Kultur
Schweizer Literaturpreise 2025: Ehrung für Fleur Jaeggy
Die in Zürich geborene Autorin Fleur Jaeggy gewinnt den renommierten Grand Prix Literatur, dazu kommen Auszeichnungen für die französischsprachigen Autorinnen und Autoren Catherine Lovey und Romain Buffat.

Die in Zürich geborene Fleur Jaeggy hat den Grand Prix Literatur 2025 gewonnen und damit ihren Status als herausragende Persönlichkeit der europäischen Literatur gefestigt. Das Bundesamt für Kultur (BAK) gab die Entscheidung am Donnerstag bekannt und stellte die 85-jährige Autorin damit an die Spitze der nationalen Kulturhierarchie. Jaeggy, die vorwiegend auf Italienisch schreibt, verkörpert die komplexe, mehrsprachige Seele der Schweiz. Dieser Sieg kommt nicht isoliert: Er folgt kurz auf ihren Gewinn des Gottfried-Keller-Preises 2024 und zeigt, dass ihr Lebenswerk zunehmend Anerkennung findet.
Der Grand Prix ist die höchste Auszeichnung, die der Bund an eine Autorin oder einen Autor vergibt, und steht für ein aussergewöhnliches Lebenswerk. Mit der Ehrung Jaeggys rückt das BAK eine Schriftstellerin ins Rampenlicht, die seit Jahrzehnten eine unverwechselbare Stimme entwickelt, die Sprachgrenzen überwindet. Obwohl sie die italienische Staatsbürgerschaft besitzt und in der Sprache Dantes schreibt, verankern ihre Wurzeln in Zürich sie fest in der Schweizer Literatur. Die Auszeichnung erinnert eindrücklich daran, dass die Schweizer Literatur nicht durch eine einzige Sprache definiert ist, sondern durch die Qualität ihrer vielfältigen Stimmen.
Ein Vermächtnis von unsentimentaler Brillanz
Mit 85 Jahren zieht Jaeggy ihr Publikum weiterhin mit einer Stimme in den Bann, die die Jury als «tiefgründig und keineswegs sentimental» beschreibt. Das ist keine Literatur für Zartbesaitete: Sie durchdringt den Schleier des Komforts und legt schonungslose Wahrheiten frei. Ihr Stil ist für seine Präzision und emotionale Strenge bekannt. Diese Eigenschaften haben ihr nun das höchste Lob eingebracht, das die Schweizer Regierung vergeben kann. Die Stellungnahme der Jury unterstreicht die Wertschätzung für Literatur, die herausfordert statt zu beschwichtigen.
Jaeggys Karriere ist aussergewöhnlich. Im vergangenen Jahr erhielt sie den Gottfried-Keller-Preis, der weithin als zweitwichtigste Schweizer Literaturauszeichnung nach dem Schillerpreis gilt. Der Gewinn des Grand Prix nur ein Jahr später bestätigt ihre herausragende Stellung in diesem Bereich. Sie schreibt nicht einfach, sondern seziert den menschlichen Zustand mit dem Skalpell einer Chirurgin. Diese aufeinanderfolgenden Auszeichnungen bedeutender Institutionen zeigen, dass unter Kritikern Einigkeit herrscht: Jaeggys Werk ist eine Pflichtlektüre und bietet eine scharfe, kompromisslose Perspektive, die sich deutlich von kommerziellerer zeitgenössischer Belletristik abhebt.
Autorinnen und Autoren aus der Romandie gewinnen wichtige Auszeichnungen
Die Romandie behauptet ihre literarische Stärke: Catherine Lovey und Romain Buffat gehören zu den ausgezeichneten Autorinnen und Autoren. Während Jaeggy die höchste Auszeichnung erhält, zeigt die Ehrung dieser französischsprachigen Grössen die ganze Breite des Schweizer Talents. Catherine Lovey wird für ihr Werk Histoire de l’homme qui ne voulait pas mourir (Zoé) ausgezeichnet, dessen Titel eine Auseinandersetzung mit existenziellen Themen nahelegt. Romain Buffat erhält eine Auszeichnung für Grande-Fin (Editions Double ligne), ein Zeichen für die Vitalität unabhängiger Verlage.
Diese Auszeichnungen sind wichtig, um das sensible Gleichgewicht zwischen den Sprachregionen der Schweiz zu wahren. Die Ehrung von Lovey und Buffat macht deutlich, dass die Preise 2025 nicht nur eine einzelne Ikone feiern, sondern einen umfassenden Blick auf die Schweizer Kreativität bieten. Ihre Werke stehen neben Jaeggys und beweisen, dass die Schweizer Literaturszene von Genf bis Zürich lebendig und vielfältig ist und Weltklasse-Erzählungen hervorbringt, die Aufmerksamkeit verdienen.
Investition in die kulturelle Zukunft der Schweiz
Sieben Autorinnen und Autoren erhalten je CHF 25'000, eine wichtige finanzielle Unterstützung für das kreative Ökosystem des Landes. Mit diesem Beitrag investiert das Bundesamt für Kultur nicht bloss in die Ausgezeichneten, sondern auch in die Zukunftsfähigkeit der Schweizer Kunst. In einer Zeit, in der die Kunst oft um Finanzierung kämpfen muss, bildet der Schweizer Literaturpreis eine wichtige Stütze und stellt sicher, dass Schreibende über die Mittel verfügen, um ihre Arbeit fortzusetzen.
Auch das literarische Ökosystem als Ganzes wird gewürdigt. Der Spezialpreis Vermittlung geht an den Verein Lectures Canap und hebt die Bedeutung jener hervor, die eine Verbindung zwischen Schreibenden und Lesenden schaffen. Dieser umfassende Ansatz, der Legenden wie Jaeggy, aktuelle Stars wie Lovey und Buffat sowie Vermittler wie Lectures Canap auszeichnet, zeigt eine solide Strategie, um die Schweizer Literatur lebendig zu halten. Mit Blick auf den weiteren Verlauf des Jahres 2025 setzen diese Preise einen hohen Massstab und signalisieren, dass das geschriebene Wort ein Grundpfeiler der Schweizer Identität bleibt.