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Swiss Observer

Schweizer Bevölkerung steht US-Zollabkommen skeptisch gegenüber, zeigt Umfrage

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung das neue Zollabkommen mit den Vereinigten Staaten ablehnt. Damit wachsen die Bedenken wegen der Zugeständnisse beim Datenverkehr und der möglichen Einführung einer Digitalsteuer.

Schweizer Bevölkerung steht US-Zollabkommen skeptisch gegenüber, zeigt Umfrage
AISWI swissinfo.ch

Erstaunliche 69 Prozent der Schweizer Bevölkerung haben der jüngsten wirtschaftspolitischen Manöver der Bundesregierung eine Abfuhr erteilt. Das ist ein klares Misstrauensvotum gegen das vorgeschlagene Zollabkommen mit den Vereinigten Staaten. Während Bern die Absichtserklärung feierte, die US-Zölle auf Schweizer Waren von happigen 39 auf tragbare 15 Prozent zu senken, zeigt sich die Öffentlichkeit wenig beeindruckt. Die von Sotomo für den Blick durchgeführte Umfrage offenbart eine alarmierende Kluft zwischen der diplomatischen Elite und der Bevölkerung.

Nur ein knappes Drittel der Befragten beurteilt das Abkommen positiv. Diese Zahl sollte im Bundeshaus für Aufsehen sorgen. Es handelt sich nicht bloss um Skepsis, sondern um eine breit abgestützte Ablehnung der derzeit ausgehandelten Bedingungen. Das Versprechen, Handelshemmnisse abzubauen, vermochte die als Kapitulation empfundene Vereinbarung nicht schmackhaft zu machen. Während die Regierung versucht, das Abkommen als Sieg für die Schweizer Industrie darzustellen, sieht die Wählerschaft darin einen unausgewogenen Handel, bei dem nationale Interessen für ungewisse wirtschaftliche Gewinne aufs Spiel gesetzt werden. Das Ausmass des Widerstands deutet darauf hin, dass die von den Verantwortlichen gepriesene «Goldbarren-Diplomatie» in den Augen der Stimmberechtigten rasch an Glanz verliert.

Digitale Souveränität unter Druck

Der Widerstand entspringt einem ausgeprägten Schutzbedürfnis mit Blick auf digitale Rechte. Ganze 80 Prozent der Befragten lehnen den vorgeschlagenen Verzicht auf Beschränkungen des Datenverkehrs mit den USA ab. Für die datenschutzbewusste Schweizer Bevölkerung geht dieses Zugeständnis zu weit. Die Aussicht auf einen ungehinderten Datentransfer in die US-amerikanische Rechtsprechung trifft in einem Land, das Wert auf Diskretion und Sicherheit legt, einen empfindlichen Nerv. Es geht nicht nur um Handel, sondern um digitale Souveränität, die die Öffentlichkeit nicht preiszugeben bereit ist.

Die Zugeständnisse reichen zudem über den digitalen Bereich hinaus und betreffen konkrete, umstrittene Änderungen im Alltag. Die Bestimmungen des Abkommens, darunter das Versprechen, keine Digitalsteuer einzuführen, die Zulassung amerikanischer Pick-ups auf Schweizer Strassen und die zollfreie Einfuhr von US-Fleisch, stossen auf eisige Ablehnung. Die Sorge vor hormonbehandeltem Rindfleisch und spritfressenden Fahrzeugen auf dem Schweizer Markt ist deutlich spürbar. Auch die Zusage Schweizer Unternehmen, 200 Milliarden Franken in die US-Wirtschaft zu investieren, hat keine Begeisterung ausgelöst. Sie wird vielmehr als Kapitalabfluss statt als strategische Expansion betrachtet.

Das fehlende Vertrauen

Die politischen Gräben vertiefen sich, während ein tiefgreifendes Misstrauen gegenüber der US-Regierung die Schweizer Wählerschaft erfasst. Die Skepsis ist nicht überall gleich ausgeprägt, sondern besonders stark auf der Linken. Ganze 71 Prozent der Anhängerinnen und Anhänger der Grünen bezweifeln offen, dass die USA die Senkung der Zölle auf 15 Prozent langfristig einhalten werden. Auf die Frage, ob das Abkommen Bestand haben werde, antworteten sie mit «nein» oder «eher nein». Diese Skepsis spiegelt eine allgemeinere Besorgnis über die Unberechenbarkeit der amerikanischen Handelspolitik und die Zuverlässigkeit Washingtons als Partner wider.

Während Anhängerinnen und Anhänger der FDP und der Schweizerischen Volkspartei optimistischer sind und die Zuverlässigkeit der USA mehrheitlich bejahen, bilden sie in einer von Zweifel geprägten Stimmung eine Ausnahme. Auch die geplante Zusammenarbeit bei Sanktionen gegen Drittstaaten stösst auf erheblichen Widerstand: 55 Prozent der Befragten finden, sie gehe zu weit. Diese Zahl macht einen zentralen Konflikt sichtbar: den Wunsch der Schweiz, eine eigenständige Aussenpolitik zu verfolgen, gegenüber dem Druck, sich westlichen Grossmächten anzuschliessen. Die Regierung muss sich nun mit einer polarisierten Bevölkerung auseinandersetzen, deren Mehrheit der anderen Seite am Verhandlungstisch schlicht nicht vertraut.

Das letzte Wort hat die Demokratie

Angesichts dieser breiten Ablehnung steht Wirtschaftsminister Guy Parmelin in der Defensive. Er sagt: «Jetzt müssen wir verhandeln.» Er betont, das vorliegende Dokument sei lediglich eine Absichtserklärung und kein endgültiger Vertrag. Die Strategie der Regierung ist klar: bessere Bedingungen aushandeln, weitere Ausnahmen verlangen und die öffentliche Meinung noch vor der endgültigen Unterzeichnung drehen. Doch die Zeit drängt, und die Ausgangslage für die Verhandlungen ist durch die Ablehnung im Inland stark geschwächt.

Das letzte Wort dürfte jedoch das Schweizer Volk haben. Helene Budliger Artieda, Staatssekretärin für Wirtschaft, hat bestätigt, dass auf die aktuelle Erklärung ein verbindliches Abkommen folgen muss und dass «ein Referendum ebenfalls möglich sein wird». Diese Aussage trägt der Realität der direkten Demokratie in der Schweiz Rechnung: Ein Abkommen dieser Tragweite kann nicht am Volk vorbeigeschleust werden. Bleibt die Stimmung unverändert, droht der Regierung an der Urne eine demütigende Niederlage. Das wäre ein Beweis dafür, dass in der Schweiz letztlich auch globale Handelsabkommen dem Willen der Stimmberechtigten unterstehen.