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Swiss Olympic treibt Bewerbung für die Winterspiele 2038 voran und riskiert Widerstand aus der Bevölkerung
Obwohl die Stimmberechtigten in Graubünden und im Wallis frühere Olympiaprojekte an der Urne abgelehnt haben, treibt Swiss Olympic eine Bewerbung für die Winterspiele 2038 ohne Volksabstimmung voran. Diese Strategie sorgt für Kontroversen und wirft die Frage auf, ob die Bewerbung dem Willen des Volkes zuwiderläuft.

Swiss Olympic setzt bei einer Bewerbung für die Winterspiele 2038 alles auf eine Karte und umgeht damit faktisch die Urne. Das sorgt bei politischen Beobachtern für Erstaunen. Trotz einer klaren Vorgeschichte öffentlicher Ablehnung treibt die Organisation das Vorhaben ohne eidgenössische Abstimmung voran. Die Geschichte ist eindeutig: Die Stimmberechtigten in Graubünden und im Wallis lehnten Olympiaprojekte 2013, 2017 und 2018 deutlich ab. Swiss Olympic argumentiert jedoch, diese regionalen Ablehnungen seien kein verlässlicher Gradmesser für ein nationales Vorhaben.
Diese gewagte Strategie birgt das Risiko eines direkten Zusammenpralls mit der geschätzten Tradition der direkten Demokratie in der Schweiz. Indem sie den Vorschlag vorantreiben, ohne zuvor die Zustimmung der Bevölkerung einzuholen, bewegen sich die Verantwortlichen auf politisch heiklem Terrain. Das Gespenst früherer Niederlagen ist allgegenwärtig: Jeder vorherige Versuch scheiterte, weil Kosten und Risiken auf einzelne Kantone konzentriert waren und sofortigen lokalen Widerstand auslösten. Nun setzt Swiss Olympic darauf, dass das Projekt ohne eidgenössische Volksabstimmung an Fahrt gewinnt, bevor die Bevölkerung mitreden kann. Kritiker bezeichnen dieses Vorgehen bereits als Umgehung des Volkswillens.
Ein neues Modell: Die Strategie «Spiele à la Suisse»
Konzentrierte Risiken sind passé, die Verteilung auf die ganze Nation ist angesagt. Swiss Olympics neuer Plan, genannt «Spiele à la Suisse», ist eine radikale Abkehr von den gescheiterten Modellen mit einem einzelnen Gastgeber der Vergangenheit. Die Organisation erklärt, die früheren Abstimmungen seien vor allem daran gescheitert, dass einzelne Regionen, Graubünden und das Wallis, die enorme finanzielle Belastung nicht allein tragen wollten. Das neue Konzept dezentralisiert die Spiele und verteilt Zuständigkeiten und die Nutzung der Infrastruktur über das ganze Land.
Durch die Nutzung bestehender Anlagen im ganzen Land soll die Bewerbung die Baukosten und die Umweltbelastung deutlich senken und damit zwei der Hauptgründe für die Skepsis in der Bevölkerung angehen. Dieser dezentrale Ansatz ist allerdings Neuland. Theoretisch verteilt er das Risiko auf mehrere Kantone, erschwert aber die logistischen und politischen Abläufe. Swiss Olympic setzt darauf, dass eine gemeinsam getragene nationale Belastung eher akzeptiert wird als eine regionale. Ohne eine landesweite Abstimmung, die diese Annahme bestätigt, geht die Organisation jedoch blindlings in einen möglichen Sturm öffentlicher Kritik.
Gegen die Uhr: Warum das Volk nicht abstimmen wird
Zwölf Monate. So knapp ist die Frist, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) für die vollständige Einreichung einer Kandidatur gesetzt hat. Laut Swiss-Olympic-Präsidentin Ruth Metzler-Arnold lässt dieser Zeitplan «keinen Spielraum» für eine eidgenössische Volksabstimmung. Die Organisation argumentiert, die bürokratischen Abläufe einer nationalen Abstimmung könnten die Anforderungen des IOC schlicht nicht rechtzeitig erfüllen. Die Schweiz wird ihre Bewerbung deshalb voraussichtlich einreichen, ohne die Bevölkerung zu fragen, ob sie die Spiele überhaupt will.
Das führt zu einem Szenario, in dem kantonale Abstimmungen, sofern es überhaupt dazu kommt, wahrscheinlich erst nachdem das IOC die Spiele bereits vergeben hat, stattfinden würden. Kritiker sehen darin, dass die Stimmberechtigten vor ein fait accompli gestellt werden, also vor vollendete Tatsachen, die sich nur schwer rückgängig machen lassen. Swiss Olympic weist diese Darstellung zurück und betont, das Verfahren sei von Anfang an transparent gewesen. Doch die Nation auf eine globale Grossveranstaltung festzulegen, bevor ein demokratisches Mandat eingeholt wurde, ist ein riskantes Vorgehen, das eher Unmut als nationalen Stolz schüren könnte.
Die Milliardenfrage: Privates Geld oder das Aus
Kein einziger Rappen öffentlicher Gelder darf ein allfälliges Defizit decken. In einem dramatischen Ultimatum hängt die Durchführbarkeit des gesamten Projekts für 2038 nun vom Privatsektor ab. Anders als bei früheren Bewerbungen, bei denen der Staat als Sicherheitsnetz vorgesehen war, schreibt der aktuelle Vorschlag vor, dass eine Defizitgarantie ausschliesslich von privaten Geldgebern kommen muss. Das ist die entscheidende Absicherung der Bewerbung und zugleich ihre grösste Schwachstelle.
Swiss Olympic hat eingeräumt, dass ohne diese private Garantie bis Ende Jahr keine Bewerbung eingereicht werden kann. Den Organisatoren bleibt nur noch wenig Zeit, um Investoren zu finden, die bereit sind, für einen mehrere Milliarden Franken teuren Anlass mit bekannter Kostenüberschreitung einzustehen. Gelingt es ihnen nicht, diese privaten Garantien zu sichern, ist die Bewerbung gescheitert, bevor sie das IOC überhaupt erreicht. Diese finanzielle Brandmauer soll die Steuerzahlenden beruhigen. Doch private Geldgeber zu finden, die die unbeschränkte Haftung für ein olympisches Defizit übernehmen, ist eine enorme Herausforderung, die bisher ungelöst ist.