Sport
Nationalrat stimmt für Aufhebung der Geschlechterquoten in Schweizer Sportgremien
Der Nationalrat hat dafür gestimmt, die erst kürzlich eingeführte Vorgabe zur Geschlechtervertretung in den Führungsgremien nationaler Sportverbände in der Schweiz aufzuheben. Befürworter sagen, Quoten seien für manche Sportarten unrealistisch. Kritiker argumentieren, ihre Abschaffung könnte die Bemühungen um eine bessere Vertretung und um die Verhinderung von Missbrauch schwächen.

Der Nationalrat stimmte am Dienstag, 15. September 2026, mit 109 zu 81 Stimmen für die Aufhebung der Vorgabe zur Geschlechtervertretung in nationalen Sportverbänden. Der Entscheid betrifft eine erst kürzlich eingeführte Regel und rückt die Zukunft von Vertretungsstandards im Schweizer Sport wieder ins Zentrum der politischen Debatte.
Der Vorstoss stammt von Stefanie Heimgartner von der Schweizerischen Volkspartei. Sie argumentierte, eine feste Quote widerspiegle die Mitgliederbasis nicht in jeder Sportart, und verwies auf den Schweizerischen Schwingerverband, in dem rund 90% der Mitglieder Männer sind. Heimgartner sagte, Verbände sollten Frauen fördern können, ohne an ein gesetzlich festgelegtes Ziel gebunden zu sein.
Die Abstimmung betrifft Führungsgremien, nicht die Teilnahmebedingungen für Athletinnen und Athleten oder die Mannschaftsauswahl. Sie betrifft die Führung von Swiss Olympic, nationalen Verbänden und weiteren nationalen Sportorganisationen. Der Nationalrat hat sich nun für die Aufhebung ausgesprochen. Aus der Quelle geht jedoch nicht hervor, ob die Massnahme das gesamte parlamentarische Verfahren durchlaufen hat.
Für Schweizer Sportorganisationen wirft der Entscheid unmittelbar die Frage auf, ob die Vertretung durch einen formellen Richtwert sichergestellt oder durch freiwillige Rekrutierung und Förderung angestrebt werden soll.
Quotenregel mit Athletenschutz verknüpft
Die Vorgabe von 40% gilt seit 2023, mit Ausnahmen für Verbände, die das Ziel nicht erreichen können. Die Regierung wandte den Standard auf die Führung von Swiss Olympic, nationalen Verbänden und nationalen Sportorganisationen an, als Teil einer umfassenderen Reihe ethischer Grundsätze.
Diese Grundsätze sollten Athletinnen und Athleten vor Gewalt schützen und Missbrauch innerhalb der Verbände verhindern. Die Quote ist somit Teil eines politischen Rahmens, der über die Zusammensetzung von Führungsgremien hinausgeht. Ihre Befürworter sehen eine breitere Vertretung als Teil einer stärkeren institutionellen Aufsicht und einer verantwortungsvolleren Führung.
Der Entscheid des Nationalrats hebt die erklärte Verantwortung der Verbände für den Schutz der Athletinnen und Athleten nicht auf. Falls die Aufhebung in Kraft tritt, entfällt damit jedoch eine formelle Massnahme, die mit dieser Verantwortung verknüpft ist. Die praktischen Folgen hängen davon ab, wie Swiss Olympic und die einzelnen Verbände reagieren und ob sie interne Ziele oder Rekrutierungsprogramme beibehalten.
Die Quelle nennt weder einen Zeitplan für die Umsetzung noch Einzelheiten zu den nächsten parlamentarischen Schritten. Vorerst ist die Abstimmung ein deutliches Zeichen der Ablehnung des Regierungsansatzes von 2023, der ethische Standards im Sport mit einem messbaren Gleichgewicht in Führungspositionen verknüpfte.
Unterschiedliche Realitäten bei der Vertretung im Sport
In der Debatte geht es um das Spannungsfeld zwischen einem einheitlichen nationalen Standard und der sehr unterschiedlichen Zusammensetzung der Schweizer Sportarten. Heimgartner führte den Schwingsport als Beispiel an, in dem die Mitglieder überwiegend Männer sind. Ein Verband mit einer kleinen oder traditionell männlich geprägten Mitgliederbasis könnte Mühe haben, ein Führungsziel von 40% zu erreichen, selbst wenn er aktiv nach qualifizierten Kandidatinnen sucht.
Ihr Argument lautete, die Verbände könnten Frauen selbst fördern. Damit würde die Verantwortung von einer gemeinsamen Vorgabe auf die einzelnen Organisationen übergehen, sodass jede Sportart ihren eigenen Weg festlegen könnte. Die Befürworter des Vorstosses stellen die Aufhebung deshalb als Anerkennung der sportlichen Realitäten und der organisatorischen Autonomie dar.
Kritiker warnen laut der Quelle, dass die Abschaffung der Vorgabe die Bemühungen um eine bessere Vertretung und um die Verhinderung von Missbrauch schwächen könnte. Dabei geht es nicht nur darum, ob ein Führungsgremium die Zusammensetzung der Mitglieder widerspiegelt. Es geht auch darum, wer Einfluss hat, welche Stimmen die Politik mitprägen und wie Institutionen das Vertrauen der Athletinnen und Athleten gewinnen.
Aus der verfügbaren Berichterstattung geht weder hervor, wie die einzelnen Fraktionen abgestimmt haben, noch enthält sie Zahlen zur Vertretung in den einzelnen Verbänden. Diese Angaben werden wichtig sein, wenn die Folgen der Abstimmung vom Dienstag deutlicher werden.
Verbände stehen vor freiwilligem Handeln
Den Schweizer Verbänden steht nun die Wahl offen, den formellen Richtwert von 40% freiwillig beizubehalten oder auf umfassendere Rekrutierungsbemühungen zu setzen. Die Abstimmung des Nationalrats gibt eine politische Richtung vor. In der Berichterstattung werden jedoch weder der endgültige rechtliche Status der Vorgabe noch die Reaktionen von Swiss Olympic und den einzelnen nationalen Verbänden beschrieben.
Falls die Aufhebung beschlossen wird, unterstehen die Organisationen weiterhin ethischen Pflichten, die Athletinnen und Athleten vor Gewalt und Missbrauch schützen sollen. Sie müssen zudem darlegen, wie sie Frauen den Zugang zu Führungspositionen erleichtern wollen, insbesondere in Sportarten mit einer weiterhin stark männlich geprägten Mitgliedschaft. Mögliche Ansätze wären gezielte Rekrutierung, Mentoring und transparente Auswahlverfahren. Die Quelle sagt jedoch nicht, welche Massnahmen die Verbände ergreifen werden.
Der Entscheid bringt den Schweizer Sport auch in eine breitere nationale Quotendebatte. Ein separater Bericht von Swissinfo hielt fest, dass die nach Schweizer Recht eingeführten Quoten für Unternehmensleitungen 2026 erste Ergebnisse zeigten. Für Sportverbände würde künftig eine andere Regelung gelten, falls die Position des Nationalrats Gesetz wird.
Der nächste Schritt wird zeigen, ob freiwilliges Engagement die Vertretung erreichen kann, welche die Regel von 2023 sicherstellen sollte, und zugleich den Verbänden ermöglicht, auf die besonderen Bedingungen jeder Sportart einzugehen.