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Swiss Observer

Schweizer Immobilienmarkt trotzt globalen Trends mit einem Preisanstieg von 7,4 Prozent

Die Schweizer Immobilienpreise steigen weiter: Die Preise für Häuser legten im Jahresvergleich um 7,4 Prozent zu, während Wohnungen um 4,2 Prozent teurer wurden. Gründe dafür sind die anhaltend hohe Nachfrage und die tiefen Zinsen.

Schweizer Immobilienmarkt trotzt globalen Trends mit einem Preisanstieg von 7,4 Prozent
AISWI swissinfo.ch

Der Schweizer Immobilienmarkt kommt nicht einfach nur in Schwung, er läuft heiss. Trotz der weltweiten Konjunkturflaute sind die Hauspreise in der Schweiz im Jahresvergleich um beachtliche 7,4 Prozent gestiegen. Das signalisiert eine ungebrochene Nachfrage nach Immobilien, die keinerlei Anzeichen einer Abschwächung zeigt. Während andere Märkte mit Stagnation zu kämpfen haben, beschleunigt sich die Entwicklung im Schweizer Markt mit beeindruckendem Tempo.

Wohnungen liegen nicht weit zurück und verzeichneten im gleichen Zeitraum einen kräftigen Anstieg um 4,2 Prozent. Das ist kein sanfter Anstieg, sondern ein steiler Höhenflug, angetrieben von knappem Bauland und reichlich Kapital. Die von den Hypothekarspezialisten Moneypark und Pricehubble geprüften Daten zeichnen das Bild eines Marktes, der für Menschen mit wenig Vermögen nahezu unzugänglich geworden ist. Für Anlegerinnen und Anleger sowie bestehende Eigentümerinnen und Eigentümer steigen die Vermögenswerte hingegen schneller als bei fast allen anderen traditionellen Anlageformen im Land. Die Botschaft des Marktes ist eindeutig: Schweizer Immobilien bleiben der Goldstandard unter den Anlageklassen, unabhängig von den Einstiegskosten.

Ungebrochene Nachfrage treibt die Marktdynamik an

Im zweiten Quartal 2025 nahm die Marktaktivität explosionsartig zu und überraschte viele Analystinnen und Analysten. Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres stiegen die Hauspreise um weitere 3,4 Prozent, während Wohnungen 2,4 Prozent an Wert gewannen. Für neuen Schwung sorgt eine Mischung aus hoher Nachfrage und anhaltend tiefen Zinsen, die den Immobilienmarkt weiter antreiben.

Käuferinnen und Käufer strömen auf den Markt und versuchen verzweifelt, sich Immobilien zu sichern, bevor die Preise erneut steigen. Die starke Nachfrage erzeugt in den Kantonen eine angespannte Lage. Der Markt wird nicht mehr nur von tatsächlichem Bedarf angetrieben, sondern auch von der Angst, etwas zu verpassen, und dem strategischen Bedürfnis, sich Sachwerte zu sichern. Die Stabilität des Schweizer Frankens und der Status des Landes als sicherer Hafen beschleunigen diese Entwicklung und ziehen sowohl inländisches als auch ausländisches Kapital in den Wohnungsmarkt. Da das Angebot knapper wird, verschärft sich der Wettbewerb um jeden Quadratmeter Schweizer Boden und treibt die Bewertungen in schwindelerregende Höhen.

Banken übernehmen die Vorherrschaft im Finanzierungsgeschäft

Der Wandel im Hypothekarmarkt hat dramatische Folgen: Traditionelle Banken haben die aktuelle Volatilität konsequent genutzt, um ihre Marktstellung auszubauen. Sie kontrollieren inzwischen beachtliche 67 Prozent des Hypothekarmarktes. Das entspricht einem deutlichen Anstieg um 12 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres. Das ist kein Zufall, sondern ein taktischer Erfolg gegenüber Versicherungen und Pensionskassen.

Auslöser dieser Entwicklung ist der Wunsch der Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer nach mehr Flexibilität. Angesichts unsicherer Zinsaussichten verzichten Schweizer Käuferinnen und Käufer zunehmend auf langfristige Bindungen. Stattdessen setzen sie auf mittelfristige Hypotheken mit Laufzeiten von fünf bis neun Jahren oder auf variable Zinssätze. Die Banken haben dies rasch genutzt und flexible Finanzierungsprodukte angeboten, mit denen Versicherungen und Pensionskassen schlicht nicht mithalten können. Indem sie den Bereich der variablen Zinssätze weitgehend für sich beanspruchen, haben die Banken ihre Konkurrenten effektiv an den Rand gedrängt und ihre Kontrolle über die Finanzierung des Schweizer Immobilienbooms gesichert.

Der Traum vom Eigenheim schwindet

Während die Immobilienportfolios wachsen, droht der nächsten Generation eine Krise. Die «Generation ohne Eigenheim» ist längst keine theoretische Vorstellung mehr: Tausende junge Schweizerinnen und Schweizer erleben, wie die Immobilienleiter ausser Reichweite gerät. Da die Preise in vielen Branchen fast doppelt so schnell steigen wie die Löhne, schwindet die rechnerische Möglichkeit, ohne ererbtes Vermögen ein Eigenheim zu kaufen.

Der Preisanstieg von 7,4 Prozent trifft Menschen, die zum ersten Mal ein Eigenheim kaufen wollen und ohnehin nur knapp mithalten können, besonders hart. Während der Markt allen Widrigkeiten trotzt, erschwert er zugleich den sozialen Aufstieg. Die wachsende Kluft zwischen Eigentümerinnen und Eigentümern und Mieterinnen und Mietern schafft eine Gesellschaft mit zwei Klassen, in der Immobilienvermögen zunehmend über die finanzielle Sicherheit entscheidet. Ohne eine grundlegende Veränderung des Angebots oder eine Korrektur der Bewertungen, und für beides gibt es derzeit keine Anzeichen, droht die Schweiz zu einem Land zu werden, in dem Wohneigentum ausschliesslich der Elite vorbehalten ist.