Berufs gewahrt bleibt, dürfen die Titel ausschliesslich in Verbindung mit den geschützten Diplomtiteln verwendet werden. So wird sichergestellt, dass der Status zwar auf einen globalen Standard gehoben wird, die spezifische, hart erarbeitete Schweizer Qualifikation aber weiterhin die Identität der Absolventinnen und Absolventen prägt. Dieser strategische hybride Ansatz bewahrt die Schweizer Tradition der Spezialisierung und übernimmt zugleich die weltweit geläufige Sprache des Erfolgs in der höheren Bildung.

Sprachbarrieren abbauen

Die Schweiz baut Sprachbarrieren bei Berufsprüfungen ab. Der Gesetzesentwurf trägt der Realität einer globalisierten Wirtschaft Rechnung und sieht Englisch als zulässige ergänzende Prüfungssprache bei eidgenössischen Berufsprüfungen und höheren Fachprüfungen vor. Damit werden Berufsprüfungen an andere Abschlüsse der Tertiärstufe angeglichen, bei denen Englisch schon lange zum festen Bestandteil gehört.

Diese Modernisierung ist längst überfällig. Da Schweizer Branchen, von der Präzisionstechnik bis zum Finanzwesen, zunehmend auf Englisch arbeiten, ist die Beschränkung von Prüfungen auf die Landessprachen zu einer überholten Einschränkung geworden. Mit der Aufnahme von Englisch stellt der Bundesrat sicher, dass Absolventinnen und Absolventen der Schweizer Berufsbildung nicht nur fachlich kompetent, sondern auch sprachlich gerüstet sind, um auf internationalen Märkten Verantwortung zu übernehmen. Dieser Wandel trägt den Bedürfnissen der modernen Arbeitswelt direkt Rechnung und stellt sicher, dass ein Schweizer Diplom weiterhin den Weg zu Chancen auf der ganzen Welt eröffnet.

Die letzte gesetzgeberische Hürde

Der Ständerat hat entschieden, doch der Kampf um die Bildungsreform ist noch nicht gewonnen. Das Geschäft geht nun an den Nationalrat, wo ihm die letzte Prüfung bevorsteht. Die Zustimmung des Ständerats mit 32 zu 10 Stimmen gibt der Vorlage zwar erheblichen Rückenwind, doch der Nationalrat muss nun die Einzelheiten prüfen und sicherstellen, dass die den Bildungsinstitutionen versprochene Rechtssicherheit lückenlos gewährleistet ist.

Es steht viel auf dem Spiel. Diese Gesetzgebung verleiht nicht nur klangvolle Titel, sondern festigt auch den Rechtsrahmen für Institutionen und anerkennt die beruflichen Laufbahnen künftiger Generationen. Während die Debatte in der grossen Kammer weitergeht, sind die Ratsmitglieder gefordert, den Schwung aufrechtzuerhalten. Eine Ablehnung oder Verwässerung der Vorlage in dieser Phase wäre ein schwerer Rückschlag für die Modernisierung des renommierten Schweizer Berufsbildungssystems. Das Land beobachtet die Entwicklung gespannt: Wird der Nationalrat die vom Ständerat eingeleitete Veränderung vollenden?