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Swiss Observer

Schweizer Spitäler müssen sich auf Kriegsszenarien vorbereiten

Der Ständerat verpflichtet Schweizer Spitäler angesichts zunehmender internationaler Spannungen zur Entwicklung von Notfallplänen

Schweizer Spitäler müssen sich auf Kriegsszenarien vorbereiten
AIThe Local Switzerland

Eine erschreckend niedrige Kapazität von gerade einmal 50 Patientinnen und Patienten mit Mehrfachverletzungen landesweit hat die Schweizer Regierung zum Handeln gezwungen. In einem entscheidenden Schritt verabschiedete der Ständerat am Donnerstag eine wichtige Motion, die Schweizer Spitäler verpflichtet, eine umfassende Strategie zu entwickeln, um die Gesundheitsversorgung in grossen Krisen, einschliesslich bewaffneter Konflikte, zu gewährleisten. Das ist keine Übung, sondern ein gesetzgeberisches Eingeständnis, dass die alpine Nation gefährlich ungeschützt ist.

Die Motion, getragen von der dringenden Erkenntnis, dass Frieden nicht länger garantiert ist, verlangt, dass das Gesundheitssystem von der Effizienz in Friedenszeiten auf Widerstandsfähigkeit in Kriegszeiten umstellt. Die Schweiz hat sich zwar lange ihrer medizinischen Exzellenz gerühmt, doch die Abstimmung im Rat zerstört die Illusion, dass die bestehenden Kapazitäten für moderne Kriegsführung ausreichen. Der Auftrag ist klar: Der Bundesrat und die Kantone müssen Zuständigkeiten unverzüglich klären, rechtliche Rahmenbedingungen anpassen und Budgets bereitstellen. Die Zeit drängt, und die Regierung unternimmt endlich Schritte, um die medizinische Infrastruktur zu sichern, die zum Schutz der Bevölkerung in einer instabilen Welt nötig ist.

Das Defizit wird sichtbar: Ein unvorbereitetes System

Die Schweiz kämpft mit einer erschreckenden Lücke bei den Kapazitäten: Während die Bevölkerung mehr als 8,7 Millionen Menschen umfasst, können die Spitäler des Landes gleichzeitig gerade einmal 50 Patientinnen und Patienten mit Mehrfachverletzungen behandeln. Nationalrätin Franziska Roth schlug Alarm und erklärte, die medizinischen Einrichtungen des Landes seien bei Weitem nicht ausreichend ausgerüstet, um die vielen Verletzten eines bewaffneten Konflikts zu versorgen. Dies ist ein gravierendes Versagen der nationalen Sicherheitsinfrastruktur, das die Schweizer Bevölkerung gefährdet.

Auch die Kapazitäten der Armee für die Notfallversorgung bieten wenig Trost, denn auch sie sind erheblich begrenzt. Das heutige System ist auf Stabilität, nicht auf Chaos ausgerichtet. Roths Einschätzung zeichnet ein düsteres Bild eines Gesundheitsnetzes, das unter der Belastung eines konventionellen Kriegs zusammenbrechen würde. Der Gegensatz zwischen der vermeintlichen Sicherheit der Schweizer Neutralität und der Realität der medizinischen Logistik ist frappant. Diese gesetzgeberische Initiative soll die Lücke schliessen, bevor eine Krise sie offenlegt. Dafür verlangt sie eine umfassende Neuausrichtung des Umgangs mit der Notfalltriage und der Versorgungskapazität für Traumapatientinnen und -patienten.

Die Neutralität bröckelt: Die Bedrohung von aussen

«Der beste Weg, einen Krieg zu verhindern, ist, sich darauf vorzubereiten», erklärt der ehemalige US-General Ben Hodges und richtet damit einen unmissverständlichen Weckruf an die Schweizer Bevölkerung. Der pensionierte General warnt, dass es angesichts der aktuellen geopolitischen Lage ein gefährliches Glücksspiel sei, sich auf die historische Neutralität zu verlassen. Russland, so seine Einschätzung, werde die Grenzen der Schweizer Neutralität nicht respektieren, falls der Konflikt auf die Schweiz übergreife. Wer nicht vorbereitet ist, lädt damit faktisch zum Angriff ein.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass russische Panzer durch Zürich rollen. Die Bedrohungslage hat sich jedoch verändert. Hodges rät der Schweizer Armee, dringend zu lernen, wie sie sich gegen breit angelegte Drohnenangriffe verteidigen kann, und massiv in Luftabwehrsysteme zu investieren. Die Vorstellung, die Schweiz könne sich heraushalten, ist überholt. Die Warnung ist eindeutig: Neutralität ist kein Schutzschild. Ohne eine robuste, modernisierte Verteidigungsstrategie, zu der auch eine widerstandsfähige Spitalinfrastruktur gehört, läuft die Schweiz Gefahr, zu einem leichten Ziel auf einem angespannten Kontinent zu werden.

Der Rückzug der USA: Ein strategisches Vakuum

Europa hat für Washington nicht mehr erste Priorität, und die Schweiz muss sich den Folgen stellen. General Hodges weist darauf hin, dass die USA derzeit 100'000 Soldaten in Europa finanzieren, ein Abzug aber schlicht «nur eine Frage der Zeit» sei. Während sich der Blick der USA klar auf China richtet, bröckelt der amerikanische Sicherheitsschirm, der Europa indirekt geschützt hat.

Eine mögliche Rückkehr von Donald Trump ins Präsidentenamt beschleunigt diesen Zeitplan. «Europa hat nicht mehr erste Priorität», sagt Hodges und bestätigt damit, dass die US-Verteidigungsstrategie China als Hauptgegner betrachtet. Dieser geopolitische Kurswechsel hinterlässt ein Vakuum, das die europäischen Staaten, darunter auch Nicht-NATO-Mitglieder wie die Schweiz, selbst füllen müssen. Die Schweiz kann sich nicht länger auf Stabilität von aussen verlassen, um ihre Grenzen oder Lieferketten zu sichern. Die Zeit, in der Sicherheit ausgelagert wurde, ist vorbei. Die Ära der eigenständigen Verteidigung hat begonnen.

Ressourcen mobilisieren: Die Kosten der Vorsorge

Der Bundesrat und die Kantone müssen nun ein bürokratisches Minenfeld durchqueren, um diesen Auftrag umzusetzen. Zuständigkeiten zu klären, ist nur der erste Schritt. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, das gewaltige Budget zu sichern, das für den Ausbau der medizinischen Versorgung für Kriegsszenarien nötig ist. Dabei geht es nicht nur darum, Verbandsmaterial zu lagern. Erforderlich sind strukturelle Verstärkungen, die Schulung des Personals für Ereignisse mit vielen Verletzten und rechtliche Anpassungen, damit Notfallmassnahmen rascher umgesetzt werden können.

Als Nächstes wird sich der Nationalrat dazu äussern und damit als letzte Instanz über diese wichtige Strategie entscheiden. Wird sie angenommen, bedeutet dies einen historischen Wandel in der Schweizer Innenpolitik: Die Verteidigungslogistik erhält eine Priorität, wie es sie seit dem Kalten Krieg nicht mehr gegeben hat. Die Kosten der Vorsorge werden hoch sein. Doch wie der Ständerat signalisiert hat, wären die Folgen mangelnder Vorbereitung katastrophal. Die Schweiz bemüht sich, ihre Zukunft zu sichern, und erkennt an, dass in einer Welt wachsender Spannungen Sicherheit nur durch Stärke gewährleistet werden kann.