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Swiss Observer

Mitarbeitende des Schweizer Aussendepartements protestieren in internem Brief gegen Gaza-Politik

Rund 250 Mitarbeitende des Schweizer Aussendepartements und Diplomatinnen und Diplomaten unterzeichnen einen internen Brief, in dem sie die Haltung von Aussenminister Cassis zu Gaza infrage stellen. Dies offenbart erhebliche interne Spannungen.

Mitarbeitende des Schweizer Aussendepartements protestieren in internem Brief gegen Gaza-Politik
AISWI swissinfo.ch

In einem aussergewöhnlichen Zeichen des internen Widerspruchs haben rund 250 Mitarbeitende des Schweizer Aussendepartements sowie Diplomatinnen und Diplomaten einen Brief unterzeichnet, in dem sie die Haltung von Aussenminister Ignazio Cassis zum Gaza-Konflikt infrage stellen. Dieser beispiellose Schritt innerhalb des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) stellt einen der grössten koordinierten Proteste von Schweizer Diplomatinnen und Diplomaten in jüngerer Zeit dar. Zu den Unterzeichnenden gehören sowohl aktive Bundesangestellte als auch pensionierte Diplomatinnen und Diplomaten. Dies verdeutlicht, wie breit die Besorgnis im diplomatischen Korps geteilt wird.

Zentrale Bedenken und Forderungen

Der interne Brief bringt tiefe Besorgnis über die Haltung des Ministers zum Gaza-Konflikt zum Ausdruck, insbesondere im Hinblick auf die israelischen Militäroperationen. Mitarbeitende haben ihre Bestürzung über das Ausmass der Gewalt und der Zerstörung geäussert und eine deutlichere Verurteilung dessen gefordert, was sie als «wahllose und unverhältnismässige Operationen» bezeichnen. Mehrere anonyme Quellen im Departement haben sich bestürzt über Cassis' öffentliche Äusserungen gezeigt. Eine Person sagte, sie hätte «nicht gedacht, dass er so weit gehen und die Argumente zugunsten der israelischen Regierung wiederholen würde». Die beispiellose interne Kritik hat ein solches Ausmass erreicht, dass einige Mitarbeitende Berichten zufolge erwägen, den Rücktritt des Ministers zu fordern.

Offizielle Reaktion und Auswirkungen

Der Kommunikationschef des EDA, Nicolas Bideau, hat den Eingang des Protestbriefs offiziell bestätigt und mitgeteilt, dass in den kommenden Tagen eine Antwort folgen werde. Die Situation hat im Departement erhebliche Spannungen ausgelöst und könnte sich auf die diplomatischen Tätigkeiten der Schweiz sowie auf ihre traditionelle Rolle als neutrale Vermittlerin in internationalen Konflikten auswirken. Das öffentliche Bekanntwerden dieses internen Widerspruchs wirft zudem Fragen zum Zusammenhalt bei der Umsetzung der Schweizer Aussenpolitik auf.

Schweizer diplomatische Tradition

Der ehemalige Botschafter Jean-Hubert Lebet, einer der Unterzeichnenden des Briefs, betonte, der Protest spiegle zentrale Werte der Schweizer Diplomatie wider. Er hob das langjährige Engagement der Schweiz für die Menschenrechte, die Genfer Konventionen und das Völkerrecht hervor. Die aktuelle Situation hat eine deutliche Kluft zwischen diesen traditionellen Grundsätzen und der gegenwärtigen Haltung des Ministers geschaffen. Diese Spannung unterstreicht die umfassendere Herausforderung, die historische diplomatische Rolle der Schweiz zu bewahren und zugleich auf komplexe internationale Konflikte zu reagieren.