Raumfahrtindustrie
Schweizer Regierung behält Kontrolle über Raumfahrtunternehmen Beyond Gravity
Der Bundesrat schafft einen rechtlichen Rahmen, um das staatliche Eigentum am strategischen Raumfahrttechnologieunternehmen Beyond Gravity zu sichern, und verweist dabei auf Interessen der nationalen Sicherheit.

Die Schweiz hat der Privatisierung endgültig einen Riegel vorgeschoben. In einem entscheidenden Schritt, der in der europäischen Luft- und Raumfahrtbranche nachhallt, arbeitet der Bundesrat nun an einem robusten rechtlichen Rahmen, um das fortdauernde staatliche Eigentum an Beyond Gravity zu gewährleisten. Es handelt sich nicht bloss um eine Unterbrechung des Verkaufsprozesses, sondern um eine vollständige strategische Neuausrichtung. Seit dem 20. Juni 2025 verankert der Bund aktiv den Auftrag, das führende Raumfahrttechnologieunternehmen des Landes fest in öffentlicher Hand zu halten.
Die Zeit der Ungewissheit für das früher als RUAG Space bekannte Unternehmen ist vorbei. Der Bundesrat erarbeitet eine Gesetzgebung, die die Beteiligung des Bundes und das öffentliche Interesse am Unternehmen ausdrücklich festlegt. Dieser Schritt signalisiert einen tiefgreifenden Wandel im Umgang Berns mit Hightech-Vermögenswerten. Beyond Gravity wird nicht mehr einfach als kommerzielles Unternehmen betrachtet, das für den Markt bestimmt ist, sondern als Eckpfeiler des nationalen Interesses verankert. Der Bund macht seinen Anspruch mit beispielloser Klarheit geltend und stellt sicher, dass entscheidende technologische Fähigkeiten direkt der Kontrolle der Eidgenossenschaft unterstehen, statt an den Meistbietenden aus dem Ausland versteigert zu werden.
Verteidigung in den Sternen
Die nationale Sicherheit ist ganz oben auf die Agenda gerückt. Der Bundesrat bezeichnet die Beteiligung an Beyond Gravity ausdrücklich als entscheidende Möglichkeit, ein «breites Spektrum sicherheitspolitischer Interessen» abzudecken. Damit wird deutlich anerkannt, dass sich das moderne Schlachtfeld bis in die Erdumlaufbahn erstreckt. Der Bund kauft nicht einfach Aktien, sondern Sicherheit. Indem die Schweiz die Kontrolle behält, stellt sie sicher, dass ihre Armee vorrangigen Zugang zu hochmodernen Produkten und Dienstleistungen im Bereich Raumfahrttechnologie erhält. In einer zunehmend unberechenbaren Weltlage ist dies eine Notwendigkeit.
Es steht sehr viel auf dem Spiel. Dieser rechtliche Rahmen soll den unabhängigen Zugang zu weltraumgestützten Infrastrukturen und Technologien sichern, die inzwischen als unverzichtbar für die Verteidigungsarchitektur des Landes gelten. Während andere Länder versuchen, sich kommerzielle Verträge zu sichern, integriert die Schweiz ihre Raumfahrtkapazitäten direkt in ihre Sicherheitsdoktrin. Die Botschaft ist klar: Die Abhängigkeit von ausländischen Akteuren bei kritischer Weltrauminfrastruktur ist eine Verwundbarkeit, die die Schweizerische Eidgenossenschaft nicht länger hinnehmen will. Dieser Schritt stärkt die «Festung Schweiz» im 21. Jahrhundert und stellt sicher, dass die Augen und Ohren des Landes im Weltraum uneingeschränkt schweizerisch bleiben.
Das Veto des Parlaments
Die Exekutive setzt einen direkten und nachdrücklichen Auftrag der Legislative um. Die Wende kam am 10. März 2025, als das Parlament eine Motion annahm, die die geplante Privatisierung des Raumfahrtgeschäfts von RUAG International faktisch beendete. Dieser parlamentarische Paukenschlag stoppte den Verkauf umgehend. Die Motion war eindeutig: Der Bundesrat wurde beauftragt, die rechtliche Grundlage zu schaffen, um die Kontrolle über Beyond Gravity zu behalten oder das Unternehmen vollständig in Bundesbesitz zu überführen.
Dieser parlamentarische Eingriff zeigt, wie selten und wirksam sich Sicherheitsbedenken und politischer Wille decken können. Der geplante Verkauf, der im Rahmen einer umfassenderen Aufspaltung von RUAG zur Diskussion stand, wurde von den Parlamentarierinnen und Parlamentariern verworfen. Sie erkannten das unumkehrbare Risiko, die souveräne Kontrolle über einen derart strategischen Vermögenswert zu verlieren. Die aktuellen Schritte des Bundesrates setzen diesen Auftrag direkt um. Die Privatisierung von Beyond Gravity ist nicht bloss aufgeschoben, sondern gesetzgeberisch ausgeschlossen worden. Nun muss der Bund diese politische Absage in verbindliches Bundesrecht überführen, eine komplexe Aufgabe.
Strategische Autonomie sichern
Vor dem Hintergrund globaler Instabilität sichert die Schweiz ihre technologische Zukunft. Mit dem Auftrag, das Unternehmen in Staatsbesitz zu halten, räumt der Bund der langfristigen strategischen Autonomie Vorrang vor kurzfristigem finanziellem Gewinn ein. Beyond Gravity ist eine wichtige Akteurin im europäischen Raumfahrtsektor und liefert wesentliche Komponenten für Trägerraketen und Satelliten. Indem dieses Fachwissen im Schweizer öffentlichen Bereich bleibt, kann das Land ein bedeutender Partner bei internationalen Raumfahrtvorhaben bleiben und gleichzeitig seine eigenen Interessen schützen.
Die Entscheidung spiegelt die wachsende Erkenntnis wider, dass der Weltraum eine kritische Infrastruktur ist, vergleichbar mit Energienetzen oder Verkehrswegen. Der derzeit erarbeitete rechtliche Rahmen dürfte einen Präzedenzfall dafür schaffen, wie die Schweiz künftig mit anderen Technologien mit doppeltem Verwendungszweck umgeht. Angesichts zunehmender globaler Spannungen und der beschleunigten Militarisierung des Weltraums stellt der Schritt des Bundes, Beyond Gravity abzusichern, sicher, dass die Schweiz im Wettlauf ins All nicht bloss Zuschauerin ist, sondern als aktive, unabhängige Teilnehmerin über eigene souveräne Fähigkeiten verfügt.