Jugendschutz
Schweizer Petition fordert Altersgrenze für soziale Medien zum Schutz Jugendlicher
Die gemeinnützige Organisation reicht eine Petition mit 60'000 Unterschriften ein und fordert ein Mindestalter von 16 Jahren für den Zugang zu sozialen Medien. Sie verweist auf Bedenken wegen Cybermobbing und Sucht.

Diesen Donnerstag sind sage und schreibe 60'000 Unterschriften beim Bundesrat eingegangen. Das markiert einen entscheidenden Moment in der digitalen Geschichte der Schweiz. Die gemeinnützige Organisation NextGen4Impact fordert formell, dass Menschen unter 16 Jahren keinen Zugang zu Social-Media-Plattformen haben sollen. Das ist nicht bloss ein Vorschlag, sondern ein eindringlicher Aufruf zu einem grundlegenden Wandel in der Art und Weise, wie das Land das digitale Leben seiner Jugend regelt.
Die Petition kommt an einem entscheidenden Punkt, da die Debatte über Bildschirmzeit die Wohnzimmer verlässt und in die politischen Machtzentren in Bern vordringt. Indem sie eine klare Grenze bei 16 Jahren ziehen, stellen die Kampagnenteilnehmenden den Status quo infrage, in dem Primarschulkinder sich frei durch Algorithmen bewegen, die für Erwachsene konzipiert sind. Die grosse Zahl der Unterzeichnenden zeigt, dass die Schweizer Bevölkerung den unkontrollierten Einfluss der Tech-Giganten auf ihre Kinder nicht länger hinnehmen will. Damit reiht sich die Schweiz in eine wachsende globale Bewegung ein, die die Kindheit aus dem Sog des endlosen Scrollens zurückgewinnen will.
Gegen die Epidemie der digitalen Sucht
«Wir brauchen eine klare Altersgrenze, um Kinder vor Sucht, Cybermobbing und kommerzieller Manipulation zu schützen», erklärt NextGen4Impact und bringt damit den Kern der Krise auf den Punkt. Die Organisation argumentiert, die aktuelle digitale Landschaft sei ein Minenfeld für junge Menschen. Cyber-Grooming und Missbrauch nähmen stark zu, mit immer häufiger tödlichen Folgen. Die Massstäbe für den eigenen Wert, Likes, Follower und Aufrufe auf Plattformen wie TikTok und Instagram, würden das Selbstwertgefühl von Jugendlichen in der Schweiz in alarmierendem Tempo zersetzen.
Die Kampagnenteilnehmenden sind der Ansicht, ein Verbot sei der einzige gangbare Schutzmechanismus gegen diesen sich zuspitzenden Notstand im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Sie räumen ein, dass ein Verbot allein nicht alle Gefahren im Internet beseitigen kann, argumentieren aber, es schaffe eine notwendige Schranke gegen die kommerzielle Ausbeutung Minderjähriger. Die Gruppe zieht eine klare Parallele zu bestehenden Gesetzen: So wie die Gesellschaft den Zugang zu Alkohol zum Schutz der körperlichen Gesundheit beschränkt, müsse sie nun auch die algorithmische Exposition begrenzen, um die psychische Gesundheit zu schützen. Die Botschaft ist klar: Die Bestätigung des eigenen Werts durch ein Kind darf nie von einer Engagement-Kennzahl abhängen.
Breite Koalition für den Schutz von Kindern
Die Unterstützung für diese weitreichende Massnahme geht über traditionelle Grenzen hinweg und bringt Politikerinnen und Politiker, Lehrpersonen und Unternehmerinnen und Unternehmer zusammen. Die Petition wird von Nina Fehr Düsel, Nationalrätin der Schweizerischen Volkspartei (SVP), unterstützt, was dem Anliegen beträchtliches politisches Gewicht verleiht. An ihrer Seite stehen das Schweizer Lehrernetzwerk und die Organisation Smartphonefreie Kindheit Schweiz (SfKS). Das zeigt, dass unter jenen, die täglich die Auswirkungen sozialer Medien auf schulische Leistungen und Wohlbefinden beobachten, ein Konsens besteht.
Dies ist keine Randbewegung, sondern eine koordinierte Anstrengung wichtiger gesellschaftlicher Kräfte. Auch die Unternehmerin Friederike von Waldenfels und die Gruppe Human Change haben ihre Unterstützung für die Initiative bekundet. NextGen4Impact, die sich dafür einsetzt, «Bildung im Zeitalter der Digitalisierung neu zu denken», hat diese unterschiedlichen Gruppen über die Plattform Campax erfolgreich mobilisiert. Diese Koalition ist der Ansicht, dass die Zeit des passiven Beobachtens vorbei ist. Die Politik müsse nun den rechtlichen Rahmen an die brutale Realität des digitalen Alltags anpassen.
Bern prüft gesetzgeberische Massnahmen
Der Bundesrat steht bereits unter Druck, zu handeln. Noch vor dieser umfangreichen Petition kündigte die Regierung im Februar 2025 an, die Machbarkeit und die Auswirkungen eines Social-Media-Verbots für unter 16-Jährige zu untersuchen. Der Auftrag mit 60'000 Unterschriften beschleunigt diesen Zeitplan erheblich und fordert, dass aus dem Bericht konkrete Gesetze hervorgehen, statt dass er in einer Schublade verschwindet.
Zwei parlamentarische Vorstösse sind bereits hängig und verlangen ähnliche Analysen. Der kommende Bericht der Regierung wird zeigen, ob die Schweiz bei digitalem Kinderschutz eine Vorreiterrolle einnimmt oder untätig bleibt. Die Kampagnenteilnehmenden betonen, dass sofort klare Signale nötig seien. Während der Bundesrat die Eingabe prüft, richten Eltern in allen Kantonen ihren Blick auf Bern und warten darauf, ob die Regierung den Willen hat, eine digitale Grenze durchzusetzen, die das Aufwachsen in der Schweiz neu prägen könnte.