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Swiss Observer

Ausbildung des Schweizerischen Roten Kreuzes zeigt vielversprechende Ansätze bei der Integration von Flüchtlingen

Eine innovative Gesundheitsausbildung hilft, den Personalmangel zu bekämpfen und gleichzeitig die Beschäftigung von Flüchtlingen zu fördern

Ausbildung des Schweizerischen Roten Kreuzes zeigt vielversprechende Ansätze bei der Integration von Flüchtlingen
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz schreibt das Drehbuch für die Integration von Flüchtlingen neu. Am Dienstag besuchte Justizminister Beat Jans das Ausbildungszentrum des Schweizerischen Roten Kreuzes in Bellelay im Kanton Bern, um eine wegweisende Initiative kennenzulernen, die zwei zentrale nationale Herausforderungen gleichzeitig angeht. Es handelt sich nicht bloss um ein karitatives Vorhaben, sondern um einen strategischen wirtschaftlichen Eingriff. Das Projekt in Bellelay ist auf diesem Gebiet ein Pionier. Es setzt sich gezielt dafür ein, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren und gleichzeitig den chronischen Personalmangel im Gesundheitswesen zu bekämpfen.

Die Dringlichkeit dieser Initiative kann kaum überschätzt werden. Während die Schweiz mit dem demografischen Wandel ringt, war es noch nie so wichtig, Asylsuchende zu aktiven Beitragsleistenden für die Wirtschaft zu machen. Jans’ Besuch ist ein deutliches Zeichen der Unterstützung auf höchster Ebene für diesen pragmatischen Ansatz. Indem die Integration vom Moment der Ankunft an als unmittelbare Priorität behandelt wird, verlagert das Programm den Blick von der Belastung hin zur Chance. Die Anwesenheit des Justizministers unterstreicht die Absicht des Bundes: skalierbare, tragfähige Lösungen zu finden, die sowohl den Neuankömmlingen als auch der Schweizer Wirtschaft zugutekommen.

Anspruchsvolle Ausbildung, konkrete Ergebnisse

Das ist keine schnelle Lösung, sondern ein anspruchsvolles Ausbildungsprogramm über 20 Monate, das kompetente, arbeitsbereite Fachkräfte hervorbringen soll. Das Programm in Bellelay lehnt die Vorstellung einer oberflächlichen Integration ab. Stattdessen verlangt es Engagement. Die Teilnehmenden absolvieren einen anspruchsvollen Lehrplan, der intensiven Französischunterricht mit praktischer Erfahrung im Gesundheitswesen verbindet. Dieser zweigleisige Ansatz stellt sicher, dass die Auszubildenden nicht nur sprachlich versiert, sondern auch fachlich kompetent sind.

Es steht viel auf dem Spiel, und die Anforderungen sind hoch. Wer den Kurs erfolgreich abschliesst, erhält ein anerkanntes Diplom als Pflegehelferin oder Pflegehelfer, das den Weg zu einer sofortigen Anstellung öffnet. Dieses Zertifikat bildet die Brücke von der Abhängigkeit zur Selbstständigkeit. Mit der Standardisierung der Qualifikation stellt das Schweizerische Rote Kreuz sicher, dass die neuen Arbeitskräfte die strengen Qualitätsanforderungen des Schweizer Gesundheitswesens erfüllen. Der Aufbau des Programms, das sich über fast zwei Jahre erstreckt, zeigt, dass erheblich in das Humankapital investiert wird. Im Vordergrund steht die langfristige berufliche Perspektive, nicht eine kurzfristige Vermittlungsquote.

Den Personalmangel im Gesundheitswesen bekämpfen

Das Schweizer Gesundheitswesen ist mit einem alarmierenden Fachkräftemangel konfrontiert, und die Initiative in Bellelay bietet einen wichtigen Ausweg. Spitäler und Pflegeheime im ganzen Land haben Mühe, offene Stellen zu besetzen. Dadurch ist die Versorgungsqualität für eine alternde Bevölkerung gefährdet. Das Programm geht diese Realität direkt an. Indem es motivierte Flüchtlinge in diese wichtigen Funktionen vermittelt, entlastet die Initiative das bestehende Personal und besetzt Stellen, die hartnäckig unbesetzt geblieben sind.

Die Synergien liegen auf der Hand. Während die Gesundheitsbranche dringend qualifizierte Arbeitskräfte braucht, stossen Flüchtlinge beim Zugang zu solchen Stellen oft auf scheinbar unüberwindbare Hürden. Dieses Programm baut diese Hürden ab. Es schafft einen strukturierten Weg, um Fachkräfte in einen Bereich zu bringen, der sie dringend benötigt. Die Funktion als Pflegehelferin oder Pflegehelfer ist für den reibungslosen Betrieb medizinischer Einrichtungen unverzichtbar. Flüchtlinge zu befähigen, diese Stellen zu besetzen, ist ein genialer Schachzug in der Personalplanung. So wird aus einer sozialpolitischen Herausforderung eine konkrete Lösung für die Personalnot der Gesundheitsbranche.

Ein Vorbild für die landesweite Integration

«Die ersten Erfahrungen sind sehr vielversprechend», erklärte Beat Jans. Sein Urteil könnte die Bundespolitik noch jahrelang prägen. Seine Einschätzung geht über blosses Lob hinaus und ist ein Aufruf zum Handeln. Der Justizminister sagte ausdrücklich, dass dieses Modell «anderen Kantonen und dem Bund als Beispiel dienen kann». Das ist ein klares Signal dafür, dass das Pilotprojekt in Bellelay als Vorbild für eine landesweite Umsetzung gilt.

Die möglichen Folgen sind weitreichend. Wird das Modell in der ganzen Schweiz übernommen, könnte es vereinheitlichen, wie das Land das Zusammenspiel von Asyl und Beschäftigung angeht. Es wendet sich von passiven Unterstützungssystemen ab und setzt auf aktive berufliche Integration. Wenn andere Kantone auf Bern blicken, zeigt der Erfolg des Zentrums in Bellelay, dass sich die komplexe Aufgabe der Integration mit der richtigen Struktur bewältigen lässt. Die Botschaft von höchster Stelle ist klar: Die Pilotphase zeigt Wirkung, und jetzt ist der richtige Zeitpunkt, diesen Erfolg auszuweiten.