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Swiss Observer

Schweizer Bevölkerung unterstützt Zwangsumsiedlungen in Naturkatastrophengebieten

Eine nationale Umfrage zeigt, dass 58 % der Schweizerinnen und Schweizer die Befugnis der Behörden unterstützen, in Gebieten mit mittelfristigem Naturkatastrophenrisiko Umsiedlungen anzuordnen.

Schweizer Bevölkerung unterstützt Zwangsumsiedlungen in Naturkatastrophengebieten
AISWI swissinfo.ch

Eine wegweisende nationale Umfrage hat gezeigt, dass eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer dafür ist, den Behörden die Befugnis zu geben, in Gebieten mit mittelfristigem Naturkatastrophenrisiko Umsiedlungen anzuordnen. Gemäss der umfassenden Studie, die das Forschungsinstitut Sotomo für den Blick durchgeführt hat, befürworten 58 % der Befragten solche Massnahmen, während 39 % dagegen sind. Die Umfrage mit 5’568 Teilnehmenden aus den deutsch- und französischsprachigen Regionen der Schweiz zeigt eine deutliche Veränderung der öffentlichen Haltung zur präventiven Katastrophenvorsorge.

Positionen der politischen Parteien

Die Umfrage zeigte deutliche Unterschiede bei der Unterstützung entlang der politischen Parteigrenzen. Die Grünliberale Partei erwies sich als stärkste Befürworterin der Befugnis zu Zwangsumsiedlungen, während die rechtsgerichtete Schweizerische Volkspartei (SVP) die geringste Unterstützung zeigte. Dennoch stimmten 50 % ihrer Anhängerinnen und Anhänger zu. Diese parteiübergreifende Unterstützung, wenn auch mit unterschiedlicher Begeisterung, deutet auf einen breiteren Konsens über die Notwendigkeit stärkerer Massnahmen zur Katastrophenvorsorge in der Schweiz hin.

Perspektive der Berggemeinden

Berggemeinden haben erhebliche Bedenken gegen die vorgeschlagenen Massnahmen geäussert. Thomas Egger, Direktor der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete, sprach sich entschieden dagegen aus und betonte die tiefe Verbundenheit der Bergbevölkerung mit ihrer traditionellen Heimat. Egger zufolge haben die Bewohnerinnen und Bewohner der Berggebiete ein einzigartiges Verständnis für Naturgefahren und sind historisch anders mit diesen Risiken umgegangen als die städtische Bevölkerung. Trotz dieser Einwände zeigte die Umfrage, dass Umsiedlungsmassnahmen sowohl von der Landbevölkerung als auch von der Stadtbevölkerung unterstützt werden.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Die Umsetzung von Zwangsumsiedlungen steht vor mehreren erheblichen Herausforderungen. Zwar gibt es Unterstützung in der Bevölkerung, doch bleiben Fragen zu den Kriterien für die Bestimmung mittelfristiger Risiken, zu Entschädigungsmechanismen und zum Erhalt des kulturellen Erbes offen. Das Spannungsverhältnis zwischen dem traditionellen Leben in den Bergen und modernen Sicherheitsanforderungen stellt die Politik besonders vor Herausforderungen. Die Umfrageergebnisse legen nahe, dass es für eine erfolgreiche Umsetzung entscheidend sein wird, ein Gleichgewicht zwischen Sicherheitsmassnahmen und der Achtung der lokalen Autonomie zu finden.