Verkehr
SBB kündigen für 2025 Rekordzahl von 1’600 Extrazügen für Veranstaltungen an
Die SBB plant einen beispiellosen Angebotsausbau mit 1’600 zusätzlichen Zügen, um Grossveranstaltungen wie den Eurovision Song Contest in Basel und die Fussball-Europameisterschaft der Frauen zu bewältigen.

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) mobilisieren für 2025 eine historische Zugflotte und kündigen beeindruckende 1’600 Extrazüge an, um ein beispielloses Jahr mit Grossveranstaltungen zu bewältigen. Diese Zahl bedeutet einen dramatischen Kapazitätsanstieg: Sie ist doppelt so hoch wie in einem durchschnittlichen Veranstaltungsjahr und übertrifft die Zahlen von 2024 um beinahe 1’000 zusätzliche Verbindungen. Die SBB passen nicht bloss die Fahrpläne an, sondern stellen ihren Betriebsrhythmus grundlegend um, um einem Jahr mit enormem Verkehrsaufkommen gerecht zu werden.
Während die SBB üblicherweise die Logistik für rund 1’400 Veranstaltungen pro Jahr bewältigen, von lokalen Festen bis zu Konzerten, stellt 2025 die Infrastruktur vor eine grosse Herausforderung. Die hohe Dichte an bedeutenden Veranstaltungen zwingt die Bahn, vom normalen Betrieb auf einen Krisenmodus umzuschalten. Das ist kein Alltag, sondern ein Belastungstest für das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz. Mit dem Einsatz dieser riesigen Reserveflotte signalisiert die SBB ihre Entschlossenheit, einen Verkehrskollaps zu verhindern und den Ruf des Landes für Pünktlichkeit durch einen der geschäftigsten Veranstaltungskalender der jüngeren Geschichte zu bringen.
Basel stellt sich auf den Eurovision-Ansturm ein
Basel ist das erste grosse Einsatzgebiet für die erweiterte Flotte der SBB. Die Stadt bereitet sich darauf vor, vom 13. bis 17. Mai den Eurovision Song Contest (ESC) auszurichten. Florian Kurt, Leiter Eventverkehr, hat bestätigt, dass 115 zusätzliche Züge eigens eingesetzt werden, um den Zustrom der Musikfans zu bewältigen. Schätzungen zufolge werden 250’000 Besucherinnen und Besucher in die Stadt kommen, was das Schienennetz für eine konzentrierte Zeitspanne ausserordentlich stark beanspruchen wird.
Die Unsicherheit der Lage macht die Planung zusätzlich komplex. Obwohl die SBB erhebliche Ressourcen zugesagt hat, bleibt die genaue Aufteilung auf die verschiedenen Verkehrsmittel offen. Die Verantwortlichen stützen sich bei der Planung auf Prognosemodelle und nicht auf konkrete Buchungen. Sollten sich die Schätzungen bewahrheiten, werden die Bahnstrecken nach Basel ein aussergewöhnlich hohes Passagieraufkommen verzeichnen, wie es sonst nur an nationalen Feiertagen vorkommt. Die Strategie der SBB ist klar: Sie will grosszügig Kapazitäten bereitstellen. Mit mehr als hundert zusätzlichen Verbindungen im Fahrplan soll der ESC-Verkehr flüssig abgewickelt werden, damit der kulturelle Höhepunkt des Frühlings nicht zum Albtraum für Reisende wird.
Ein Sportsommer stellt das Schienennetz auf die Probe
Neben dem Glanz des Eurovision Song Contest steht der Schweiz ein anstrengender Marathon sportlicher Grossveranstaltungen bevor, der das Schienennetz an seine Grenzen bringen wird. Der Veranstaltungskalender 2025 ist dicht gefüllt mit Grossanlässen: der Fussball-Europameisterschaft der Frauen, dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest und den grossen Berufsmeisterschaften «SwissSkills» in Bern. Jede dieser Veranstaltungen zieht für sich genommen Zehntausende an. Zusammen sorgen sie für eine anhaltende Hochsaison, in der kein Spielraum für Fehler bleibt.
Die geografische Verteilung der Veranstaltungen, von Stadien bis zu alpinen Arenen, erfordert eine flexible und robuste Antwort. Anders als bei einem einzelnen Konzert in Zürich umfassen diese Meisterschaften Reisen zwischen mehreren Städten und eine komplexe regionale Koordination. Die SBB muss den Transport internationaler Fussballfans mit der Anreise der traditionellen Schwingfans unter einen Hut bringen, oft an denselben Wochenenden. Das Zusammentreffen unterschiedlichster Besuchergruppen stellt eine besondere logistische Herausforderung dar. Die zusätzlichen Züge sind dabei entscheidend: Sie dienen als Druckventil für ein System, das gleichzeitig Pendlerinnen und Pendler sowie grosse Gruppen von Sporttouristen befördern muss, ohne unter der Belastung einzuknicken.
Die logistische Gratwanderung hinter den Kulissen
Die Umsetzung dieses massiven Ausbaus liegt beim Traffic Control Centre (TCC), dem Nervenzentrum, das unter höchstem Druck arbeitet. Carlo Fasciati, Leiter des TCC, erläutert die Dimension der täglichen Herausforderung: Die 1’600 zusätzlichen Zugtrassen müssen in ein System integriert werden, in dem bereits täglich rund 9’700 Personenzüge verkehren. Das Schweizer Schienennetz gehört zu den dichtesten der Welt. Zusätzliche Züge darin unterzubringen, ist, als würde man im Laufschritt einen Faden durch ein Nadelöhr führen.
Die grösste Herausforderung ist nicht nur das Verkehrsaufkommen, sondern auch die Zeit. Zusätzliche Abfahrten zu koordinieren, ohne den ausgeklügelten Taktfahrplan zu stören, erfordert höchste Präzision. Eine Verspätung von wenigen Minuten in einem Teil des Netzes kann sich auf das ganze Land auswirken. Die Teams des TCC arbeiten täglich daran, diese zusätzlichen Verbindungen nahtlos einzuplanen, doch das Risiko bleibt hoch. Mit Blick auf 2025 setzt die SBB auf sorgfältige Planung und betriebliche Disziplin, damit die Schweiz in Bewegung bleibt. Die Infrastruktur ist bereit, die Züge sind eingeplant und der Countdown bis zum ersten Anpfiff hat begonnen.