Wirtschaft
Treibstoffpreise in der Schweiz steigen, Konflikt im Nahen Osten belastet die Wirtschaft
Die Treibstoffpreise in der Schweiz sind stark gestiegen. Seit Beginn des Kriegs im Iran ist Benzin um 20 Rappen pro Liter teurer geworden. Der Konflikt gilt zudem als wichtiger Faktor für den deutlichen Rückgang des UBS-CFA-Indikators, der auf einen pessimistischen Ausblick für die nächsten sechs Monate hindeutet.

Seit Ausbruch des Kriegs im Iran sind die Benzinpreise für Schweizer Autofahrerinnen und Autofahrer um beachtliche 20 Rappen gestiegen. Jeder Tankstellenbesuch wird damit zur finanziellen Belastung. Innerhalb von nur sieben Tagen verteuerte sich bleifreies Benzin 95 um weitere 5 Rappen auf 1.87 Franken pro Liter. Besonders stark trifft es jedoch die Logistikbranche: Diesel ist seit Beginn des Konflikts um satte 40 Rappen teurer geworden und kostet jetzt im Durchschnitt 2.19 Franken pro Liter. Diese Zahlen des Touring Club Schweiz (TCS) verdeutlichen, wie rasch die Kaufkraft schwindet. Ein derart schneller Anstieg war in den vergangenen Monaten beispiellos. Pendlerinnen und Pendler sowie Unternehmen müssen sich damit abfinden, dass die Treibstoffkosten keine stabile Budgetposition mehr sind, sondern zu einem unberechenbaren Risiko werden. Während der Nahe Osten in Flammen steht, sind die Auswirkungen auf Schweizer Strassen unmittelbar spürbar. Das zeigt, dass selbst ein Binnenstaat in den Alpen seine Bevölkerung nicht vor den harten Mechanismen der globalen Geopolitik abschirmen kann.
Konjunkturstimmung stürzt in den negativen Bereich
Die Konjunkturaussichten für die Schweiz haben einen dramatischen Einbruch erlitten: Der UBS-CFA-Indikator stürzte von hoffnungsvollen +9.8 Punkten im Februar auf ernüchternde -35.0 Punkte im März ab. Dieser drastische Rückgang signalisiert einen stark pessimistischen Ausblick für die nächsten sechs Monate. Finanzexpertinnen und Finanzexperten reagieren damit auf die geopolitische Instabilität im Nahen Osten. Der Anteil der Optimisten hat sich halbiert, während sich der Anteil der Pessimisten auf 45 Prozent fast vervierfacht hat. Das ist keine geringfügige Korrektur, sondern ein Stimmungsschock, vergleichbar mit den Zollkrisen des vergangenen Jahres. Analystinnen und Analysten schlagen Alarm: Die Stabilität, die den Schweizer Markt auszeichnet, wird durch äussere Kräfte auf die Probe gestellt, auf die er keinen Einfluss hat. Fast die Hälfte der Befragten hofft zwar weiterhin auf einen Stillstand, doch die Tendenz zeigt eindeutig nach unten. Die Krise im Nahen Osten ist keine ferne Schlagzeile mehr, sondern der wichtigste Faktor, der die Schweizer Konjunkturerwartungen belastet.
Inflationsängste erfassen den Finanzsektor
Die Inflationserwartungen in der Schweiz haben sich stark verändert: 55 Prozent der Analystinnen und Analysten rechnen inzwischen mit einer Beschleunigung des Preiswachstums. Vor einem Monat waren es gerade einmal 15 Prozent. Der Auslöser ist klar: der stark gestiegene Ölpreis. Zwar hofft die Mehrheit der Fachleute weiterhin auf eine Normalisierung des Brent-Ölpreises auf 70 bis 90 Dollar pro Barrel, doch die «Aufwärtsrisiken» lassen sich immer weniger ignorieren. Die UBS warnt vor einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent, dass der Ölpreis auf 90 bis 100 Dollar steigt, und einer Wahrscheinlichkeit von 12 Prozent, dass er die Marke von 100 Dollar überschreitet. Dieser Inflationsdruck droht auf sämtliche Bereiche der Schweizer Wirtschaft überzugreifen, von den Lebensmittelregalen bis zu den Produktionskosten. Der Kampf der Schweizerischen Nationalbank um Preisstabilität tritt in eine kritische neue Phase, während eine durch Energiepreise angetriebene Inflation wie ein Schatten über der Eidgenossenschaft liegt. Der Konsens bröckelt, und die Zeit der Gewissheit niedriger Inflation ist einer riskanten Wette auf die Stabilität der globalen Ölversorgung gewichen.
Festung Schweiz: Strategische Reserven sichern die Versorgung
Trotz der Turbulenzen an den Märkten ist die physische Versorgung der Schweiz weiterhin äusserst robust. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) hat eine klare Zusicherung abgegeben: «Die Versorgung der Schweiz mit Erdölprodukten ist derzeit gesichert.» Diese Zuversicht stützt sich auf ein umfangreiches strategisches Sicherheitsnetz. Die Pflichtlager privater Unternehmen müssen den nationalen Treibstoffbedarf für viereinhalb Monate und den Bedarf der Luftfahrt für drei Monate decken können. Während Irans Blockade der Strasse von Hormus den weltweiten Transit beeinträchtigt, hat sich die Schweiz verstärkt US-Öl zugewandt, um ihren Bedarf an fossilen Brennstoffen zu decken. Die Botschaft aus Bern ist klar: Die Preise mögen schmerzen, doch die Versorgung wird nicht versiegen. Diese Reserven sind die ultimative Absicherung gegen geopolitische Erpressung. Die Schweiz steht vor einer teureren Zukunft, tut dies aber aus einer Position logistischer Stärke. So bleiben die Räder der Schweizer Wirtschaft in Bewegung, auch wenn diese Bewegung noch nie so teuer war.