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Swiss Observer

Schweizer und französische Militäreinheiten führen gemeinsame Übungen durch

Gepanzerte Einheiten und Artillerieeinheiten beider Länder trainieren bis November gemeinsam in der Schweiz. Damit wird die Verteidigungszusammenarbeit verstärkt.

Schweizer und französische Militäreinheiten führen gemeinsame Übungen durch
AISWI swissinfo.ch

Die französische Militärpräsenz ist offiziell auf Schweizer Boden angekommen. In einem entschlossenen Schritt zur Stärkung der nationalen Sicherheit trafen Ende März Angehörige der französischen Streitkräfte im militärischen Ausbildungszentrum in Genf ein und leiteten damit eine intensive, achtmonatige gemeinsame Operation ein. Es handelt sich nicht bloss um einen zeremoniellen Besuch. Vielmehr ist es eine entscheidende Verstärkung der Verteidigungsbereitschaft: Gepanzerte Einheiten und Artillerieeinheiten beider Länder bereiten sich darauf vor, ihre Fähigkeiten in realitätsnahen Szenarien zusammenzuführen.

Der Zeitpunkt ist entscheidend. Während geopolitische Instabilität den Kontinent erschüttert, wendet sich die Schweiz von isolationistischen Gewohnheiten ab und setzt auf pragmatische Stärke. Die Gruppe Verteidigung der Bundesverwaltung hat bestätigt, dass die bis November dauernden Übungen die Grenzen der Verteidigungsfähigkeit der Schweizer Armee erproben sollen. Indem sie französische schwere Panzer einbezieht, signalisiert die Schweizer Armee ein starkes Engagement für die Modernisierung ihres taktischen Vorgehens. So soll sichergestellt werden, dass eine allfällige Reaktion rasch, koordiniert und schlagkräftig erfolgt, falls ein Konflikt jemals über die Alpen greift.

Interoperabilität unter Beschuss schaffen

Die moderne Kriegsführung erfordert eine nahtlose Kommunikation, und die Schweizer Armee macht sich unverzüglich daran, die Lücke zu schliessen. Das Hauptziel dieses umfangreichen Vorhabens sei ein «reibungsloser Informationsaustausch sowie eine vernetzte Führung und Kontrolle», so Verteidigungsvertreter. In der Hitze des Gefechts kosten inkompatible Systeme Menschenleben. Diese Übungen sollen dem entgegenwirken.

Es steht viel auf dem Spiel. Die Ausbildung schreibt vor, dass die Schweizer Truppen strikt nach internationalen Standards operieren. Diese Angleichung ermöglicht es dem Schweizer Militär, strukturell flexibel zu bleiben und sich bei Bedarf sofort in breitere internationale Koalitionen einzubringen. Während Kritiker die Neutralität oft als Hindernis anführen, vertritt die Gruppe Verteidigung die gegenteilige Auffassung: Echte Neutralität erfordere die Stärke, die eigenen Grenzen zu verteidigen, und im Jahr 2025 werde diese Stärke durch Interoperabilität geschaffen. Das Ziel ist klar: eine geschlossene Front zu bilden, in der Schweizer und französische Kommandanten unter Druck dieselbe taktische Sprache sprechen können.

Von Genf bis zu den Gletschern

Das Einsatzgebiet dieser Übungen umfasst einige der anspruchsvollsten Gelände, die die Schweiz zu bieten hat. Nach dem ersten Einsatz in Genf nimmt die Intensität im Mai mit gemeinsamen Schiessübungen auf dem anspruchsvollen Schiessplatz Hinterrhein in Graubünden und dem Übungsgelände Wichlen im Kanton Glarus zu. Das sind keine ebenen Exerzierplätze, sondern raues alpines Gelände, das Mensch und Maschine bis an die Belastungsgrenze bringt.

Die Übungen werden im Herbst fortgesetzt. Wenn die Temperaturen sinken, steigen die Anforderungen: Weitere Manöver sind für Oktober und November geplant. Sie finden erneut auf dem Schiessplatz Hinterrhein statt und werden auf den Simplonpass im Wallis ausgeweitet. Durch diese geografische Streuung werden die gemeinsamen Streitkräfte in unterschiedlichem Gelände erprobt, von städtischen Zentren bis zu hoch gelegenen Pässen. Indem sie die französische und die Schweizer Artillerie gleichzeitig diesen harten Bedingungen aussetzt, zeigt die Armee, dass die Zusammenarbeit nicht nur theoretisch ist: Sie ist einsatzbereit, robust und für den Einsatz in den Bergen gerüstet.

Neutralität in einem polarisierten Europa

Diese Zunahme der militärischen Aktivitäten stützt sich auf das bilaterale Abkommen über die militärische Ausbildung von 2021, das nun konkrete Früchte trägt. Seit der Unterzeichnung hat sich der Kontext jedoch stark verändert. Politische Stimmen aus dem gesamten Spektrum und sogar der Druck von aussen durch Persönlichkeiten wie Donald Trump drängen die Schweiz zu engeren Verteidigungsbeziehungen. Die Übungen bewegen sich damit auf einem schmalen Grat zwischen traditioneller Neutralität und notwendiger Allianz.

Die Bundesverwaltung betont nachdrücklich: Es handelt sich um Zusammenarbeit, nicht um Unterwerfung. Die Übungen ermöglichen es der Schweiz, ihre souveräne Neutralität zu wahren und gleichzeitig sicherzustellen, dass sie in einer vernetzten Welt nicht wehrlos dasteht. Indem sich die Schweiz proaktiv mit dem französischen Militär austauscht, legt sie ihre eigenen Sicherheitsbedingungen fest, statt abzuwarten, bis eine Krise diese diktiert. Wenn die Artillerie im November am Simplonpass widerhallt, wird sie eine klare Botschaft verkünden: Die Schweizer Neutralität ist bewaffnet, ausgebildet und international vernetzt.