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Swiss Observer

Bericht zeigt: 2025 war die kritische Infrastruktur der Schweiz fast täglich einem Cyberangriff ausgesetzt

Das Bundesamt für Cybersicherheit des Bundes hat gemeldet, dass im vergangenen Jahr 325 Meldungen zu Cyberangriffen auf kritische Infrastrukturen eingegangen sind. Am häufigsten betroffen waren die öffentliche Verwaltung, die IT-Branche und der Finanzsektor.

Bericht zeigt: 2025 war die kritische Infrastruktur der Schweiz fast täglich einem Cyberangriff ausgesetzt
AISWI swissinfo.ch

Die digitale Festung der Schweiz sieht sich einem beispiellosen Ansturm ausgesetzt. Im Jahr 2025 richteten sich sage und schreibe 325 Cyberangriffe gegen die kritische Infrastruktur des Landes. Damit stand die Schweiz praktisch unter einer ständigen digitalen Belagerung. Die vom Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) veröffentlichten Zahlen offenbaren eine ernüchternde Realität: Unsere grundlegenden Dienstleistungen, von der Strom- bis zur Wasserversorgung, sehen sich fast jeden Tag einem schweren Angriff gegenüber. Seit Inkrafttreten des wegweisenden Gesetzes am 1. April 2025 dürfen Betreiber solche Vorfälle nicht mehr verschweigen. Sie sind nun gesetzlich verpflichtet, diese Angriffe innerhalb einer strikten Frist von 24 Stunden zu melden. Dank dieser Transparenz wird eine unerbittliche Angriffskampagne sichtbar, die das Fundament der Stabilität der Schweiz bedroht. Während das Land schläft, herrscht an der digitalen Front Hochbetrieb: Staatliche und nichtstaatliche Akteure testen die Widerstandsfähigkeit der alpinen Hochburg.

Verwaltung und Finanzen: Bern im Visier

Ein gewaltiger Anteil von 25 % aller Angriffe auf kritische Infrastrukturen trifft direkt den Verwaltungssektor der Schweiz. Die Regierung in Bern ist zum Hauptziel von Hackern geworden, die den Betrieb des Landes destabilisieren wollen. Dicht dahinter folgen die IT- und Telekommunikationsbranchen sowie die Kronjuwelen der Schweizer Wirtschaft: Banken und Versicherungen. Diese Sektoren sind lebenswichtig für die Eidgenossenschaft, und ihre Verwundbarkeit ist alarmierend. Die Zahlen deuten darauf hin, dass Angreifer nicht bloss auf eine schnelle Beute aus sind. Sie nehmen systematisch jene Institutionen ins Visier, die für die öffentliche Ordnung und das Vertrauen in das Finanzsystem sorgen. Während der Privatsektor mit seinen eigenen Bedrohungen ringt, deutet die Konzentration der Angriffe auf die öffentliche Verwaltung auf eine Verschiebung hin zu raffinierteren, möglicherweise politisch motivierten Angriffen. Es geht längst nicht mehr nur um Daten, sondern um die Integrität des Schweizer Staates selbst.

Die bevorzugten Waffen: Hacking und DDoS-Angriffe dominieren

Hacking bleibt die gefährlichste Waffe im Arsenal der Angreifer und ist für jeden fünften gemeldeten Angriff verantwortlich. Die Methoden entwickeln sich jedoch in beängstigendem Tempo weiter. Bei rund 16 % der Vorfälle handelt es sich um Distributed-Denial-of-Service-Angriffe (DDoS), die Schweizer Dienstleistungen lahmlegen sollen, indem sie mit künstlichem Datenverkehr überflutet werden. Neben diesen brachialen Methoden meldet das BACS eine raffinierte Mischung aus dem Diebstahl von Zugangsdaten, Schadsoftware und Datenlecks. Besonders besorgniserregend ist der anhaltende Einsatz von Ransomware, also digitaler Erpressung, bei der kritische Daten gegen Lösegeld als Geisel gehalten werden. Dies sind keine zufälligen Akte digitaler Zerstörungswut, sondern gezielte Angriffe. Die Vielfalt der Methoden zeigt, dass die Schweizer Infrastruktur auf jede mögliche Schwachstelle hin überprüft wird, vom menschlichen Versagen bei der Verwaltung von Zugangsdaten bis zu technischen Mängeln in der Netzwerkarchitektur. Mit der Weiterentwicklung der Methoden steigen auch die Kosten für die Abwehr.

Ein Land in höchster Alarmbereitschaft: 65 000 Vorfälle

Die 325 Angriffe auf kritische Infrastrukturen sind nur die Spitze eines gewaltigen Eisbergs. Insgesamt registrierte das Bundesamt für Cybersicherheit im Jahr 2025 fast 65 000 Meldungen, deutlich mehr als die 63 000 im Vorjahr. Zehntausende dieser Meldungen stammten freiwillig von Privatpersonen. Das zeigt, dass die Cyberbedrohung für alle Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz zum Alltag gehört und nicht nur für Regierungsvertreter. Das BACS bezeichnet die Zahlen als «stabil auf hohem Niveau». Doch die schiere Menge von 65 000 Vorfällen deutet auf eine Gesellschaft hin, die unter ständigem digitalem Druck steht. Der Handlungsbedarf ist klar: Die Schweiz muss ihre Abwehrfähigkeiten rascher ausbauen. Der Bericht für 2025 ist ein Weckruf. Im weiteren Verlauf des Jahres 2026 muss der Schwerpunkt darauf liegen, Angriffe nicht nur zu melden, sondern sie im Voraus zu vereiteln. Die Neutralität des Schweizer Bodens bietet in einer grenzenlosen digitalen Welt keine Garantie mehr für Sicherheit.