Zum Inhalt springen
Swiss Observer

Schweizer Militär senkt Anforderungen an israelische Drohnen

Das Verteidigungsdepartement führt die Beschaffung der ADS-15-Drohnen weiter, verzichtet nach technischen Problemen jedoch auf drei wichtige Funktionen.

Schweizer Militär senkt Anforderungen an israelische Drohnen
AISWI swissinfo.ch

Die Schweizer Armee hat eine vollständige Einstellung ihres prestigeträchtigen Drohnenprogramms knapp abgewendet und sich stattdessen für eine drastische strategische Neuausrichtung entschieden. Das kontroverse Beschaffungsvorhaben von sechs israelischen ADS-15-Aufklärungsdrohnen soll damit gerettet werden: Das Verteidigungsdepartement hat gemeinsam mit armasuisse offiziell beschlossen, das Projekt trotz einer von Verzögerungen geprägten Vergangenheit nicht abzubrechen. Der am 4. September 2025 bekannt gegebene Entscheid bedeutet einen erheblichen Kompromiss für Verteidigungsminister Martin Pfister, der zuvor signalisiert hatte, das Geschäft ganz aufgeben zu wollen, falls die Leistungsziele nicht erreicht würden.

Statt die Investition aufzugeben, passt das Militär seine Erwartungen angesichts der schwierigen technischen Realität neu an. Das Projekt, das intensiv unter die Lupe genommen wurde, wird weitergeführt, doch die Vorstellung einer vollständig autonomen Überwachungsflotte für alle Wetterbedingungen ist hinfällig. Der Entscheid des Departements unterstreicht die dringende Notwendigkeit, die Fähigkeiten zur Luftaufklärung zu erhalten, auch wenn dafür ein Ausrüstungspaket akzeptiert werden muss, das deutlich hinter den ursprünglichen Versprechen zurückbleibt. Dies ist kein Triumph der Schweizer Beschaffung, sondern eine kalkulierte Überlebensstrategie, damit die Luftwaffe aus einem Vertrag, der am Rand des Scheiterns stand, überhaupt noch Ausrüstung erhält.

Wichtige technische Funktionen gestrichen

Die technische Realität hat deutliche Spuren hinterlassen und das Schweizer Militär dazu gezwungen, auf drei wichtige Funktionen zu verzichten, die einst als unverzichtbar galten. Die Vision einer hochmodernen Flotte ist verwässert worden: Das Departement bestätigt, dass das automatische Ausweichsystem, das für die Vermeidung von Kollisionen in der Luft entscheidend ist, vollständig gestrichen wurde. Ebenfalls aufgegeben wurde die Fähigkeit, unabhängig vom GPS zu starten und zu landen, eine wichtige Redundanzfunktion für die moderne Kriegsführung. Besonders schwer wiegt für ein Land, das von alpinen Wintern geprägt ist, dass auch das Enteisungssystem gestrichen wurde.

Dabei handelt es sich nicht um geringfügige Anpassungen, sondern um eine grundlegende Abwertung des taktischen Profils der Drohne. Der israelische Hersteller Elbit und der Schweizer Technologiepartner Ruag hatten diese Funktionen ursprünglich zugesagt. Das Departement räumt nun jedoch ein, dass sie schlicht «nicht realisiert werden können». Dieses Eingeständnis zeigt deutlich, wie gross die Kluft zwischen den Marketingversprechen und der technischen Realität ist. Mit dem Verzicht auf diese Anforderungen akzeptiert das Schweizer Militär faktisch eine «Light»-Version der Hermes 900 und streicht damit die fortschrittlichen Sicherheits- und Einsatzreserven, die den hohen Preis moderner Militärtechnik rechtfertigen.

Eingeschränkter Einsatz und Begleitflugzeuge

Die Folgen dieser technischen Mängel werden sich unmittelbar auf dem Rollfeld bemerkbar machen. Ohne Enteisungsfähigkeit ist das Einsatzfenster der Drohnen stark geschrumpft: Bei vereisten Bedingungen oder Bodenebel sind Flüge nun strikt verboten. Solche Wetterlagen sind im Schweizer Klima allzu häufig. Diese Einschränkung beeinträchtigt die Zuverlässigkeit der Flotte in den Wintermonaten erheblich und könnte dazu führen, dass die Augen der Armee genau dann am Boden bleiben, wenn die Sicht am schlechtesten ist.

Noch alarmierender ist die Notwendigkeit einer Begleitung aus der Luft. Weil das «Sense-and-Avoid»-System nicht funktioniert, dürfen die Drohnen tagsüber nicht allein im unkontrollierten Luftraum fliegen. Sie müssen nun von anderen Flugzeugen eskortiert werden. Das ist eine logistische Belastung, die dem Hauptzweck unbemannter Systeme, Effizienz und Autonomie, zuwiderläuft. Das Departement betont zwar, dass wichtige Fähigkeiten wie die Langzeitaufklärung erhalten bleiben, doch der Einsatz ist in der Praxis stark eingeschränkt. Die Schweizer Luftwaffe muss sich nun mit einer Flotte auseinandersetzen, die ständige Begleitung und klaren Himmel erfordert. Was eigentlich ein Kraftmultiplikator sein sollte, wird so zum logistischen Problem.

Finanzielle Folgen und weitere Unsicherheit

Während die technischen Fähigkeiten abgenommen haben, haben sich die finanziellen Verhandlungen intensiviert. Um den Funktionsverlust auszugleichen, hat Elbit Systems ein erhebliches Zugeständnis gemacht: Der Hersteller übernimmt bis zu acht Jahre lang die Fixkosten des Servicevertrags. Dieser finanzielle Puffer ist eine direkte Entschädigung für die nicht eingehaltenen Versprechen und soll sicherstellen, dass die Schweizer Steuerzahlenden nicht die volle Rechnung für ein Produkt mit geringerem Leistungsumfang tragen. Diese finanzielle Entlastung beseitigt jedoch nicht die grundlegenden Risiken.

Das Projekt steht weiterhin auf wackligem Boden. Das Verteidigungsdepartement hat eindringlich vor anhaltenden Risiken bei Software und Steuerungssystemen gewarnt und erklärt: «Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Lieferant weitere Meilensteine nicht erreichen wird.» Die Aussichten sind düster: Es ist absehbar, dass bis zu vier der sechs Drohnen möglicherweise nie den vollständigen erforderlichen Nachweis für die Zulassung erbringen und deshalb langfristigen Auflagen unterstehen werden. Elbit hat die Möglichkeit ins Spiel gebracht, eine Drohne zu ersetzen, damit mindestens drei Einheiten ohne Auflagen betrieben werden können. Der weitere Weg bleibt jedoch von Unsicherheit geprägt. Die Schweiz steckt nun in einem Beschaffungsdrama, bei dem nur eines sicher ist: Die Turbulenzen gehen weiter.