Wissenschaft
Schweizer Forschung feiert Rückkehr ins EU-Förderprogramm
Zwanzig Schweizer Forschende erhalten erstmals seit drei Jahren renommierte ERC Advanced Grants. Dies markiert eine Verbesserung der wissenschaftlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU.

Das wissenschaftliche Tauwetter setzt endlich ein. Erstmals seit mehr als drei Jahren haben Schweizer Forschende die politische Hürde überwunden und sich 20 renommierte ERC Advanced Grants gesichert. Dies markiert einen entscheidenden Wendepunkt für die akademische Elite der Schweiz, die seit dem diplomatischen Bruch im Frühjahr 2021 von der Spitzenförderung des Europäischen Forschungsrats ausgeschlossen war.
Die Durststrecke ist offiziell vorbei. Von den 281 Projekten, die auf dem ganzen Kontinent gefördert werden, entfielen fast 10 Prozent auf herausragende Forschende mit Sitz in der Schweiz. Diese Rückkehr ist kein Zufall, sondern das direkte Ergebnis einer hart erkämpften Übergangsregelung, die nach der Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Bern und Brüssel im März 2024 in Kraft trat. Während die Europäische Union die Schweiz zuvor zum nicht assoziierten Drittstaat herabgestuft und damit faktisch aus dem Programm ausgeschlossen hatte, öffnet diese neue Vereinbarung die Tür wieder. Die Wissenschaft kann endlich aufatmen, während die Blockade aufgehoben wird. Dies zeigt, dass die Schweizer Innovation auch nach Jahren der Isolation weiterhin Weltklasse ist.
Der hohe Preis für die Rückkehr
Die Schweiz zahlt einen hohen Preis, um wieder mitspielen zu können. Das Prestige kommt zwar von der EU, das Geld jedoch direkt aus Bern. Um den bürokratischen Stillstand zu umgehen, musste der Bund das System bis April 2024 mit einer gewaltigen Summe von 600 Millionen Franken (740 Millionen US-Dollar) unterstützen. Dieses massive finanzielle Engagement stellt sicher, dass Forschende in der Praxis nicht leer ausgehen, obwohl die Schweiz auf dem Papier als «assoziierter Drittstaat» gilt.
Es steht unglaublich viel auf dem Spiel. Jeder dieser begehrten Grants bietet pro Projekt bis zu 2,5 Millionen Euro (2,35 Millionen Franken) und stellt damit die nötigen Mittel für bahnbrechende Entdeckungen bereit. Indem der Bund die Kosten übernimmt, erkennt er eine entscheidende Realität an: Der Preis des Ausschlusses ist weit höher als der Preis der Teilnahme. Dieses «Pay-to-play»-Modell ist eine befristete Lösung, eine finanzielle Brücke, die die Lücke überbrücken soll, während die Diplomaten weiter über ein dauerhaftes Rahmenabkommen verhandeln. Vorerst fliesst das Geld, aber die Quelle hat sich geändert.
Technische Hochschulen dominieren die Vergabe
Wenn es darum geht, europäische Spitzenförderung zu sichern, spielen die technischen Hochschulen der Schweiz in einer eigenen Liga. Die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) ist vorausgeeilt und hat sich bemerkenswerte sieben Grants gesichert. Die ETH Zürich liegt mit fünf knapp dahinter und festigt damit die Dominanz der eidgenössischen technischen Hochschulen. Zusammen erhielten diese beiden Schwergewichte 60 Prozent aller an die Schweiz vergebenen Grants und stärken damit ihren Ruf als weltweit führende Institutionen in Forschung und Innovation.
Die Exzellenz beschränkt sich jedoch nicht auf die technischen Hochschulen. Die Universität Basel übertraf mit drei Grants die Erwartungen, während die Universitäten Bern, Genf und Zürich je einen Grant erhielten. Auch spezialisierte Institutionen konnten sich auszeichnen: Das Paul Scherrer Institut (PSI) und das Forschungsinstitut Idiap erhielten je einen Grant. Diese Verteilung zeigt ein starkes, landesweites Forschungsökosystem und beweist, dass die Schweizer Wissenschaft vom Rheinufer bis zum Genfersee lebendig und wettbewerbsfähig ist und eine führende Rolle übernehmen kann.
Ein fragiler Rettungsanker für die Innovation
Dieser bedeutende Erfolg ist jedoch ein fragiler Rettungsanker. Die Rückkehr der ERC Advanced Grants ist ein Triumph für einzelne Forschende, unterstreicht aber zugleich, wie prekär das aktuelle Verhältnis der Schweiz zur EU ist. Wir befinden uns in einer Übergangsphase, mit einer befristeten Lösung für ein belastetes diplomatisches Verhältnis, das noch nicht vollständig geheilt ist. Die 20 Grants zeugen von Widerstandskraft, erinnern aber auch daran, was beinahe verloren gegangen wäre.
Während die Verhandlungen nur schleppend vorankommen, wächst der Druck, diesen befristeten Zugang in eine dauerhafte Lösung umzuwandeln. Die Schweizer Wissenschaft lebt von Zusammenarbeit, nicht von Isolation. Die Möglichkeit, sich um diese Grants zu bewerben und sie zu gewinnen, bestätigt die Qualität der Schweizer Forschung. Ohne einen stabilen politischen Rahmen bleibt dieser Erfolg jedoch den wechselnden Winden aus Brüssel ausgesetzt. Vorerst feiern wir die 20 Gewinnerinnen und Gewinner, die der Schweiz wieder Sichtbarkeit verschafft haben. Der Kampf um eine gesicherte, langfristige wissenschaftliche Zukunft ist jedoch noch lange nicht vorbei.