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Swiss Observer

Schweizer Innovation verändert die japanische Demokratie

Ein digitales Schweizer Abstimmungstool sorgt in Japan für Aufsehen. Es fordert die langjährige Dominanz der Liberaldemokratischen Partei heraus und revolutioniert die politische Beteiligung junger Wählerinnen und Wähler.

Schweizer Innovation verändert die japanische Demokratie
AISWI swissinfo.ch

Eine bahnbrechende Entwicklung für die japanische Demokratie: Das Schweizer digitale Abstimmungstool Smartvote gewinnt in der politischen Landschaft des Landes zunehmend an Bedeutung. Die innovative Plattform, die die demokratischen Prozesse in der Schweiz seit über 25 Jahren erfolgreich prägt, wird nun unter dem Namen «Vote Match» für japanische Wählerinnen und Wähler angepasst. Die Umsetzung ist ein wichtiger Meilenstein der schweizerisch-japanischen technologischen Zusammenarbeit und demokratischen Innovation.

So funktioniert Smartvote

Smartvote funktioniert als ausgeklügelte Matching-Plattform, die Wählerinnen und Wähler mit politischen Kandidatinnen und Kandidaten zusammenbringt. Das System stellt den Nutzerinnen und Nutzern 30 bis 75 standardisierte Fragen zu aktuellen politischen Themen und erstellt so detaillierte politische Profile. Diese Profile werden anschliessend mit den Positionen der Kandidierenden verglichen, um Ranglisten nach Übereinstimmung zu erstellen. In der Schweiz hat die Plattform bemerkenswerte Erfolge erzielt: Gemäss dem Europäischen Konsortium für Politische Forschung nutzen rund 20 Prozent der Stimmberechtigten und 90 Prozent der Kandidierenden den Dienst.

Umsetzung und Wirkung in Japan

An der renommierten Waseda-Universität in Tokio leiten Professor Airo Hino und sein Team die Anpassung von Smartvote an die japanische Politik. Die Plattform, die vor Ort unter dem Namen Vote Match bekannt ist, wird mit besonderem Augenmerk auf den einzigartigen politischen Kontext Japans und die bevorstehenden Sangiin-Wahlen entwickelt. Das Team analysiert Parteiprogramme, Aussagen von Kandidierenden und die Medienberichterstattung, um relevante Fragen zu formulieren, die japanische Wählerinnen und Wähler ansprechen. Grosse Medienhäuser, darunter die Zeitung Yomiuri, stellen die Plattform bereit und gewährleisten so einen breiten Zugang.

Beteiligung junger Menschen und Zukunftsaussichten

Die Einführung von Vote Match ist besonders bedeutsam für die politische Beteiligung junger Menschen in Japan. Studierende wie Kentaro Kikuchi und Yuta Suzuki stehen für eine neue Generation politisch engagierter junger Japanerinnen und Japaner, die digitale Instrumente der Demokratie nutzen. Der Erfolg der Plattform dabei, junge Wählerinnen und Wähler einzubeziehen, könnte die traditionelle Dominanz der Liberaldemokratischen Partei infrage stellen und eine neue Ära der politischen Beteiligung in Japan einläuten. Diese schweizerisch-japanische Zusammenarbeit zeigt beispielhaft, wie demokratische Innovationen kulturelle Grenzen überwinden und demokratische Prozesse weltweit stärken können.