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Swiss Observer

Schweizer Teuerung sinkt 2024 auf 1,1%

Die Schweizer Teuerung lag 2024 bei 1,1%, gegenüber 2,1% im Jahr 2023. Im Dezember betrug die Jahresteuerung 0,6%, während die Lebensmittel- und Treibstoffpreise sanken.

Schweizer Teuerung sinkt 2024 auf 1,1%
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz hat den steigenden Preisen Einhalt geboten. In einer entscheidenden wirtschaftlichen Wende sank die durchschnittliche Jahresteuerung 2024 auf bemerkenswert tiefe 1,1%, deutlich weniger als die 2,1% im Jahr 2023. Dieser Wert markiert einen wichtigen Wendepunkt für die Schweizer Wirtschaft und signalisiert, dass der starke Teuerungsdruck, der das Land nach den geopolitischen Erschütterungen von 2022 erfasst hatte, endlich nachlässt.

Die am Dienstag vom Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlichten Daten zeigen eine rasche Abkühlung. Während der Jahresdurchschnitt von Stabilität zeugt, sind die Werte zum Jahresende noch auffälliger. Allein im Dezember sank die Jahresteuerung auf lediglich 0,6%, während der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) gegenüber dem Vormonat sogar um 0,1% zurückging. Diese Zahlen entsprechen genau den Prognosen der von der Nachrichtenagentur AWP befragten Ökonominnen und Ökonomen und bestätigen, dass die geldpolitischen Strategien der Schweizerischen Nationalbank greifen. Nach einem Höchststand von 2,8% im Jahr 2022 ist die Schweiz nun wieder fest im Bereich der Preisstabilität, was Haushalten in allen Kantonen eine dringend benötigte Entlastung verschafft.

Lebensmittel- und Treibstoffpreise brechen ein

Die Konsumentinnen und Konsumenten spüren die Entlastung endlich dort, wo sie am meisten zählt: an der Kasse und an der Tankstelle. Hauptgrund für den starken Rückgang der Teuerung im Dezember war ein deutlicher Preisrückgang bei lebensnotwendigen Gütern. Die Lebensmittelpreise sanken gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,9%. Für Familien, die sich monatelang mit hohen Rechnungen beim Einkauf konfrontiert sahen, ist das eine willkommene Veränderung.

Im Energiesektor fiel die Korrektur noch deutlicher aus. Diesel verbilligte sich um beachtliche 5,4%, Benzin um 1,3%. Das entlastet sowohl Pendlerinnen und Pendler als auch die Logistikbranche. Doch damit nicht genug: Medikamente kosteten 2,8% weniger, und die Preise für Flugreisen brachen um 4,6% ein. Auch Kleidung und Schuhe trugen zum deflationären Trend bei, ihre Preise sanken um 1,4%. Dieser breit abgestützte Rückgang bei Gütern des täglichen Bedarfs deutet darauf hin, dass sich die Lieferketten normalisiert haben und die akute Phase der Lebenshaltungskostenkrise bei den Alltagsnotwendigkeiten im Wesentlichen überwunden ist.

Mieten und Reisen trotzen dem Trend

Die wirtschaftliche Lage ist jedoch nicht völlig sorgenfrei. Während Güter günstiger geworden sind, bleiben Dienstleistungen und Wohnkosten hartnäckige Treiber der Teuerung. Schweizer Mieterinnen und Mieter sehen sich mit einer ernüchternden Entwicklung konfrontiert: Im Dezember stiegen die Mieten gegenüber dem Vorjahr um 3,4%. Dieser starke Anstieg der Wohnkosten droht für viele Einwohnerinnen und Einwohner die Einsparungen im Supermarkt zunichtezumachen und macht das anhaltende Ungleichgewicht bei den Lebenshaltungskosten deutlich.

Wer dem Schweizer Winter entfliehen möchte, muss zudem tiefer in die Tasche greifen. Die Kosten für Ferien im Ausland stiegen um 3,8%, was trotz höherer Preise auf eine starke Nachfrage hindeutet. Auch kleine Luxusgüter werden teurer: Kaffee verteuerte sich um 2%. Diese gegensätzliche Entwicklung führt zu einer Teuerung mit zwei Geschwindigkeiten: Während Sachgüter günstiger werden, steigen die Kosten für Wohnen und Dienstleistungen weiter. Konsumentinnen und Konsumenten müssen ihre Ausgaben daher weiterhin aufmerksam im Blick behalten.

Die Schweiz stabilisiert sich nach der Krise

Die Schweiz hat das tückische wirtschaftliche Labyrinth nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine erfolgreich durchquert. Der Rückgang von einem Teuerungshöchststand von 2,8% im Jahr 2022 auf nur noch 1,1% im Jahr 2024 zeugt von der Widerstandsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft. Während die Nachbarländer weiterhin mit volatilen Märkten kämpfen, ist es der Schweiz gelungen, ihre Wirtschaft wieder in sichere Gewässer zu steuern.

Für 2025 deutet der Ausblick auf eine Rückkehr zur «Schweizer Norm» einer tiefen und stabilen Teuerung hin. Der anhaltende Mietanstieg mahnt jedoch, dass der Kampf noch nicht vollständig gewonnen ist. Wie die Daten des Bundesamts für Statistik zeigen, hat der allgemeine Teuerungsdruck nachgelassen, doch einzelne Bereiche müssen weiterhin genau beobachtet werden. Die Schweizer Bevölkerung kann sich vorerst damit trösten, dass die Zeit der rasant steigenden Preise offenbar hinter ihr liegt. Damit sind die Voraussetzungen für ein Jahr mit solider, wenn auch vorsichtiger wirtschaftlicher Stabilität geschaffen.