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Swiss Observer

Schweizer Spark rise: Die Hälfte der Bevölkerung kann kein Geld sparen

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 53 % der Schweizer Bevölkerung trotz starkem Sparwillen kein Geld zurücklegen kann. Das verdeutlicht den wachsenden finanziellen Druck auf die Haushalte.

Schweizer Spark rise: Die Hälfte der Bevölkerung kann kein Geld sparen
AISWI swissinfo.ch

Der Anschein finanzieller Unverwundbarkeit der Schweiz bekommt Risse. Eine neue, aufsehenerregende Umfrage zeigt, dass 53 % der Schweizer Bevölkerung in den letzten sechs Monaten keinen einzigen Franken sparen konnten. Diese Zahl ist ein schwerer Schlag für den Ruf des Landes, umsichtig mit Geld umzugehen und über ein hohes verfügbares Einkommen zu verfügen. Obwohl der Sparwille fast überall vorhanden ist und 79 % der Bevölkerung das Sparen als Priorität bezeichnen, macht die harte wirtschaftliche Realität dieses Ziel für die Mehrheit unerreichbar.

Es handelt sich nicht um Gleichgültigkeit, sondern um eine Krise der Möglichkeiten. Die Studie von Baloise und YouGov Schweiz, für die mehr als 2'000 Einwohnerinnen und Einwohner befragt wurden, legt die wachsende Kluft zwischen Absicht und Umsetzung offen. Wenn mehr als die Hälfte der Bevölkerung eines der reichsten Länder der Welt von Lohn zu Lohn lebt und kein finanzielles Polster aufbauen kann, deutet das auf ein systemisches Versagen hin, das über die individuelle Budgetplanung hinausgeht. Die Daten senden eine klare Warnung: Die finanzielle Widerstandsfähigkeit des durchschnittlichen Schweizer Haushalts nimmt in alarmierendem Tempo ab.

Unter der Last der Fixkosten

Der Grund ist klar und unerbittlich: Hohe Fixkosten zehren die Haushaltsbudgets auf. Für die 47 % der Einwohnerinnen und Einwohner, denen es noch gelingt, etwas zu sparen, sind die Spielräume äusserst knapp. Knapp die Hälfte dieser Sparerinnen und Sparer legt monatlich höchstens 1'000 CHF zurück. Angesichts der exorbitanten Lebenshaltungskosten in der Schweiz ist das eine bescheidene Summe. Dabei geht es nicht um den Aufbau von Vermögen, sondern um einen verzweifelten Versuch, sich abzusichern.

Sicherheit ist hier der wichtigste Antrieb. Laut der Umfrage legen diejenigen, die sparen, vor allem Geld für unvorhergesehene Ausgaben zurück. Sie fürchten den finanziellen Schock, den schon eine einzige unerwartete Rechnung auslösen könnte. Gleichzeitig zeichnet sich ein deutlicher Generationenunterschied ab. Unter 30-Jährige sparen mit Nachdruck für Wohneigentum und kämpfen in einem Immobilienmarkt, der zunehmend unerreichbar erscheint, gegen einen starken Gegenwind. Sie stecken deutlich mehr Geld in diesen Traum als ältere Altersgruppen und geben trotz der immer stärkeren Belastung durch die hohen Kosten nicht auf.

Die Illusion der Frühpensionierung

Mit Blick auf die Zukunft macht sich eine gefährliche Illusion breit. Zwar äussern mehr als 50 % der Befragten den starken Wunsch, frühzeitig in Rente zu gehen, doch tatsächlich bereitet sich kaum jemand auf diesen Schritt vor. Nur gerade 11 % arbeiten aktiv auf dieses Ziel hin. Diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass die Bevölkerung schlafwandelnd in eine Rentenkrise gerät und von einem Ausstieg träumt, den sie sich nicht leisten kann.

Für ein Drittel der Bevölkerung setzt sich die Realität bereits durch: Sie räumen ein, dass eine Frühpensionierung schlicht unrealistisch ist. Der Optimismus, der die Schweizer Sicht auf die Zukunft einst prägte, schwindet. Zwar geben 57 % der Menschen an, sich mit ihrer aktuellen finanziellen Lage wohlzufühlen, doch mit Blick nach vorn schwindet dieses Vertrauen. Nur 44 % sind von ihrer langfristigen finanziellen Stabilität überzeugt. Der Vertrauensverlust in das Rentensystem ist deutlich spürbar. Als Hauptursachen ihrer Sorgen nennen die Befragten ungenügende Renten und drohende Rentenlücken. Den Schweizerinnen und Schweizern geht es heute gut, doch die Zukunft bereitet ihnen grosse Angst.

Eine Krise des Vertrauens und des Finanzwissens

Zum wirtschaftlichen Druck kommt ein erschreckender Mangel an Finanzwissen hinzu. Ganze 60 % der Schweizer Bevölkerung beurteilen ihre eigenen Kenntnisse in Finanzfragen höchstens als mittelmässig. In einem Land, in dem die Finanzelite der Welt zu Hause ist, fühlen sich die Durchschnittsbürgerinnen und -bürger schlecht gerüstet, um ihre wirtschaftliche Zukunft selbst zu gestalten. Diese Wissenslücke ist nicht bloss ein persönliches Versäumnis, sondern ein struktureller Mangel.

Die Mehrheit der Befragten fordert nun, dass Finanzbildung bereits in der Schule beginnt. Damit lehnt sie den heutigen Zustand ab, in dem Wissen eher zufällig über Familie und Freundeskreis weitergegeben wird. Diese Abhängigkeit von informellen Ratschlägen verstärkt die Ungleichheit und lässt Menschen ohne finanzkundiges Umfeld auf sich allein gestellt zurück. Angesichts einer stabilen Armutsquote von 8,1 % und zunehmender finanzieller Komplexität wird der Ruf nach einem systemischen Wandel laut. Die Schweiz muss diese Wissenslücke umgehend schliessen, sonst droht eine Zukunft, in der finanzielle Stabilität ein Privileg weniger statt ein Standard für viele ist.