Wohnen
SVP schlägt Vorrang bei Wohnungen für Schweizerinnen und Schweizer vor
Eine rechtsgerichtete Initiative will ein Referendum darüber erzwingen, Schweizer Bürgerinnen und Bürgern sowie langjährigen Einwohnerinnen und Einwohnern beim Zugang zu Wohnraum in Zürich Vorrang zu geben, und reagiert damit auf den Druck auf dem Wohnungsmarkt.

Die Schweizerische Volkspartei (SVP) hat offiziell ein kämpferisches Referendumsvorhaben lanciert, das den Kern des urbanen Lebens in Zürich berührt. Mit diesem Schritt, der die zunehmenden politischen Spannungen rund um Infrastruktur und Bevölkerungswachstum verdeutlicht, fordert die rechtspopulistische Partei einen grundlegenden Kurswechsel bei der Vergabe von Wohnraum in der grössten Stadt der Schweiz. Es handelt sich nicht bloss um einen Vorschlag, sondern um eine direkte Herausforderung des Status quo. Dazu nutzt die Partei die wirkungsvolle Maschinerie der Schweizer direkten Demokratie, um eine Volksabstimmung über die Frage zu erzwingen.
Die Initiative will ausdrücklich eine Pflicht einführen, Schweizerinnen und Schweizern bei der Vergabe von Wohnungen in Zürich Vorrang einzuräumen. Mit der Lancierung am 14. August 2025 nutzt die SVP den schwelenden Frust über die Verfügbarkeit von Wohnraum. Die Partei argumentiert, die aktuelle Marktdynamik benachteilige die lokale Bevölkerung, und will eine «Schweizer Präferenz» mit Nachdruck gesetzlich verankern. Damit rückt sie den Wohnraum ins Zentrum der politischen Arena und macht aus einem sozioökonomischen Druckpunkt eine grundlegende Frage der nationalen Identität und der lokalen Rechte.
Was der Grundsatz «Einheimische zuerst» bedeutet
Der Vorschlag zieht eine klare und umstrittene Grenze: Schweizer Bürgerinnen und Bürger sowie langjährige Einwohnerinnen und Einwohner sollen bevorzugten Zugang erhalten. Die Initiative der SVP will die Rangordnung auf dem Mietwohnungsmarkt neu gestalten und Zugewanderte ausdrücklich benachteiligen, wenn sie sich um den knappen Wohnungsbestand bewerben. Dieser Ansatz «Einheimische zuerst» soll bei Wählerinnen und Wählern Anklang finden, die sich durch die rasche Internationalisierung Zürichs verdrängt fühlen.
Entscheidend ist, dass der Initiativtext den Schutz nicht nur Passinhaberinnen und Passinhabern gewährt, sondern auch «langjährigen Einwohnerinnen und Einwohnern». Damit wird eine bestimmte Kategorie bevorzugter Mieterschaft geschaffen, die sich nach Aufenthaltsdauer und Staatsbürgerschaft richtet. Diese Unterscheidung ist zentral. Sie stellt die Forderung als Verteidigung der etablierten Gemeinschaft gegen Zugezogene dar. Die SVP argumentiert, ohne solche Schutzmassnahmen werde die lokale Bevölkerung weiterhin aus der Stadt verdrängt, die sie aufgebaut habe. Indem die Partei den Zugang zu Wohnraum an den Bürgerstatus und die Aufenthaltsdauer knüpft, schlägt sie eine radikale Abkehr von den Prinzipien des freien Markts vor, die Mietverhältnisse üblicherweise bestimmen, und setzt stattdessen auf ein protektionistisches Modell.
Der angespannte Zürcher Mietwohnungsmarkt wird zum politischen Thema
Zürich steht einem Wohnungsmarkt gegenüber, der durch hohe Nachfrage und schwindendes Angebot zunehmend unter Druck gerät. Das Referendumsvorhaben der SVP kommt nicht aus dem Nichts, sondern ist eine direkte Reaktion auf einen Mietwohnungsmarkt mit starkem Wettbewerb und wenigen freien Wohnungen. Während der Markt mit dieser Knappheit ringt, verlagert sich die politische Debatte von wirtschaftlichen Lösungen hin zu demografischen Einschränkungen.
Hintergrund dieses politischen Vorstosses ist eine Stadt, in der die Wohnungssuche oft mit einer Lotterie verglichen wird. Hohe Zuwanderungsraten und der wirtschaftliche Erfolg der Stadt haben ein Bevölkerungswachstum angekurbelt, mit dem der Wohnungsbau kaum Schritt halten konnte. Die SVP nutzt diese Knappheit und stellt die Wohnungsnot nicht als Versagen der Baupolitik, sondern als Folge der Migration dar. Indem sie die Vergabe von Wohnungen ins Visier nimmt, knüpft die Partei an die unmittelbare Angst von Einwohnerinnen und Einwohnern an, die befürchten, sich das Leben in ihrer eigenen Stadt nicht mehr leisten zu können. Die Initiative macht aus dem Mietvertrag eine Frage der öffentlichen Politik und der nationalen Präferenz statt einer privaten Vereinbarung.
Der demokratische Hürdenlauf: die nächsten Schritte
Die Lancierung des Vorhabens ist erst der Anfang eines anspruchsvollen demokratischen Prozesses. Damit die SVP Erfolg hat, muss sie sich durch die komplexen Abläufe des Schweizer Referendumssystems arbeiten und die nötigen Unterschriften sammeln, um die Vorlage an die Urne zu bringen. So wird sichergestellt, dass der Vorschlag einer intensiven öffentlichen Prüfung, einer Debatte und Gegenargumenten aus dem gesamten politischen Spektrum ausgesetzt wird.
Sollte die Initiative an Unterstützung gewinnen, wird sie eine stadtweite und möglicherweise nationale Diskussion über die Grenzen der Offenheit und die Pflichten des Staates gegenüber seinen Bürgerinnen und Bürgern auslösen. Gegnerinnen und Gegner dürften die Rechtmässigkeit und Durchsetzbarkeit solcher diskriminierenden Massnahmen infrage stellen. Damit zeichnet sich ein heftiger rechtlicher und politischer Streit ab. Doch bereits die Lancierung des Vorhabens signalisiert eine Verschärfung des politischen Klimas. Unabhängig vom Ergebnis der Abstimmung hat die SVP den Begriff der «nationalen Präferenz» erfolgreich in die Wohnungsdebatte eingebracht. Damit dürfte die Frage, wer zu Zürich gehört, in den kommenden Monaten die politische Agenda prägen.