Banken
Schweizer Parlament verschärft nach der Credit-Suisse-Krise die Bankenregulierung
Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentarier verabschieden strengere Regeln für die Bankenaufsicht und begegnen damit zwei Jahre nach der Credit-Suisse-Krise systemischen Risiken

Die Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben endlich eine klare Grenze gezogen. Mit einem entschiedenen Schritt zum Schutz der Schweizer Wirtschaft vor künftigen Katastrophen hat das Parlament einen umfassenden Bericht zur Verschärfung der Bankenregulierung offiziell gutgeheissen, fast zwei Jahre nach dem Zusammenbruch der Credit Suisse. Das grüne Licht ermächtigt den Bundesrat, die Aufsichtsbehörde deutlich zu stärken. Dies ist ein entscheidender Schritt, während sich das Land mit der Realität eines einzelnen Bankenschwergewichts auseinandersetzt.
Die schiere Grösse des fusionierten Unternehmens hat in Bern eine hitzige Debatte ausgelöst. Der sozialistische Parlamentarier Emmanuel Amoos nahm kein Blatt vor den Mund und erklärte: «Die UBS XXL stellt heute eines der grössten Risiken für den Wohlstand und die Stabilität unseres Landes dar.» Dabei geht es nicht bloss um administrative Routine, sondern um eine direkte Reaktion auf die existenzielle Bedrohung durch eine Bank, die im Verhältnis zur Schweizer Wirtschaft überproportional gross geworden ist. Mit der Annahme aller Vorschläge der parlamentarischen Untersuchungskommission signalisieren die Parlamentarierinnen und Parlamentarier, dass die Zeit der nachsichtigen Aufsicht vorbei ist.
Anatomie eines Zusammenbruchs: Die Rettung für 3,25 Milliarden US-Dollar
Die Narben des März 2023 sind in der Schweizer Finanzwelt noch immer deutlich spürbar. Was mit dem Zusammenbruch dreier regionaler US-Kreditinstitute begann, breitete sich rasch über den Atlantik aus und machte die Credit Suisse zum schwächsten Glied in der globalen Kette. Die Zahlen zeichnen ein chaotisches Bild: Allein am 15. März stürzte der Aktienkurs der Credit Suisse um dramatische 30 Prozent ab. Die Bank, einst eine der 30 internationalen Institutionen, die als «too big to fail» galten, befand sich im freien Fall.
Aus Angst vor einem Zahlungsausfall, der den Ruf der Schweiz für ein solides Bankwesen zerstört hätte, mussten die Behörden beispiellos schnell handeln. Die Regierung, die Zentralbank und die FINMA zwangen die UBS faktisch zur Übernahme für 3,25 Milliarden US-Dollar. Diese überstürzte Fusion, die am 19. März vor der Wiedereröffnung der Märkte angekündigt wurde, verhinderte eine unmittelbare Katastrophe, hinterliess jedoch eine massive Machtkonzentration. Die Dringlichkeit jenes Wochenendes prägt die Gesetzgebungsagenda bis heute.
Eine gestärkte Aufsicht: Die FINMA erhält Biss
Zahnlose Aufsicht gehört offiziell der Vergangenheit an. Die Untersuchung der parlamentarischen Kommission zum Umgang mit der Krise hat einen strengen neuen Rahmen hervorgebracht, der auf die zentralen Schwachstellen des Bankensektors zielt. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben drei entscheidende Bereiche ins Visier genommen: Boni für Führungskräfte, Kapitalanforderungen und die Ausweitung der Befugnisse der FINMA.
Mit der Annahme dieser Massnahmen soll die Wahrscheinlichkeit deutlich sinken, dass eine weitere systemrelevante Bank notfallmässig gestützt werden muss. Indem die Anforderungen an Kapital und Vergütung verschärft werden, versucht die Schweiz, Risiken und Verantwortung wieder in Einklang zu bringen. Die Botschaft an den Finanzplatz Zürich ist klar: Die Regulierung hat sich verändert, und die Aufsichtsbehörde erhält die Mittel, um durchzugreifen, statt nur zu drohen.
Keine Drehbücher für künftige Krisen
Trotz dieser weitreichenden Reformen bleibt die Schweizer Führung pragmatisch vorsichtig. Bundespräsidentin und Finanzministerin Karin Keller-Sutter mahnte eindringlich zur Realität und warnte, dass selbst die sorgfältigste Aufarbeitung der Lehren «keine hundertprozentige Garantie» biete. Ihre Einschätzung dämpft den politischen Optimismus: «Krisen halten sich nicht an Drehbücher, und wir wissen nicht, wie die nächste Krise aussehen könnte.»
Oberstes Ziel bleibt der Schutz der Schweizer Steuerzahlenden. Zwar kann die Regierung das nächste Schwarze-Schwan-Ereignis nicht vorhersagen, doch das Massnahmenpaket soll dessen Auswirkungen begrenzen. Während die Schweiz mit diesen strengeren Regeln vorangeht, liegt der Fokus klar darauf, sicherzustellen, dass die öffentliche Hand nie wieder als Sicherheitsnetz für das Versagen eines Unternehmens dienen muss. Die Ära der «UBS XXL» hat begonnen, und mit ihr eine neue Ära der Wachsamkeit.