Wohnen
Schweizer Behörden rechnen 2026 mit einer Verschärfung der Wohnungsnot
Der Direktor des Bundesamts für Wohnungswesen hat gewarnt, dass sich die Wohnungsnot in der Schweiz dieses Jahr voraussichtlich verschärfen wird. Als Gründe nannte er das Bevölkerungswachstum, die Zuwanderung und die verzögerte Bautätigkeit.

Die Wohnungsnot in der Schweiz ist keine drohende Gefahr mehr, sondern längst Realität und dürfte 2026 noch stärker zu spüren sein. Martin Tschirren, Direktor des Bundesamts für Wohnungswesen, hat eindringlich gewarnt: Der Mangel an verfügbaren Wohnungen wird sich dieses Jahr verschärfen. Für Mieterinnen und Mieter sowie Kaufinteressierte bedeutet das weniger Auswahl und höhere Kosten. Im Gespräch mit dem Blick sagte Tschirren am Samstag unmissverständlich, dass «sich die Ursachen der Wohnungsnot nicht so schnell ändern lassen».
Es handelt sich nicht um eine vorübergehende Schwäche, sondern um eine strukturelle Verschärfung der Schweizer Lebensverhältnisse. Während sich das Land seiner Stabilität rühmt, ist der Wohnungsmarkt derzeit von Schwankungen und Knappheit geprägt. Die Prognose für 2026 ist klar: Der Druck nimmt zu, und für die durchschnittliche Bevölkerung wird die Suche nach bezahlbarem Wohnraum von schwierig zu beinahe unmöglich. Die Behörden haben signalisiert, dass sich das Zeitfenster für eine Entlastung nicht öffnet, sondern sich vielmehr schliesst.
Der Nachfrageanstieg: Menschen, Arbeitsplätze und Grenzen
Die Ursachen dieser Krise wirken zusammen und werden durch einen ungebrochenen Nachfrageanstieg angetrieben. Tschirren nennt eine Kombination wichtiger Faktoren: die wachsende Zahl der Haushalte, das starke Bevölkerungswachstum und die anhaltende Zuwanderung. Entscheidend ist jedoch die wirtschaftliche Entwicklung. Trotz der Unsicherheit, die die US-Zölle im vergangenen Jahr auslösten und Unternehmen zu vorsichtigem Abwarten zwangen, dürfte sich der Arbeitsmarkt erholen.
«Wenn die Wirtschaft wieder leicht anzieht, steigt tendenziell auch die Nachfrage nach Arbeitskräften und damit nach Wohnraum», sagt Tschirren voraus. Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Wenn sich Schweizer Unternehmen erholen und neue Mitarbeitende einstellen, belastet der Zuzug von Arbeitskräften einen ohnehin bereits überlasteten Markt zusätzlich. Wir erleben ein demografisches und wirtschaftliches Aufeinandertreffen: Der Wunsch, in der Schweiz zu leben und zu arbeiten, wächst schneller als die Kapazität, genügend Wohnraum für die Arbeitskräfte bereitzustellen. Die «Generation ohne Wohnung» ist nicht bloss eine griffige Schlagzeile, sondern das prägende wirtschaftliche Merkmal dieses Jahrzehnts.
Stockender Bau: Das Versagen auf der Angebotsseite
Während die Nachfrage steigt, laufen die Betonmischer zu langsam. Die Rechnung ist einfach und schonungslos: Ein ungenügendes Angebot trifft auf eine überwältigende Nachfrage. Tschirren nennt die «geringe Bautätigkeit» als einen Hauptgrund für die Verschärfung der Krise. Die Schweizer Baubranche kann mit der demografischen Entwicklung nicht Schritt halten. Dadurch wächst das Defizit von Monat zu Monat.
Diese Verzögerung ist nicht bloss ein logistisches Versäumnis, sondern ein strukturelles Versagen. Hohe Hürden für neue Projekte, bürokratische Auflagen und die Zurückhaltung des Marktes haben dazu geführt, dass die Projektpipeline nur tröpfelt, statt zu fliessen. Die Knappheit treibt die Preise nach oben und verschärft den Wettbewerb um jeden Quadratmeter Wohnfläche. Solange die Kräne nicht wieder die Skyline von Zürich, Genf und Basel prägen, wird die Kluft zwischen denen, die einen Mietvertrag haben, und jenen, die suchen, weiter deutlich wachsen.
Stillstand der Regierung: Warum Lösungen auf sich warten lassen
Bern hat einen Plan, aber keinen Zauberstab. Anfang 2024 lancierte der Bund gemeinsam mit den Kantonen und der Immobilienbranche einen ehrgeizigen Aktionsplan mit über 30 Massnahmen, um den Bau von bezahlbarem Wohnraum anzukurbeln. Doch zwei Jahre später ist die Wirkung vor Ort nach wie vor gering. Tschirrens Einschätzung dieser Massnahmen ist ernüchternd: «Im Moment sehe ich keine rasche Verbesserung.»
Tatsächlich sind diese politischen Hebel auf die mittlere bis lange Frist ausgelegt. Es sind bürokratische Samen, die in gefrorenen Boden gepflanzt wurden. Zwar ist der Wille vorhanden, das Angebot zu erhöhen, doch für Wohnungssuchende dauert es quälend lange, bis sich diese Massnahmen in tatsächlichen Schlüsseln zu neuen Wohnungen niederschlagen. Die Schweiz kämpft mit einer Krise, die sofortiges Handeln verlangt, während die verfügbaren Instrumente bestenfalls schrittweise wirken. Für 2026 ist die Botschaft von oben klar: Man muss sich auf die Folgen einstellen, denn Hilfe lässt noch lange auf sich warten.