Strom
Stromrechnungen für Schweizer Haushalte dürften 2027 sinken
Die regulierten Strompreise für Schweizer Haushalte dürften 2027 im Median um 4 % sinken. Dadurch würde die Jahresrechnung eines typischen Haushalts um rund CHF 53 niedriger ausfallen, wobei die Auswirkungen je nach Region und Anbieter unterschiedlich sein werden.

Ein Rückgang um 4 % im Median im Jahr 2027 wird vielen Schweizer Haushalten nach mehreren Jahren mit hohen Stromkosten eine bescheidene Entlastung bringen. Die ElCom, die eidgenössische Elektrizitätskommission, rechnet damit, dass der regulierte Basistarif im kommenden Jahr sinkt. Wie stark, hängt von der jeweiligen Gemeinde und dem Netzbetreiber ab.
Für einen typischen Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 4'500 kWh dürfte die Rechnung rund CHF 1'194 betragen. Das sind etwa CHF 53 weniger als 2026. Die Schätzung gilt für Haushalte, die weiterhin im regulierten Basistarif versorgt werden, in dem lokale Anbieter Strom zu genehmigten Tarifen liefern.
Der nationale Median ist ein hilfreicher Richtwert, bestimmt aber nicht die Rechnung jedes Haushalts. Das Schweizer Stromsystem ist stark dezentralisiert, und die Anbieter nutzen unterschiedliche Beschaffungsmodelle, Produktionsanlagen und Tarifstrukturen. Deshalb können zwei benachbarte Gemeinden für 2027 spürbar unterschiedliche Preise ausweisen.
Konsumentinnen und Konsumenten können den prognostizierten Tarif ihrer Gemeinde über die Strompreis-Website der ElCom prüfen. Laut der Aufsichtsbehörde übermitteln die Anbieter die Zahlen direkt; bei neuen Informationen werden die Angaben aktualisiert. Haushalte sollten den lokalen Tarif vergleichen, statt davon auszugehen, dass der nationale Median für ihre Adresse gilt.
Günstigere Beschaffung sorgt für Senkung
Der Energiepreis sinkt um 6,3 % und ist damit der Hauptgrund für den erwarteten Rückgang. Die ElCom prognostiziert, dass die Energiekomponente des regulierten Tarifs von 12.11 auf 11.35 Rappen pro kWh zurückgeht.
Die Veränderung hängt damit zusammen, wie Schweizer Versorgungsunternehmen Strom beschaffen. Während der Energiekrise schlossen einige Anbieter teure Lieferverträge ab, um sich künftige Mengen zu sichern. Wenn diese Verträge auslaufen, können die Versorgungsunternehmen einen Teil des Stroms durch günstigere Einkäufe ersetzen. Der Vorteil kommt den Haushalten über die Energiekomponente der regulierten Rechnung zugute.
Die Grosshandelspreise sind zuletzt gestiegen, doch laut ElCom hatten diese Erhöhungen nur begrenzten Einfluss auf die Tarife für 2027. Ein grosser Teil des Stroms für das nächste Jahr wurde im Voraus gekauft. Dadurch sind die veröffentlichten Tarife vor kurzfristigen Marktbewegungen geschützt. Dieser Beschaffungszeitplan bedeutet zugleich, dass sich künftige Rechnungen stärker verändern könnten, falls die Grosshandelspreise länger hoch bleiben.
Der Gesamttarif für Haushalte dürfte im Median von 27.7 auf 26.5 Rappen pro kWh sinken. Die Entlastung ist gross genug, um die jährlichen Kosten eines Standardhaushalts zu senken, doch der Tarif bleibt deutlich höher als vor der Energiekrise. Die ElCom bezeichnet das verbleibende Preisniveau als «eher hoch». Das zeigt, dass die günstigere Beschaffung den allgemeinen Kostendruck nicht beseitigt hat.
Netzkosten schmälern einen Teil der Ersparnis
Die Netznutzungsentgelte steigen auf 10.94 Rappen pro kWh und begrenzen damit die endgültige Ersparnis der Haushalte. Das Entgelt erhöht sich gegenüber 2026 von 10.73 Rappen, obwohl die Energiekomponente sinkt.
Mit den Netznutzungsentgelten wird die Infrastruktur bezahlt, über die der Strom transportiert wird, darunter lokale Verteilnetze und das übergeordnete Stromnetz. Der Anstieg widerspiegelt Kosten, die sich nicht parallel zur Strombeschaffung entwickeln. Auch die Messkosten steigen leicht und erreichen für einen typischen Haushalt rund CHF 78 pro Jahr.
