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Swiss Observer

Prognosen zum Schweizer BIP-Wachstum wegen globaler Handelsspannungen gesenkt

Wirtschaftsexperten senken ihre Prognosen für das Schweizer BIP-Wachstum 2025 und 2026 und verweisen auf internationale Handelskonflikte und Herausforderungen beim Export.

Prognosen zum Schweizer BIP-Wachstum wegen globaler Handelsspannungen gesenkt
AISWI swissinfo.ch

Der wirtschaftliche Optimismus der Schweiz prallt auf eine harte Realität. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat seine Wachstumsprognosen offiziell drastisch gesenkt und damit signalisiert, dass das Land nicht länger vor dem eskalierenden globalen Handelschaos gefeit ist. In einem Schritt, der die Schwere der Lage unterstreicht, senkte das Seco seine Prognose für das Bruttoinlandprodukt (BIP) 2025 auf bescheidene 1,3 Prozent. Damit liegt sie rund zehn Basispunkte unter den bisherigen Schätzungen. Der eigentliche Schock zeigt sich jedoch beim Blick weiter nach vorne: Die Prognose für 2026 wurde massiv auf nur noch 1,2 Prozent gesenkt, ein Rückgang um beachtliche 40 Basispunkte.

Das ist keine geringfügige Anpassung, sondern ein Alarmsignal. Im ersten Quartal des Jahres waren die Exporte in die Vereinigten Staaten zwar stark angestiegen, doch dieser vorübergehende Höchststand weicht nun einer heftigen Korrektur. Die Schweizer Wirtschaft stellt sich auf die Folgen ein, während sich die internationalen Märkte verengen und protektionistische Massnahmen Fuss fassen. Die Botschaft aus Bern ist klar: Die Zeiten mühelosen Wachstums sind vorbei, und die Schweiz muss sich auf eine Phase erheblicher wirtschaftlicher Spannungen einstellen. Die Zahlen sprechen für sich, und derzeit zeigen sie nach unten.

Der Bumerang-Effekt schlägt zu

Fachleute sprechen vom «Bumerang-Effekt», einem heftigen Rückschlag nach einer Phase aggressiver Exporttätigkeit. Die Zürcher KOF Konjunkturforschungsstelle stimmt in den Chor der Besorgten ein und hat ihre eigenen Zahlen an die sich verdüsternde Lage angepasst. Während die KOF ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr unverändert bei 1,4 Prozent belässt, hat sich ihr Ausblick für 2026 rasch eingetrübt. Ihre Fachleute senkten die BIP-Prognose für 2026 von hoffnungsvollen 1,9 Prozent auf ernüchternde 1,5 Prozent.

Diese Diskrepanz zwischen der unmittelbaren Gegenwart und der nahen Zukunft macht deutlich, wie schleichend sich die Krise entwickelt. Die Schweizer Wirtschaft zehrt derzeit noch von früheren Exporterfolgen, insbesondere in die USA, doch dieser Schwung lässt nach. In ihrer saisonalen Publikation hält die KOF ausdrücklich fest, dass sich das internationale Handelsumfeld schneller verschlechtert als erwartet. Wir erleben eine verzögerte Reaktion, bei der die Folgen globaler Instabilität nun endlich spürbar werden. Die Widerstandsfähigkeit der Schweizer Industrie wird auf die Probe gestellt, und die Daten deuten darauf hin, dass der Puffer, der die Binnenwirtschaft schützt, gefährlich dünn wird.

Zollkrieg erschüttert die Stabilität

Im Zentrum dieser wirtschaftlichen Abwärtskorrektur steht ein heftiger internationaler Handelskrieg, der sich als weit intensiver erweist, als irgendjemand im Frühling vorausgesagt hatte. Wissenschaftliche Fachleute und Bundesökonomen rechnen nun mit Szenarien, die auf einer einschneidenden Annahme beruhen: einem pauschalen Zoll von 10 Prozent auf die grosse Mehrheit der Importe in die Vereinigten Staaten. Zwar scheint die Pharmabranche, ein Schwergewicht der Schweizer Industrie, vorerst ausgenommen zu sein, doch der übrige Exportsektor muss mit erheblichen Strafkosten rechnen.

«Der internationale Handelskrieg erweist sich als noch intensiver als prognostiziert», erklärten KOF-Analysten und betonten, dass die Wirtschaftsprognosen dadurch erheblich gestört würden. Es geht nicht nur um Marktschwankungen, sondern um strukturelle Hürden, die Schweizer Waren in den Weg gestellt werden. Die Annahme anhaltender Zölle von 10 Prozent schafft ein feindliches Umfeld für Schweizer Hersteller, die auf einen offenen Zugang zu den amerikanischen Märkten angewiesen sind. Diese geopolitischen Spannungen bremsen das Wachstum und zwingen Unternehmen, nach neuen Strategien zu suchen, während Politikerinnen und Politiker versuchen, die tatsächlichen Kosten dieser neuen protektionistischen Ära zu berechnen. Der Handelskrieg ist keine blosse Drohung mehr, sondern belastet den Wohlstand des Landes bereits aktiv.

Ein unsicherer Ausblick auf 2026

Dunkle Wolken ziehen auf, und 2026 zeichnet sich als das Jahr ab, in dem der Sturm losbricht. Da sowohl das Seco als auch die KOF einen pessimistischen Kurs einschlagen, ist der Konsens eindeutig: Der Schweiz steht eine kritische Abschwächung bevor. Die Senkung der Prognosen um bis zu 40 Basispunkte ist nicht bloss eine statistische Korrektur, sondern ein Zeichen dafür, dass die externen Schocks von 2025 tiefe Spuren in der Wirtschaft des Jahres 2026 hinterlassen werden.

Für die Bevölkerung der Schweiz bedeutet dies Unsicherheit. Der «Bumerang-Effekt» der Abhängigkeit vom Handel und die Verschärfung der Zollkriege bedrohen die Stabilität, die oft als selbstverständlich gilt. Während sich die globalen Mächte in einem heftigeren als erwarteten Handelskrieg gegenüberstehen, gerät die Schweiz, ein Land, dessen Stärke auf herausragenden Exporten beruht, ins Kreuzfeuer. Die kommenden Jahre werden Schweizer Unternehmen aussergewöhnliche Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit abverlangen. Die Prognosen wurden gesenkt, die Warnungen ausgesprochen, und nun muss das Land eine Weltwirtschaft meistern, die dem offenen Handel zunehmend feindlich gegenübersteht.