Ruhestand
Schweizer Rentnerinnen und Rentner wandern wegen steigender Lebenshaltungskosten aus
Immer mehr Schweizer Rentnerinnen und Rentner verlassen aus finanziellen Gründen ihre Heimat. Dies wirft Fragen zur Angemessenheit der Renten und zur Betreuung älterer Menschen auf.

Ein besorgniserregender Trend verdeutlicht, wie stark die Lebenshaltungskosten in der Schweiz steigen: Immer mehr Schweizer Rentnerinnen und Rentner sehen sich aus finanziellen Gründen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Obwohl sie während ihres gesamten Berufslebens in das Rentensystem des Landes eingezahlt haben, fällt es vielen älteren Menschen in der Schweiz zunehmend schwer, sich im eigenen Land einen würdevollen Lebensstandard leisten zu können.
Diese beispiellose Situation hat eine landesweite Debatte darüber ausgelöst, ob das Schweizer Rentensystem angemessen ist und ob es ältere Menschen in einem der teuersten Länder der Welt schützen kann.
Die finanzielle Belastung
Die finanzielle Rechnung für Schweizer Rentnerinnen und Rentner zeichnet ein ernüchterndes Bild. Bei durchschnittlichen staatlichen Renten von 2200 CHF wird das Einkommen vieler Pensionierter rasch von den grundlegenden Lebenshaltungskosten aufgezehrt. Eine typische Einzimmerwohnung für Rentnerinnen und Rentner kostet rund 700 CHF, während die obligatorische Krankenversicherung monatlich 500 bis 600 CHF beträgt. Zählt man Nebenkosten, Lebensmittel und Steuern hinzu, die sich auf bis zu 800 CHF belaufen können, bleibt wenig für andere notwendige Ausgaben oder ein gutes Leben.
Besonders gefährdet sind Menschen ohne Wohneigentum, also die Mehrheit der Schweizer Rentnerinnen und Rentner. Für sie können die Kombination aus hohen Mieten und steigenden Krankenkassenprämien die gesamte Rente aufzehren und sie dazu zwingen, einen Umzug in günstigere Länder in Betracht zu ziehen.
Beliebte Zielländer
Spanien hat sich zu einem der wichtigsten Zielländer für Schweizer Rentnerinnen und Rentner entwickelt. Offiziellen Zahlen zufolge lebten Ende 2024 dort 27 330 Schweizer Staatsangehörige, von denen 33 Prozent über 65 Jahre alt waren. Der Reiz liegt nicht nur im wärmeren Klima, sondern auch in den deutlich niedrigeren Lebenshaltungskosten, dank derer eine Schweizer Rente erheblich weiter reicht.
Rentnerinnen und Rentner berichten, dass ihre Schweizer Rente von 2200 CHF, die in der Schweiz kaum die Grundbedürfnisse deckt, ihnen in Ländern wie Spanien einen komfortablen Lebensstil ermöglicht, einschliesslich angemessenem Wohnraum und regelmässigen sozialen Aktivitäten.
Soziale und emotionale Folgen
Die erzwungene Auswanderung älterer Schweizerinnen und Schweizer hat tiefgreifende emotionale und soziale Folgen. Viele Rentnerinnen und Rentner sind sehr traurig darüber, ihre Heimat, ihre Familien und insbesondere ihre Enkelkinder zurückzulassen. Wie ein Auswanderer eindringlich sagte: «Nachdem sie so viele Jahre hart gearbeitet haben, werden Rentnerinnen und Rentner an den Rand der Gesellschaft gedrängt.»
Die Trennung von der vertrauten Umgebung und den bestehenden Unterstützungsnetzwerken erfolgt oft zu einem Zeitpunkt, an dem ältere Menschen besonders auf Stabilität und Unterstützung durch die Gemeinschaft angewiesen sind. Die Entscheidung auszuwandern wird selten leichtfertig getroffen. Viele beschreiben sie als letzten Ausweg und nicht als selbst gewähltes Abenteuer.
Reaktion der Regierung und Ausblick
Diese sich abzeichnende Krise hat eine intensive Debatte über das Schweizer Rentensystem und dessen Nachhaltigkeit ausgelöst. Die Schweiz war zwar lange stolz auf ihr Sozialversicherungssystem, doch die aktuelle Situation deutet darauf hin, dass umfassende Reformen nötig sind, damit ältere Menschen in ihrer Heimat ein würdiges Leben führen können.
Angesichts des anhaltenden Drucks durch die Lebenshaltungskosten wird zunehmend gefordert, dass die Regierung die Angemessenheit der Rentenzahlungen prüft und zusätzliche Unterstützungsmassnahmen für Rentnerinnen und Rentner in finanzieller Not erwägt.