Verteidigung
Schweizer Militärdrohnenprogramm mit erheblichen Rückschlägen
Eine Prüfung des Bundes zeigt erhebliche Verzögerungen und finanzielle Bedenken beim Drohnenbeschaffungsprojekt im Umfang von 250 Millionen CHF. Der Abschluss wurde auf 2029 verschoben.

Das ehrgeizige Beschaffungsprogramm der Schweiz für militärische Drohnen, das 2015 ursprünglich vom Parlament genehmigt wurde, ist auf erhebliche Hindernisse gestossen, die seine strategischen Ziele zu untergraben drohen. Das 250-Millionen-CHF-Projekt umfasst die Beschaffung von sechs unbemannten Luftfahrzeugen (UAV) des Typs Hermes 900 HFE des israelischen Herstellers Elbit und sollte ursprünglich 2019 abgeschlossen sein. Jüngste Entwicklungen haben jedoch eine drastische Anpassung des Zeitplans erzwungen: Die volle Einsatzfähigkeit wird nun erst für 2029 erwartet.
Das Programm steht für das Engagement der Schweiz, ihre Fähigkeiten zur Luftaufklärung mit unbemannten Systemen zu modernisieren. Der jüngste Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle hat jedoch besorgniserregende Entwicklungen aufgedeckt, die Zweifel an der Umsetzung des Projekts aufkommen lassen.
Finanzielle Folgen und Prüfungsergebnisse
Die Beurteilung der Eidgenössischen Finanzkontrolle zeichnet ein beunruhigendes Bild der finanziellen Führung des Projekts. Die Investition von 250 Millionen CHF, die für das Schweizer Verteidigungsbudget bereits beträchtlich ist, steht verstärkt unter Beobachtung, da die Prüfung nur einen geringen finanziellen Spielraum und die Wahrscheinlichkeit zusätzlicher Kosten aufzeigt.
Die deutliche Feststellung der EFK, «das Projekt steckt in einer Krise», unterstreicht die Schwere der Lage. Die Prüfung kritisiert insbesondere die überambitionierten Ziele des Projekts sowie unzureichende Planungs- und Kontrollmechanismen. Dies deutet darauf hin, dass die finanziellen Folgen über den ursprünglich bewilligten Budgetrahmen hinausgehen könnten.
Technische Herausforderungen und Verzögerungen
Die technischen Herausforderungen des Drohnenprogramms haben sich als komplexer erwiesen als ursprünglich erwartet. Selbst mit dem angepassten Fertigstellungstermin 2026 wird das System nicht alle festgelegten Anforderungen erfüllen. Für die volle Einsatzfähigkeit ist deshalb zusätzliche Entwicklungszeit bis 2029 erforderlich.
Das Projekt steht vor mehreren technischen Hürden, darunter Integrationsprobleme und betriebliche Anforderungen, die sich aus den besonderen topografischen Bedingungen der Schweiz ergeben. Diese Herausforderungen haben zu den erheblichen Verzögerungen beigetragen und Zweifel an den ursprünglichen technischen Spezifikationen des Projekts geweckt.
Aussichten und militärische Auswirkungen
Trotz der schwerwiegenden Rückschläge hält das Bundesamt für Rüstung (armasuisse) daran fest, dass ein Abbruch des Projekts nicht infrage kommt. Es verweist auf die erheblichen bereits angefallenen Kosten und den operativen Bedarf der Armee an den Drohnen. Diese Haltung spiegelt die strategische Bedeutung des Drohnenprogramms für die Verteidigungsfähigkeit der Schweiz wider.
Der weitere Weg bleibt herausfordernd. Die EFK fordert dringende Massnahmen, um die Mängel des Projekts zu beheben. Die militärischen Auswirkungen der Verzögerungen beeinträchtigen weiterhin die Luftaufklärungsfähigkeiten der Schweiz und zwingen den Verteidigungsbereich dazu, veraltete Systeme länger als geplant im Einsatz zu halten.