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Swiss Observer

Schweizer Immobilienmarkt setzt Aufwärtstrend trotz Herausforderungen fort

Die Schweizer Immobilienpreise steigen deutlich: Eigentumswohnungen verteuerten sich im Jahresvergleich um 3,8 Prozent, Einfamilienhäuser um 5,8 Prozent. Das verstärkt die Sorgen um die Erschwinglichkeit von Wohnraum in der Schweiz.

Schweizer Immobilienmarkt setzt Aufwärtstrend trotz Herausforderungen fort
AISWI swissinfo.ch

Der Schweizer Traum vom Eigenheim wird von der unerbittlichen Preisentwicklung auf eine harte Probe gestellt. Neue Daten zeigen, dass die Angebotspreise für Einfamilienhäuser im Jahresvergleich um satte 5,8 Prozent gestiegen sind. Das deutet auf einen überhitzten Markt hin, trotz des allgemein schwierigen wirtschaftlichen Umfelds. Eigentumswohnungen stehen dem kaum nach: Sie verteuerten sich im selben Zeitraum um beachtliche 3,8 Prozent.

Während Kaufinteressierte mit der Erschwinglichkeit ringen, zeigen die monatlichen Kennzahlen einen Markt, der sich nicht abkühlen will. Allein im Mai stiegen die Angebotspreise für Eigentumswohnungen um weitere 0,8 Prozent, während Einfamilienhäuser einen moderaten, aber stetigen Anstieg von 0,3 Prozent verzeichneten. Das ist nicht bloss eine Schwankung, sondern ein Trend, der darauf hindeutet, dass die Preisobergrenze für Schweizer Immobilien noch nicht erreicht ist. Für die durchschnittliche Schweizer Familie wird das Zeitfenster für einen Kauf rasch kleiner, während die Einstiegskosten neue Höchststände erreichen.

Zürich unter Druck: Monatlicher Preissprung von 3,9 Prozent

Nirgendwo ist die Wohnungsnot akuter als im Grossraum Zürich, wo sich der Markt in alarmierendem Tempo verengt. Innerhalb eines Monats schnellten die Angebotspreise für Einfamilienhäuser in der Region um massive 3,9 Prozent nach oben. Dieser dramatische Anstieg verdeutlicht den gravierenden Angebotsmangel im Wirtschaftszentrum der Schweiz und zeichnet ein düsteres Bild für potenzielle Käuferinnen und Käufer.

Die regionalen Unterschiede werden immer deutlicher. Während die Genferseeregion derzeit das grösste Immobilienangebot aufweist und im Westen einen Hoffnungsschimmer bietet, bleibt Zürich eine Festung der Exklusivität. Auch im Tessin und auf dem Mittelland wächst der Preisdruck: Im Mai stiegen die Preise dort um 1,2 beziehungsweise 1 Prozent. Im deutlichen Gegensatz dazu verzeichnete die Ostschweiz einen überraschenden Rückgang: Die Angebotspreise für Häuser sanken um 2,1 Prozent. Das unterstreicht, wie volatil und uneinheitlich der nationale Markt ist.

Preisdruck bei Eigentumswohnungen: Wohnungen ziehen nach oben

Für alle, die sich ein freistehendes Haus nicht mehr leisten können, bietet der Markt für Eigentumswohnungen kaum Zuflucht. Auch hier steigen die Preise kräftig, getrieben von hoher Nachfrage und knappem Angebot. Die Ostschweiz verzeichnete im Mai trotz sinkender Hauspreise einen deutlichen Anstieg der Wohnungspreise um 2,7 Prozent. Das zeigt, dass die Schwankungen in beide Richtungen gehen. Die Zentralschweiz zog mit einem kräftigen Plus von 2,3 Prozent nach.

Selbst in den grossen Zentren Zürich und Tessin stiegen die Wohnungspreise um rund 1 Prozent und setzten damit die Mittelschicht weiter unter Druck. Allerdings entwickelt sich der Markt nicht überall gleich: In den zentralen Regionen und in der Nordwestschweiz gingen die Preise leicht zurück. Das bietet eine seltene, wenn auch kleine Entlastung. Die übergeordnete Entwicklung bleibt jedoch ein Anstieg. Während die Lücke zwischen Löhnen und Immobilienwerten grösser wird, wird die «Alternative Eigentumswohnung» rasch selbst zum Luxus.

Ein Paradies für Verkäufer: Marktoptimismus trotzt der Logik

Trotz Preisen, die viele als unerschwinglich betrachten würden, bleibt das Selbstvertrauen der Verkäufer ungebrochen. Die neuesten Daten von ImmoScout24 und IAZI AG legen nahe, dass Eigentümer auf die anhaltende Nachfrage nach Immobilien in der Schweiz setzen. Verkäufer gehen davon aus, dass die Zahlungsbereitschaft der Käuferinnen und Käufer selbst auf diesem Rekordniveau noch nicht ausgeschöpft ist.

Dieser Optimismus verstärkt den anhaltenden Aufwärtsdruck auf die Angebotspreise. Solange der Traum vom Eigenheim weiterlebt und die Verkäufer glauben, dass der Markt diese Preissteigerungen verkraftet, scheint eine Korrektur in nächster Zeit unwahrscheinlich. Der Schweizer Immobilienmarkt hat sich zu einem Wettbewerb mit hohen Einsätzen entwickelt, in dem nur finanziell besonders gut aufgestellte Personen mithalten können. Das lässt Politik und Öffentlichkeit fragen: Wie hoch ist zu hoch?