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Swiss Observer

Schweizer Parlament lehnt Erhöhung des Budgets für Militärmunition ab

Schweizer Parlamentarier lehnen zusätzliche Mittel von 1 Milliarde CHF für Fliegerabwehrmunition ab und verweisen angesichts der Debatte über die militärische Bereitschaft auf die angespannte Finanzlage.

Schweizer Parlament lehnt Erhöhung des Budgets für Militärmunition ab
AISWI swissinfo.ch

Eine gewaltige Summe von 1 Milliarde CHF (1,27 Milliarden Dollar), die für dringend benötigte Fliegerabwehrmunition vorgesehen war, ist vom Tisch. Mit einem wegweisenden Entscheid, der die wachsenden Spannungen zwischen nationaler Sicherheit und fiskalischer Disziplin verdeutlicht, hat das Schweizer Parlament die zusätzlichen Mittel für das Rüstungsprogramm 2025 offiziell abgelehnt. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine Budgetanpassung, sondern um eine deutliche Absage an die beschleunigte Beschaffung von Militärgütern, und dies trotz der instabilen globalen Sicherheitslage.

Beide Parlamentskammern haben sich inzwischen gegen die Erhöhung ausgesprochen und den Streitkräften damit eine klare Botschaft gesandt: Die Bundeskasse bleibt geschlossen. Während die Militärplaner angesichts eines globalen Waffenmangels fieberhaft versuchten, sich Nachschub zu sichern, stellten die Parlamentarier die unmittelbare Gesundheit des Bundeshaushalts über den raschen Ausbau der Verteidigungsbestände. Mit dieser Ablehnung stehen die Schweizer Streitkräfte vor der Herausforderung, ihre Einsatzbereitschaft ohne die Finanzspritze aufrechtzuerhalten, die sie für das kommende Jahr als entscheidend erachteten.

Ständerat fällt vernichtendes Urteil

Die Zahlen aus dem Ständerat sind eindeutig und ein Rückschlag für die Befürworter der Verteidigungsausgaben. Am Mittwoch, 17. September 2025, stimmte der Ständerat mit 30 zu 13 Stimmen gegen die Erhöhung der Mittel. Dieses Verhältnis von mehr als zwei zu eins verdeutlicht die ausgeprägte Skepsis der Kammer gegenüber der Dringlichkeit dieser konkreten Ausgabe.

Der Antrag, der ursprünglich von der Sicherheitspolitischen Kommission des Ständerats unterstützt worden war, sollte die Widerstandsfähigkeit der Armee stärken, indem unmittelbare Lücken in den Munitionsbeständen geschlossen würden. In der Abstimmung im Rat wurde die Initiative jedoch zu Fall gebracht. Mit der Ablehnung der Vorlage hat der Ständerat den beschleunigten Kauf von Fliegerabwehrmunition faktisch gestoppt, einem entscheidenden Bestandteil moderner Luftverteidigungssysteme. Die Klarheit des Abstimmungsergebnisses deutet darauf hin, dass die Schweizer Legislative selbst in Zeiten erhöhter geopolitischer Instabilität militärische Forderungen nicht ohne strikte Einhaltung der Budgetvorgaben durchwinkt.

Angespannte Finanzlage bremst militärische Ambitionen

Geld, genauer gesagt der Mangel daran, brachte die Vorlage zur Munitionsbeschaffung zu Fall. Gegner im Parlament argumentierten entschieden, dass sich der Bund angesichts der angespannten Finanzlage eine Pauschalausgabe von 1 Milliarde CHF schlicht nicht leisten könne. In der Mehrheit herrschte eine vorsichtige Haltung vor: Sie plädierte dafür, die Munitionsbestände kontinuierlich und in «kleinen Schritten» zu erhöhen, statt mit einer einzigen grossen Ausgabe.

Dieser Ansatz steht in direktem Gegensatz zu den Beschaffungsrealitäten auf dem globalen Rüstungsmarkt. Während die Parlamentarier den Ausgleich des inländischen Finanzhaushalts in den Blick nehmen, argumentieren Verteidigungsexperten, dass die Beschaffungskraft Volumen und Tempo erfordere. Mit der Entscheidung für eine schrittweise Finanzierung setzt das Parlament darauf, dass der langsame Aufbau der Ressourcen ausreicht. Es ist ein Wagnis, bei dem die langfristige fiskalische Stabilität Vorrang vor dem unmittelbaren Ausbau der militärischen Mittel erhält und das die Armee zwingt, ihre Beschaffungsstrategie für 2025 vollständig zu überarbeiten.

Verteidigungsbefürworter warnen vor gefährlichen Lücken

Die Befürworter der Vorlage schlagen Alarm und bezeichnen die Ablehnung als gefährliche Nachlässigkeit. Andrea Gmür-Schönenberger, Präsidentin der Mitte und eine lautstarke Unterstützerin der Erhöhung, nahm kein Blatt vor den Mund und bezeichnete die Vorstellung, die Landesverteidigung ohne verlässliche Versorgung zu betreiben, als «schlicht absurd». Das Argument aus dem Sicherheitsbereich ist einfach: Die Bedrohungslage verschärft sich, und der Waffenmarkt trocknet aus.

Die Befürworter betonten, dass Abwarten keine Option sei. Angesichts der weltweit stark steigenden Nachfrage nach Munition bedeuten Verzögerungen beim Unterzeichnen von Verträgen oft, dass man Liefertermine für Jahre verpasst. Mit der Verweigerung dieser Mittel tritt die Schweiz laut Kritikern freiwillig ans Ende der Warteschlange und riskiert damit, dass die Munitionsbestände ihrer Luftverteidigungssysteme in einer Krise nicht ausreichen. Die Weigerung, rasch zu handeln, gefährde, so warnen sie, genau jene Widerstandsfähigkeit, zu deren Wahrung die Armee verpflichtet ist.

Festung Schweiz wird mit der Realität konfrontiert

Diese Abstimmung ist ein deutlicher Realitätscheck für das Konzept der «Festung Schweiz». Die Ablehnung der Erhöhung um 1 Milliarde CHF ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck des umfassenderen Kampfes, die Schweizer Armee innerhalb eines demokratischen und budgetbewussten Rahmens zu modernisieren. Während die Armeebotschaft 2025 ohne diese wichtige finanzielle Säule weiter voranschreitet, steht die Armeeführung vor einem schwierigen Weg.

Der Entscheid zwingt dazu, neu zu bewerten, wie die Schweiz ihre Neutralität und Verteidigungsfähigkeit aufrechterhält. Die «Sieben Schwächen» der Armee stehen bereits in der Kritik, und diese Ablehnung der Budgetmittel macht das Dossier des Verteidigungsministers noch komplexer. Die Botschaft aus Bern ist klar: Sicherheit hat höchste Priorität, aber es gibt keinen Blankoscheck. Die Armee muss nun einen Weg finden, das Land mit den verfügbaren Mitteln zu schützen und nicht mit den Mitteln, die sie sich wünscht.