Mehrere andere Tarifbestandteile sorgen für eine teilweise Entlastung. Die Abgaben für die Schweizer Stromreserve sinken, ebenso die Übertragungstarife der Swissgrid. Diese Rückgänge gleichen die höheren Netz- und Messkosten teilweise aus. Dadurch liegt der Median-Gesamttarif für Haushalte bei 26.5 Rappen pro kWh.
Die Zusammensetzung der Rechnung ist wichtig, denn niedrigere Grosshandels- oder Beschaffungskosten senken nicht jeden einzelnen Rechnungsposten. Haushalte könnten weniger sparen als erwartet, wenn ihr lokaler Anbieter höhere Netzkosten oder andere Weitergaberegelungen hat. Die Zahlen der ElCom zeigen, dass sich die regulierten Stromrechnungen aus mehreren Entgelten zusammensetzen, die jeweils von unterschiedlichen Marktbedingungen, Infrastrukturkosten und politischen Entscheiden beeinflusst werden.
Prüfen Sie den Preis an Ihrem Wohnort
Rund 580 Verteilnetzbetreiber werden den endgültigen Preis bestimmen, den Schweizer Haushalte 2027 bezahlen. Jeder Anbieter verfolgt eine eigene Beschaffungsstrategie und kann auf eine andere Mischung aus eingekauftem Strom und lokal erzeugter Energie zurückgreifen.
Diese Struktur führt zu deutlichen Unterschieden im ganzen Land. Ein Haushalt in einer Gemeinde kann einen anderen regulierten Tarif bezahlen als ein Haushalt in kurzer Entfernung, selbst wenn beide gleich viel Strom verbrauchen. Die lokale Produktion, der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses, Investitionen ins Netz und der Kundenstamm des Anbieters beeinflussen den veröffentlichten Tarif.
Der nationale Median ist daher ein Richtwert und keine Garantie. Auf der Online-Karte der ElCom können Konsumentinnen und Konsumenten nach Gemeinde und Netzbetreiber suchen und den für 2027 gemeldeten Tarif einsehen. Die Daten stammen direkt von den Anbietern und werden von der Aufsichtsbehörde aktualisiert.
Das Vergleichstool bietet Haushalten auch eine bessere Grundlage, um ihr Jahresbudget zu prüfen. Die Ersparnis von CHF 53 im nationalen Median kann in einer Region höher und in einer anderen niedriger ausfallen. Wer kürzlich umgezogen ist, die Adresse gewechselt oder eine neue Tarifmitteilung erhalten hat, sollte den Eintrag der eigenen Gemeinde prüfen und sich nicht auf einen Durchschnittswert in den Schlagzeilen verlassen.
Behalten Sie den Markt nach 2027 im Blick
Die Vorausbeschaffung schützt die meisten Tarife für 2027 vor den jüngsten Bewegungen am Grosshandelsmarkt. Laut ElCom haben die Anbieter einen grossen Teil des Stroms für das nächste Jahr gekauft, bevor die jüngsten Anstiege der Grosshandelspreise am Markt einsetzten. Dieser zeitliche Vorlauf hat dazu beigetragen, die Tarifprognose zu stabilisieren.
Dieser Schutz ist begrenzt. Bleiben die Grosshandelspreise über längere Zeit hoch, dürfte sich das eher in späteren Tarifjahren bemerkbar machen, wenn bestehende Verträge auslaufen und die Versorgungsunternehmen Ersatzmengen beschaffen. Die Senkung für 2027 ist somit sowohl auf die aktuellen Beschaffungsbedingungen als auch auf Entscheide während der Energiekrise zurückzuführen.
Die ElCom fordert die Anbieter zudem auf, ihre Tarife verständlicher zu erklären. Ihre Prüfung ergab, dass sich die meisten Unternehmen an die Vorschriften zur Trennung der regulierten Netztätigkeit von den wettbewerblichen Geschäftsfeldern halten. Die Erläuterungen zu Tarifänderungen waren jedoch oft unklar. Eine bessere Offenlegung würde Haushalten helfen zu verstehen, warum sich eine Rechnung verändert, auch wenn eine einzelne Komponente sinkt.
Für Konsumentinnen und Konsumenten ist der nächste Schritt einfach: Prüfen Sie den Tarif für 2027 bei der zuständigen Gemeinde und dem zuständigen Netzbetreiber und vergleichen Sie ihn anschliessend mit dem erwarteten Verbrauch des Haushalts. Die nationale Prognose deutet für viele Menschen auf niedrigere Rechnungen hin, doch die tatsächlichen Kosten bestimmt der lokale Tarif. Wie sich die Strompreise in der Schweiz nach 2027 entwickeln, hängt von Beschaffungsentscheiden, den Grosshandelsmärkten und den Kosten für den Unterhalt des Netzes ab.