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Swiss Observer

Schweizer Schulen im Ausland vor Finanzierungskrise

Sparmassnahmen des Bundes bedrohen Schweizer Schulen im Ausland mit möglichen Budgetkürzungen von 7,9 Millionen CHF und gefährden damit den kulturellen und bildungspolitischen Einfluss der Schweiz im Ausland.

Schweizer Schulen im Ausland vor Finanzierungskrise
AISWI swissinfo.ch

Schweizer Schulen im Ausland stehen vor einer beispiellosen Finanzkrise: Sparmassnahmen des Bundes bedrohen sie mit Budgetkürzungen von 7,9 Millionen CHF. Diese Kürzung ist Teil einer umfassenderen Sparinitiative des Bundes, mit der ab 2027 jährlich zwischen 3 und 4,5 Milliarden CHF eingespart werden sollen. Besonders betroffen ist das Netz aus 17 Schweizer Schulen in 10 Ländern und auf drei Kontinenten. Diese Institutionen dienen der Schweiz seit Langem als kulturelle und bildungspolitische Botschafter.

Historischer Hintergrund

Die Tradition der Schweizer Schulen im Ausland reicht bis ins Jahr 1892 zurück, als in Bergamo, Italien, die erste Schule gegründet wurde. Sie richtete sich an die Kinder von Schweizer Baumwollfabrikarbeitern. Diese Schulen wurden hauptsächlich von Deutschschweizerinnen und Deutschschweizern im Ausland gegründet und haben sich von Einrichtungen für rein schweizerische Gemeinschaften zu internationalen Bildungszentren entwickelt. In den 1930er- und 1940er-Jahren gewannen sie zusätzlich an Bedeutung, indem sie eine Alternative zu den von der Nazi-Ideologie beeinflussten deutschen Schulen boten und damit das Bekenntnis der Schweiz zu einer unabhängigen, qualitativ hochstehenden Bildung unterstrichen.

Aktuelle Herausforderungen

Die vorgeschlagenen Budgetkürzungen stellen für die Schweizer Schulen im Ausland eine überproportionale Belastung dar: Sie müssten 43 Prozent der Kürzungen im Kulturbereich tragen, obwohl sie nur 8,5 Prozent des Gesamtbudgets ausmachen. Die Unterstützung des Bundes deckt derzeit lediglich 20 Prozent der Ausgaben der Schulen, der grösste Teil wird durch Schulgelder finanziert. Erschwerend kommen frühere Sparvorgaben von 5,6 Millionen CHF im Rahmen des Kulturförderplans 2024 bis 2028 hinzu, die diese Institutionen zunehmend unter finanziellen Druck setzen.

Auswirkungen und Folgen

Die möglichen Auswirkungen dieser Kürzungen gehen über finanzielle Fragen hinaus. Laut Serge Künzler, Direktor von educationsuisse, könnten einige Schulen gezwungen sein, zu schliessen oder ihren Schweizer Charakter zu beeinträchtigen. Da 80 Prozent der knapp 8000 Schülerinnen und Schüler keine Schweizer Staatsangehörigkeit besitzen, spielen diese Institutionen eine wichtige Rolle in der Kulturdiplomatie und den internationalen Beziehungen. Die Kürzungen gefährden nicht nur Bildungschancen, sondern auch die Soft Power und den kulturellen Einfluss der Schweiz im Ausland.

Ausblick

Die Zukunft der Schweizer Schulen im Ausland ist ungewiss, während das Parlament über die vorgeschlagenen Kürzungen berät. Die Kantone unterstützen die Schulen derzeit teilweise mit Unterrichtsmaterialien und Weiterbildungen, stehen jedoch ebenfalls unter dem Druck der Sparpakete des Bundes. Die Situation erfordert innovative Lösungen, um diese wichtigen Bildungs- und Kulturinstitutionen zu erhalten. Die Herausforderung besteht darin, die besondere Schweizer Bildungsqualität und das kulturelle Erbe zu bewahren und sich gleichzeitig den finanziellen Einschränkungen anzupassen.