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Swiss Observer

Schweizer Polizeichef warnt vor unmittelbar bevorstehender Eskalation der Drogengewalt

Der Chef der Bundeskriminalpolizei sagt voraus, dass die Schweiz mit zunehmender drogenbedingter Gewalt konfrontiert sein wird, ähnlich wie andere europäische Länder. Er verweist dabei auf die Aktivitäten internationaler krimineller Organisationen.

Schweizer Polizeichef warnt vor unmittelbar bevorstehender Eskalation der Drogengewalt
AISWI swissinfo.ch

Der Ruf der Schweiz als friedliches Land könnte angesichts einer unmittelbar bevorstehenden Eskalation der drogenbedingten Gewalt bald auf die Probe gestellt werden, sagt Yanis Callandret, Chef der Bundeskriminalpolizei. Er zieht Parallelen zu anderen traditionell friedlichen europäischen Ländern wie Belgien, den Niederlanden und Schweden, in denen es inzwischen zu Schiessereien und Gewalttaten im Zusammenhang mit Drogen kommt. Callandret warnt, dass die Schweiz in naher Zukunft wahrscheinlich vor ähnlichen Herausforderungen stehen wird. Die Warnung erfolgt angesichts wachsender Besorgnis über die zunehmende Professionalität internationaler Drogenhandelsoperationen, die auf Schweizer Gebiet abzielen.

Internationale kriminelle Netzwerke

Die Bedrohung geht von hoch organisierten internationalen kriminellen Netzwerken aus, an denen insbesondere die italienische, serbische und albanische Mafia beteiligt sind und die ausgeklügelte Kooperationssysteme aufgebaut haben. Diese Gruppen haben ihre kriminellen Aktivitäten über den Drogenhandel hinaus auf Menschenhandel, Prostitution und Betrug ausgeweitet. Callandret zufolge arbeiten diese Organisationen zwar auf internationaler Ebene koordiniert, Spannungen und Gewalt entstehen jedoch typischerweise auf regionaler und lokaler Ebene unter den Dealern, wo es zu Gebietsstreitigkeiten kommt. Hauptmotiv der kriminellen Gruppen bleiben der finanzielle Gewinn und die Vorherrschaft auf dem Markt.

Wandel auf dem Drogenmarkt

Der Schweizer Drogenmarkt hat sich im vergangenen Jahrzehnt deutlich verändert. Der Kokainkonsum hat sich verdoppelt, und die Droge ist nicht mehr nur in den Städten, sondern auch in ländlichen Gemeinden verbreitet. Die zunehmende Verbreitung des Kokainkonsums zeigt sich im drastischen Preisrückgang: Vor zwei Jahrzehnten kostete ein Gramm 1000 CHF, heute sind es im benachbarten Frankreich ungefähr 30 CHF. Dadurch ist die Droge für eine breitere Bevölkerungsschicht erschwinglich geworden. Fentanyl ist in der Schweiz im Vergleich zu Nordamerika nach wie vor relativ selten. Die Behörden überwachen diese potenzielle Bedrohung jedoch aufmerksam und räumen ein, dass dieses gefährliche Opioid irgendwann auch auf den Schweizer Markt gelangen könnte.

Prävention und Gegenmassnahmen

Als Reaktion auf diese neuen Bedrohungen verbessern die Schweizer Strafverfolgungsbehörden ihre Einsatzbereitschaft und Überwachungskapazitäten. Die Bundeskriminalpolizei konzentriert sich besonders darauf, internationale Drogenhandelsrouten zu überwachen und die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern zu verstärken. Besondere Aufmerksamkeit gilt Häfen und Grenzregionen wie den Basler Rheinhäfen, die als mögliche Einfallstore für den Drogenhandel gelten. Die Behörden beobachten zudem die Fentanyl-Situation in Nordamerika genau, um sich auf mögliche künftige Herausforderungen in der Schweiz vorzubereiten.