Cybersicherheit
Cyberangriff auf das Informatikamt des Bundes: 200 Konten kompromittiert
Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) hat nach einem Cyberangriff, bei dem Software-Schwachstellen ausgenutzt und rund 200 Benutzerkonten kompromittiert wurden, den externen Internetzugriff auf seine SharePoint-Server gesperrt.

Die digitale Festung der Schweiz wurde durchbrochen. In einem schweren Schlag gegen die Sicherheit der nationalen Verwaltung sah sich das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) gezwungen, den gesamten externen Internetzugriff auf seine SharePoint-Server zu sperren. Diese drastische «Notausschaltung» folgt auf einen ausgeklügelten Cyberangriff, der die Regierung vor die Frage stellt, wie sicher ihre internen Zusammenarbeitsnetzwerke sind. Bundesangestellte können weiterhin intern auf Dokumente zugreifen, doch die Aussenwelt und potenzielle Angreifer sind vollständig vom System ausgeschlossen. Das ist keine einfache technische Störung, sondern eine Abwehrmassnahme mit hohem Einsatz gegen einen unbekannten Gegner. Das BIT betreibt diese Server in den hochsicheren Rechenzentren der eigenen Verwaltung. Doch selbst diese heimischen Bastionen erwiesen sich als verwundbar. Seit heute werden die Server vollständig neu installiert, was die Schwere des Angriffs unterstreicht. Die Botschaft ist klar: Die digitale Peripherie der Schweiz steht unter ständiger, aggressiver Beobachtung, und den Angreifern ist es gelungen, einzudringen.
Die Lücke ausgenutzt: Die SharePoint-Schwachstelle
Bei Cyberangriffen kommt es auf das richtige Timing an, und die Angreifer schlugen mit chirurgischer Präzision zu. Der Angriff nutzte gezielt Schwachstellen in Microsofts SharePoint-Software aus, die der Hersteller erst Mitte Juli entdeckt hatte. Obwohl das BIT umgehend Sicherheitspatches einspielte, waren die Angreifer schneller, als die Verwaltung ihre Systeme aktualisieren konnte. Das zeigt eine kritische «Patch-Lücke», durch die staatliche Systeme selbst dann noch verwundbar bleiben, wenn eine Bedrohung bereits bekannt ist. Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) und Microsoft-Experten arbeiten nun rund um die Uhr daran, die Spuren des Angriffs zurückzuverfolgen. Das BIT betont zwar, dass auf diesen Plattformen keine «vertraulichen Informationen» oder «sensiblen Personendaten» gespeichert sind. Der Angriff auf ein zentrales Werkzeug für Zusammenarbeit, Dateiablage und Administration wirft jedoch alarmierende Fragen zur Integrität der Arbeitsabläufe des Bundes auf. Die Schwachstelle lag nicht nur im Code, sondern auch im Zeitfenster zwischen der Entdeckung des Fehlers und dem Abschluss der Abwehrmassnahmen.
Krise um 200 Konten: Das Ausmass des Schadens
Bei diesem einzelnen Vorfall wurden erschreckende 200 Benutzer- und technische Konten kompromittiert. Am 31. Juli stellten forensische Analysten fest, dass die Angreifer die Zugangsdaten für diese Konten abgegriffen hatten. Das BIT reagierte sofort und setzte die Passwörter zurück, doch das Vertrauen in das Netzwerk ist erheblich beschädigt. Die Behörden erklären, es gebe «keine Hinweise» auf einen weiteren Datenabfluss. Die Untersuchung läuft jedoch weiter und entwickelt sich laufend. Zum Vergleich: Beim Angriff auf den Rüstungskonzern Ruag im Jahr 2025 gelang es der Hackergruppe Akira, Daten für eine Lösegeldforderung zurückzuhalten. In diesem Fall zahlte das Unternehmen im Besitz des Bundes den Erpressern schliesslich Lösegeld, was einen gefährlichen Präzedenzfall schuf. Beim aktuellen Angriff auf SharePoint liegt der Schwerpunkt auf der Eindämmung und dem vollständigen Wiederaufbau des Systems. Die hohe Zahl von 200 kompromittierten Konten deutet auf einen breiten Versuch hin, in das digitale Ökosystem der Bundesverwaltung einzudringen und möglicherweise einen Weg zu noch sensibleren Systemen zu finden.
Eine Nation in Gefahr: Der eskalierende Cyberkrieg
Die Schweiz ist mit nahezu einem Angriff pro Tag auf ihre kritische Infrastruktur konfrontiert. Allein im vergangenen Jahr registrierte das NCSC 325 Angriffe auf wichtige Systeme. Auf die öffentliche Verwaltung, also Bund, Kantone und Gemeinden, entfiel ein Viertel dieser Meldungen. Die Bundesverwaltung selbst wurde im vergangenen Jahr 28-mal angegriffen. Das zeigt, dass die Neutralität des Schweizer Staates im digitalen Raum keinen Schutz bietet. Dieser jüngste Angriff auf SharePoint ist ein Weckruf für ein Land, das stolz auf seine Sicherheit und Diskretion ist. Während das BIT daran arbeitet, seine Server wieder in Betrieb zu nehmen, ist die weiterreichende Bedeutung unübersehbar: Häufigkeit und Raffinesse dieser Angriffe nehmen stark zu. Die Schweiz muss sich nun der Realität stellen, dass ihr administratives Rückgrat ein vorrangiges Ziel globaler Cyberangreifer ist. Die Server von Grund auf neu zu installieren, ist ein notwendiges, wenn auch kostspieliges Eingeständnis: In der modernen Welt ist vollständige Abschottung manchmal der einzige Weg, um umfassende Sicherheit zu gewährleisten. Die digitale Grenze ist die neue Frontlinie der Schweizer Souveränität.