Infrastruktur
Schweizer Bahnen: 82 % der Bahnhöfe barrierefrei für Menschen mit eingeschränkter Mobilität
Das Bundesamt für Verkehr meldet, dass 1’132 Bahnhöfe für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich sind. Bis 2028 sollen weitere 186 Bahnhöfe angepasst werden.

Das Schweizer Bahnnetz hat einen wichtigen Meilenstein bei der sozialen Inklusion erreicht. Ganze 82 % der Reisenden profitieren inzwischen von vollständig barrierefreien Reisen. Das ist ein grundlegender Wandel für die Mobilität im Land. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) bestätigte am Mittwoch, dass die konsequenten Modernisierungsarbeiten dazu geführt haben, dass 1’132 von insgesamt 1’800 Bahnhöfen vollständig an die Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkter Mobilität angepasst sind. Dabei geht es nicht nur um Infrastruktur, sondern auch um mehr Selbstständigkeit für Tausende Pendlerinnen und Pendler.
Die Entwicklung ist eindeutig. Allein im vergangenen Jahr haben die Behörden 43 Bahnhöfe umfassend umgebaut und historische Perrons mit modernen Einrichtungen ausgestattet. Die Arbeiten sind aufwendig, doch dadurch wird der öffentliche Verkehr rasch zugänglicher. Das Schweizer Bahnsystem, das weltweit für seine Pünktlichkeit bekannt ist, festigt nun auch seinen Ruf für Barrierefreiheit. So wird die freie Mobilität für die grosse Mehrheit der Bevölkerung, unabhängig von ihren körperlichen Fähigkeiten, zunehmend Realität.
Die Zahlen: Der Weg zu mehr Inklusion
Die Zahlen zeigen einen gross angelegten Einsatz. Mit inzwischen 1’132 angepassten Bahnhöfen steht das Schweizer Bahnnetz vor einer der komplexesten Infrastrukturaufgaben Europas. Das Ausmass dieses Vorhabens lässt sich kaum überschätzen. Wir erleben einen systematischen Umbau, bei dem Beton, Stahl und Logistik dem Gemeinwohl dienen.
Die Arbeit ist jedoch längst nicht abgeschlossen. Die Tatsache, dass 82 % der Reisenden von barrierefreien Angeboten profitieren, ist zwar ein Erfolg, macht aber zugleich deutliche Unterschiede im übrigen Netz sichtbar. Der Schwerpunkt lag klar auf stark frequentierten Knotenpunkten, um möglichst rasch möglichst viel zu bewirken. Der Bericht des BAV unterstreicht eine strategische Priorität: Möglichst viele Menschen sollen so schnell wie möglich barrierefrei unterwegs sein können. Dieser datengestützte Ansatz hat es den Bahnen ermöglicht, bei der Abdeckung des Reiseaufkommens einen bedeutenden Erfolg zu erzielen, auch wenn die noch nicht angepassten Bahnhöfe weiterhin eine Herausforderung darstellen.
Verpasste Fristen und logistische Herausforderungen
Trotz der Fortschritte ist die ursprüngliche gesetzliche Frist abgelaufen. Gemäss dem Behindertengleichstellungsgesetz von 2002 waren die Bahnunternehmen verpflichtet, ihre Infrastruktur bis Ende 2023 anzupassen. Diese Frist ist verstrichen, das Ziel wurde verfehlt. Die Bahnunternehmen holen den Rückstand nun auf. Sie verweisen auf einen akuten Personalmangel und darauf, dass nicht genügend Zeit blieb, um einen derart umfangreichen Umbau im Rahmen des gesetzlich geforderten «verhältnismässigen» Aufwands umzusetzen.
Die verpasste Frist 2023 zeigt die Spannungen zwischen gesetzgeberischen Zielen und den Realitäten des Bauwesens. Die Bahnunternehmen hatten mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen und mussten den laufenden Betrieb mit umfangreichen Bauarbeiten in Einklang bringen. Das Eingeständnis, die Frist verpasst zu haben, erinnert daran, dass selbst in der Schweiz logistische Hürden die besten Pläne durchkreuzen können. Die Unternehmen geben jedoch nicht auf, sondern passen ihre Bemühungen neu an, um den Rückstand mit neuer Dringlichkeit abzubauen.
Der Weg bis 2028: Die Lücke schliessen
Der Zieltermin verschiebt sich, doch die Richtung ist vorgegeben. Die Bahnunternehmen haben sich zu einem konkreten Plan verpflichtet: Bis 2028 sollen weitere 186 Bahnhöfe umgebaut werden. Damit soll der Anteil der Reisenden, die von barrierefreien Angeboten profitieren, auf 88 % steigen. So wird die Lücke für Reisende mit eingeschränkter Mobilität deutlich kleiner. Diese nächste Etappe ist entscheidend: Sie markiert den Übergang von «den meisten» zu «fast allen».
Eine Herausforderung bleibt jedoch bestehen. Auch nach den Umbauten bis 2028 werden 312 Bahnhöfe weiterhin als «ungeeignet» eingestuft und müssen noch weit ins nächste Jahrzehnt hinein umgebaut werden. Damit bleibt eine Aufgabe für die Zukunft bestehen, doch das Engagement ist klar. Die Schweiz flickt nicht einfach einzelne Lücken, sondern gestaltet die Grundausrichtung ihres öffentlichen Verkehrs neu. Die Botschaft an die Bevölkerung lautet: Die Verzögerungen sind real, doch das Ziel eines vollständig inklusiven Netzes steht nicht zur Disposition.