Politik
Abstimmung steht bevor: Referendum gegen strengere Zivildienstregeln erfolgreich
Ein Referendumskomitee hat erfolgreich über 57’000 Unterschriften gesammelt, um einen Parlamentsbeschluss anzufechten, der den Wechsel vom obligatorischen Militärdienst zum Zivildienst erschwert. Nun werden die Schweizer Stimmberechtigten darüber abstimmen. Damit steht eine nationale Debatte über die Zukunft des Zivildienstes bevor.

Erstaunliche 57’000 Unterschriften sind bei den Bundesbehörden in Bern eingetroffen und haben den parlamentarischen Versuch durchkreuzt, die Zivildienstregeln still und leise zu verschärfen. Das ist nicht bloss eine Petition, sondern eine direkte Herausforderung des Status quo. Das Referendumskomitee, angeführt vom Zivildienstverband Civiva und den Jungen Grünen, hat eine nationale Abstimmung erzwungen. Indem es die erforderliche Schwelle überschritten hat, hat es eine obligatorische Volksabstimmung ausgelöst und damit die Pläne der Regierung, den Wechsel vom Militärdienst zum Zivildienst erheblich zu erschweren, vorerst auf Eis gelegt.
Die Botschaft, die an diesem Donnerstag übermittelt wurde, war unmissverständlich: Die Schweizer Stimmberechtigten wollen bei der Zukunft der Wehrpflicht mitreden. Während das Parlament im vergangenen Herbst höhere Hürden für den Zugang zum Zivildienst errichten wollte, deutet diese Welle der Unterstützung aus der Bevölkerung auf eine tiefe Kluft zwischen den Gesetzgebern und der Bevölkerung hin. Die Unterschriften seien ein «starkes Signal gegen die Schwächung des Zivildienstes», so das Komitee. Die Schweiz stellt sich nun auf einen hitzigen Abstimmungskampf ein, in dem die Bedeutung der Dienstpflicht selbst zur Abstimmung steht. Die Regierung wollte die Armeebestände rasch aufstocken, stattdessen hat sie einen Sturm der direkten Demokratie entfacht.
Ein System unter Beschuss
Im Zentrum dieses Konflikts steht eine entscheidende Prognose: ein möglicher Rückgang des Zivildienstpersonals um 40 Prozent. Die Gegnerinnen und Gegner der parlamentarischen Vorlage argumentieren, die vorgeschlagenen Einschränkungen seien nicht bloss administrative Anpassungen, sondern eine existenzielle Bedrohung für die Institution. Die Logik der Regierung ist einfach: Werden die Hürden für den Zivildienst erhöht, bleiben mehr junge Männer in der Armee. Kritikerinnen und Kritiker warnen jedoch, diese Nullsummenstrategie gefährde ein System, das zu einem festen Bestandteil des sozialen Gefüges der Schweiz geworden sei.
Es steht enorm viel auf dem Spiel. Indem das Parlament Lücken in der Armee und im Zivilschutz zu schliessen versucht, riskiert es, die Arbeitskräfte im alternativen Dienst drastisch zu reduzieren. Das Referendumskomitee argumentiert, die vorgeschlagenen «Schikanen» seien ein fehlgeleiteter Versuch, eine Rekrutierungskrise zu lösen, indem eine funktionierende Alternative abgebaut werde. Statt den Militärdienst attraktiver zu machen, werden die neuen Regeln von den Gegnerinnen und Gegnern als strafende Verschärfung betrachtet, die junge Schweizer Männer davon abhalten soll, ihr Recht auf Gewissensfreiheit auszuüben. Die bevorstehende Abstimmung wird darüber entscheiden, ob das Land den Zivildienst als sinnvollen Beitrag oder als zu schliessende Lücke betrachtet.
Der Wert des Dienstes
Mehr als 2 Millionen Diensttage: Das ist der enorme Beitrag, den Zivildienstleistende jedes Jahr für die Schweiz erbringen. Dabei handelt es sich nicht um abstrakte Zahlen, sondern um Millionen von Stunden in Spitälern, Schulen, auf Bauernhöfen und in Naturschutzgebieten. Das Referendumskomitee betont, dass diese Dienstpflichtigen oft dort eingesetzt werden, wo der Bedarf am grössten ist, und Lücken in Bereichen füllen, die bereits mit gravierendem Personalmangel zu kämpfen haben. Von der Betreuung älterer Menschen bis zur Pflege der alpinen Biodiversität ist ihre Arbeit konkret und unverzichtbar.
Eine nahezu Halbierung dieser Arbeitskräfte würde den Sozialbereich erschüttern. Das Komitee argumentiert, der Zivildienst müsse ein «sinnvoller Dienst an der Gesellschaft» bleiben und dürfe nicht als bestrafte Alternative behandelt werden. Es ist der Ansicht, die parlamentarische Vorlage ignoriere den grundlegenden Beitrag zum Gemeinwohl, den diese Tausenden jungen Männer leisten. Indem die Regierung die Frage ausschliesslich auf die Zahl der Armeeangehörigen ausrichte, unterschätze sie möglicherweise, wie sehr die Bevölkerung die sichtbaren, täglichen Auswirkungen der Zivildienstleistenden in ihren Gemeinden schätze.
Der politische Schlagabtausch nimmt Fahrt auf
Die politischen Fronten sind geklärt, und die Rhetorik wird schärfer. Priska Seiler Graf, Co-Präsidentin von Civiva und SP-Nationalrätin, nahm kein Blatt vor den Mund und bezeichnete die Strategie der Regierung als «Schikanen». Sie hält entschieden fest, dass die Vorlage ihr Hauptziel verfehlen werde: «Junge Armeeangehörige, die sich für einen Wechsel in den Zivildienst entschieden haben, lassen sich kaum abschrecken.» Ihre Aussage verdeutlicht, dass grundlegend unterschiedliche Vorstellungen darüber bestehen, was heutige Wehrpflichtige motiviert.
Die Opposition wird von einer starken Allianz aus der SP, den Grünen und der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) unterstützt. Sie ist gut organisiert und bereit, in den Abstimmungskampf zu ziehen. Die Gegnerinnen und Gegner argumentieren, die beiden Institutionen, Militärdienst und Zivildienst, dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Während der Abstimmungskampf an Fahrt aufnimmt, steht die Regierung vor der schwierigen Aufgabe, die Stimmberechtigten davon zu überzeugen, dass die Schwächung einer Säule des nationalen Dienstes notwendig ist, um die andere zu retten. Mit dem nun zustande gekommenen Referendum liegt der endgültige Entscheid in den Händen des Schweizer Stimmvolks.