Militär
Schweizer Armee will eine Milliarde Franken mehr für Munition
Parlamentarische Kommission fordert zusätzliche Mittel, um die Munitionsversorgung für die Luftverteidigung und bodengestützte Systeme zu sichern.

In einem Schritt, der die jüngste Zurückhaltung bei den Ausgaben auf den Kopf stellt, fordert die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats (SiK-N) eine massive Aufstockung des Rüstungsprogramms 2025 um 1 Milliarde Franken. Es handelt sich nicht bloss um einen Vorschlag, sondern um einen klaren Auftrag, der mit 16 zu 9 Stimmen angenommen wurde und einen dramatischen Wandel in der Schweizer Verteidigungspolitik signalisiert. Die Kommission verlangt keine schrittweisen Verbesserungen mehr, sondern sofortige finanzielle Mittel, um die Munitionsbestände des Landes grundlegend aufzustocken.
Die Dringlichkeit ist spürbar. Während Debatten in Bern oft lange dauern, drängt die Kommission darauf, bürokratische Trägheit zu überwinden. Das Ziel ist eindeutig: Jetzt und nicht erst später sollen massive Mittel in den Militärapparat fliessen. Dieser mutige Vorstoss bringt den Nationalrat vor der Sommersession in eine schwierige Lage. Er muss entscheiden, ob er die enormen Ausgaben absegnet. Die Botschaft der sicherheitspolitisch Hardliner ist unmissverständlich: Vorsorge kostet viel, doch die Kosten des Zögerns könnten katastrophal sein.
Den Luftraum stärken
Die Schweiz bemüht sich, kritische Lücken in ihrem Luftschutz zu schliessen. Die beantragte Milliarde Franken ist gezielt für eine zentrale Schwachstelle vorgesehen: Munition für bodengestützte Luftverteidigungssysteme grosser und mittlerer Reichweite (Bodluv). In einer Welt, in der sich Bedrohungen aus der Luft rasant weiterentwickeln, ist die Kommission zum Schluss gekommen, dass die bestehenden Bestände für einen länger anhaltenden Einsatz nicht ausreichen. Die Mittel sind zudem für die indirekte Feuerunterstützung mittlerer Reichweite bestimmt. Damit sollen die Schweizer Bodentruppen über die nötige Feuerkraft verfügen, um potenzielle Aggressoren abzuschrecken.
Es geht um mehr als nur den Kauf von Munition, es geht um die Sicherung des Überlebens. Die Mehrheit der Kommission ist der Ansicht, dass die Schweiz sofort handeln muss, um Liefertermine zu reservieren. Der globale Rüstungsmarkt ist derzeit ein Verkäufermarkt, auf dem Staaten heftig um begrenzte Produktionskapazitäten konkurrieren. Mit der Bewilligung der ersten Munitionscharge will die Schweiz jetzt Verträge sichern, bevor die Warteschlange unüberwindbar wird. Die Strategie ist vorausschauend und entschlossen: Heute die Ausrüstung sichern, damit der Luftraum auch morgen souverän bleibt.
Politischer Schlagabtausch
Während die Rechte aufrüstet, kontert die politische Linke mit scharfer Kritik. Die Sozialdemokraten und die Grünen bezeichneten den Kommissionsentscheid als «unrealistisch», «unverantwortlich» und «übertrieben». Ihr Widerstand gründet auf einer grundlegenden finanzpolitischen Realität: Derzeit gibt es keine vereinbarte Lösung zur Finanzierung dieser massiven Aufstockung um eine Milliarde Franken. Die Minderheit in der Kommission besteht darauf, dass zusätzliche Mittel ohne klare Einnahmequelle zu diskutieren finanzpolitisch unverantwortlich sei und unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit geschehe.
Damit ist der Boden für eine harte parlamentarische Auseinandersetzung bereitet. Die Opposition argumentiert, dass zusätzliche Militärausgaben ohne ausgeglichenen Haushalt die finanzielle Stabilität des Staates untergraben. Sie verlangt, dass eine Finanzierungslösung gefunden wird, bevor die Beschaffung weiter diskutiert wird. Das Abstimmungsergebnis von 16 zu 9 deutet jedoch darauf hin, dass für die Mehrheit Sicherheitsbedenken inzwischen Vorrang vor finanzpolitischer Zurückhaltung haben. Mit der näher rückenden Sommersession droht dieser ideologische Graben die parlamentarische Agenda zu dominieren. Dabei stehen finanzielle Umsicht und das als existenziell wahrgenommene Bedürfnis nach militärischer Einsatzbereitschaft einander gegenüber.
Der Wettlauf um Ressourcen
Neben dem unmittelbaren Kauf ausländischer Rüstungsgüter eröffnet der Vorstoss für zusätzliche Mittel der Schweizer Industrie eine wichtige Chance: die inländische Produktion. Der Vorschlag der Kommission hebt ausdrücklich das Potenzial hervor, einen Teil der Munition innerhalb der Schweizer Grenzen herzustellen. Dies würde nicht nur die Lieferketten vor internationalen Störungen schützen, sondern auch direkt Kapital in die Schweizer Wirtschaft zurückfliessen lassen. Es wäre ein Schritt hin zu strategischer Autonomie und würde die Abhängigkeit von ausländischen Mächten bei der grundlegendsten Voraussetzung für die Verteidigung, der Munition, verringern.
Die Zeit drängt mehr denn je. Da der Nationalrat in der Sommersession den abschliessenden Entscheid treffen soll, wächst der Druck, die Pläne fertigzustellen. Bei einem Erfolg würde die Schweiz gleichzeitig Liefertermine sichern und die lokale Produktion hochfahren. Der Ausgang dieses milliardenschweren Vorhabens wird die operative Durchhaltefähigkeit der Schweizer Armee im nächsten Jahrzehnt prägen. In einem unbeständigen geopolitischen Umfeld setzt die Schweiz grosse Hoffnungen darauf, dass Eigenständigkeit und rasche Beschaffung die einzigen sicheren Wege sind.