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Swiss Observer

Schweizer Regierung überarbeitet Sparmassnahmen des Bundes

Der Bundesrat senkt die geplanten Ausgabenkürzungen bis 2029 nach Druck der Kantone und politischem Widerstand auf 3,1 Milliarden CHF

Schweizer Regierung überarbeitet Sparmassnahmen des Bundes
AILe News

Der Bundesrat ist offiziell zurückgerudert. In einem entscheidenden Schritt, der die Unbeständigkeit der Schweizer Politik unterstreicht, hat die Regierung ihre ehrgeizigen Sparziele deutlich gesenkt und das Gesamtvolumen der geplanten Kürzungen bis 2029 auf 3,1 Milliarden CHF reduziert. Das ist ein markanter Rückgang gegenüber den ehrgeizigen 3,6 Milliarden CHF, die erst wenige Monate zuvor, im Januar, genannt worden waren. Die Regierung gibt nicht länger den Kurs vor, sondern reagiert auf eine breite Front des Widerstands.

Angesichts des wachsenden Drucks der Kantonsregierungen und einer zersplitterten politischen Landschaft war Bern gezwungen, seine Pläne neu auszurichten. Der Kern des Sparplans bleibt zwar technisch gesehen bestehen, doch die Kürzung um 500 Millionen CHF ist ein deutliches Zugeständnis an die politischen Realitäten. Die Botschaft ist klar: Eine Konsolidierung der Finanzen ist notwendig, doch der ursprüngliche Fahrplan war politisch nicht tragbar. Diese Anpassung ist nicht bloss eine Rundungskorrektur, sondern ein strategischer Rückzug, um das umfassendere Sparpaket zu retten, bevor es unter dem Gewicht der parlamentarischen Prüfung ganz zusammenbricht.

Kantonsprotest zwingt den Bund zum Einlenken

Die Kantone haben einen wichtigen Sieg errungen. Nach heftiger Kritik während des Vernehmlassungsverfahrens hat der Bundesrat mehrere Bestimmungen gelockert, die das empfindliche Gleichgewicht des Schweizer Föderalismus zu stören drohten. Konkret ist die Regierung bei Kürzungen zulasten der Transfers zwischen den Staatsebenen zurückgerudert. Diese hatten bei den Kantonsregierungen grosse Besorgnis ausgelöst, weil sie befürchteten, am Ende für die Sparsamkeit des Bundes aufkommen zu müssen.

Entscheidend ist, dass der Finanzausgleich und die direkten Zahlungen an die Kantone geschützt bleiben. Für die regionalen Finanzhaushalte, die sich auf Einschnitte eingestellt hatten, ist das eine grosse Erleichterung. Der ursprüngliche Vorschlag drohte, die finanzielle Last nach unten zu verlagern, doch die gemeinsame Stimme der Kantone war zu laut, um sie zu überhören. Indem der Bundesrat diese Transfers beibehält, räumt er dem nationalen Zusammenhalt Vorrang vor blosser Bilanzarithmetik ein und erkennt an, dass ein Sparplan, der die Kantone vor den Kopf stösst, von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.

Die Fronten im Rentenstreit verschieben sich

Um einen legislativen Stillstand zu vermeiden, hat die Regierung ihren umstrittenen Plan, die Haushalte der Bundesverwaltung und der AHV zu trennen, vorerst aufgegeben. Dieser einzelne Entscheid senkt die erwarteten Einsparungen um mindestens 100 Millionen CHF, ein hoher Preis für politische Stabilität.

Die Überlegung dahinter ist jedoch nachvollziehbar. Angesichts der parallelen Bemühungen, die Altersvorsorge der Schweiz zu stabilisieren, die bereits komplex genug sind, hat der Bundesrat entschieden, keine weitere Front im Kampf ums Sparen zu eröffnen. Die Entkopplung der Haushalte galt als ein Schritt zu weit und hätte umfassendere Reformen der Altersvorsorge gefährden können. Mit dem Verzicht auf diese Bestimmung versucht die Regierung, die AHV aus der unmittelbaren Spardebatte herauszuhalten und sicherzustellen, dass die politisch heikle Frage der Altersvorsorge nicht das gesamte Paket zur Konsolidierung der Finanzen zu Fall bringt.

Steuer- und Medienkürzungen gestrichen

Der politische Gegenwind hat zu weiteren Rückzügen bei bestimmten heiklen Themen geführt. Vorschläge, die steuerliche Behandlung von Kapitalbezügen aus der beruflichen und privaten Vorsorge (zweite und dritte Säule) zu ändern, wurden vollständig fallen gelassen. Diese Idee stiess auf breite Ablehnung, besonders bei Parteien der Mitte und der politischen Rechten, die darin einen unzulässigen Zugriff auf private Ersparnisse sahen. In diesem Punkt hat die Regierung vollständig kapituliert.

Gleichzeitig kann die Medienlandschaft aufatmen. Der Bundesrat hat beschlossen, die bestehenden Subventionen für regionale und lokale Medien beizubehalten, und vorerst Kürzungen in diesem Bereich abgelehnt. Diese Zugeständnisse zeigen die Grenzen der Macht der Regierung: Wenn sich bestimmte Interessengruppen und politische Blöcke zusammenschliessen, lassen sich selbst die entschlossensten Sparmassnahmen zu Fall bringen. Dass die Subventionen erhalten bleiben, deutet darauf hin, dass die Regierung keinen öffentlichen Aufschrei über den Zugang zu Informationen riskieren will, während sie versucht, ein umfassenderes Kürzungspaket zu vermitteln.

Die Bilanz: ein realistischer Blick auf die Finanzen

Trotz der Rückzieher und Zugeständnisse bleiben die Zahlen beeindruckend hoch. Nach Berücksichtigung dieser Änderungen rechnet die Regierung 2027 weiterhin mit Einsparungen von rund 2,4 Milliarden CHF, die ab 2028 auf knapp 3 Milliarden CHF pro Jahr steigen sollen. Das ist nach wie vor eine umfangreiche Anstrengung zur Konsolidierung der Finanzen und eine der bedeutendsten der jüngeren Schweizer Geschichte.

Die Entwicklung ist jedoch klar: Der Weg zu einem ausgeglichenen Haushalt ist mit politischen Kompromissen gepflastert. Das Programm wurde durch die Realitäten der Schweizer Bundespolitik abgeschwächt und hat sich von einem rücksichtslosen Sparvorhaben zu einem ausgehandelten Kompromiss gewandelt. Während die Debatte weitergeht, steht der Bundesrat vor einer schwierigen Realität: Jeder künftig eingesparte Franken wird einen politischen Kampf erfordern. Die einfachen Kürzungen sind bereits umgesetzt; nun beginnt die mühsame Arbeit bis 2029.