Wirtschaft
Schweizer Wirtschaftsausblick verschlechtert sich deutlich, KOF-Barometer stürzt ab
Das KOF-Konjunkturbarometer für die Schweiz ist im März deutlich gesunken und liegt nun klar unter seinem langfristigen Durchschnitt. Die Verlangsamung scheint breit abgestützt zu sein. Besonders düster ist der Ausblick bei den Indikatoren für die Industrie und die ausländische Nachfrage.

Die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit der Schweiz steht vor ihrer härtesten Bewährungsprobe seit den Zollschocks von 2025. Das KOF-Konjunkturbarometer, der verlässlichste Frühindikator des Landes, ist um beachtliche 7,7 Punkte auf ernüchternde 96,1 Punkte eingebrochen. Dieser Absturz lässt den Wert nicht bloss leicht sinken, sondern deutlich unter den kritischen langfristigen Durchschnitt von 100 fallen. Für ein Land, das stolz auf seine Stabilität ist, signalisiert dieser plötzliche Rückgang einen dramatischen Umschwung der wirtschaftlichen Aussichten. Die Daten deuten darauf hin, dass die «Schweizer Festung» nicht mehr immun gegen die globale Abkühlung ist: Das Barometer spiegelt eine breit abgestützte Verlangsamung wider, die an der ETH Zürich und darüber hinaus für Unruhe sorgt. Das ist keine geringfügige Korrektur, sondern ein deutlicher Alarm für alle Beteiligten auf dem Schweizer Markt. Die Geschwindigkeit des Rückgangs, fast 8 Punkte in einem einzigen Monat, unterstreicht eine Volatilität, wie wir sie seit Jahren nicht erlebt haben. Während das Barometer sinkt, rückt statt des Wachstums der Erhalt des Erreichten in den Vordergrund. Unternehmen in der ganzen Eidgenossenschaft stellen sich auf einen härteren, entbehrungsreicheren Frühling ein.
Industrie und Exportnachfrage brechen ein
Das industrielle Herz der Schweiz gerät unter Druck: Die Indikatoren für die Industrie und die ausländische Nachfrage sind im jüngsten Bericht stark zurückgefallen. Laut dem KOF-Institut verlangsamt sich die Wirtschaft breit abgestützt, doch die Industrie trägt die Hauptlast. Die ausländische Nachfrage, einst der verlässliche Treibstoff der Schweizer Exportwirtschaft, hat deutlich nachgelassen. Die Folge sind volle Lager und leere Auftragsbücher. Dieser Rückgang einzelner Branchen ist besonders alarmierend, weil er genau jene Bereiche trifft, die für die weltweite Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz stehen. Lässt die ausländische Nachfrage nach, wirkt sich das sofort auf die gesamte Lieferkette aus, von der Präzisionsmechanik im Jura bis zu den Chemieexporten in Basel. Die Indikatoren auf der Produktionsseite stehen auf Rot. Sie zeichnen einen düsteren Ausblick, der darauf hindeutet, dass in den Fabriken bald weniger Schichten gefahren werden könnten. Das ist nicht bloss ein statistischer Rückgang, sondern eine unmittelbare Bedrohung für die Marke «Made in Switzerland», die auf einen stetigen internationalen Handelsfluss angewiesen ist. Der Gegensatz zwischen dem Optimismus des vergangenen Jahres und der heutigen industriellen Stagnation könnte kaum grösser sein.
Expertenprognosen scheitern an der Realität
Die jüngsten Daten haben in der Finanzwelt für grosses Aufsehen gesorgt und die führenden Ökonominnen und Ökonomen des Landes völlig überrascht. Vor der Veröffentlichung zeigte eine Umfrage der Nachrichtenagentur AWP, dass Fachleute mit Zuversicht einen Wert zwischen 100 und 104 Punkten erwarteten. Stattdessen hat der tatsächliche Wert von 96,1 Punkten ihre Prognosen zunichtegemacht. Diese grosse Abweichung, fast 8 Punkte gegenüber den höchsten Schätzungen, zeigt, dass die Fragilität der aktuellen Wirtschaftslage grundlegend falsch eingeschätzt wurde. Während Analystinnen und Analysten auf Stabilität setzten, offenbarte das KOF-Barometer eine strukturelle Abschwächung, mit der nur wenige gerechnet hatten. Diese «Erwartungslücke» ist mehr als ein akademisches Versagen: Sie deutet darauf hin, dass sich der Markt auf einen überholten Optimismus verlassen hat. Zuletzt wurde die Marke von 100 Punkten mit einer solchen Deutlichkeit während der Zollschocks Ende 2025 unterschritten. Das zeigt, dass die aktuelle Krise eine ähnlich grosse historische Bedeutung hat. Wenn sich der Staub gelegt hat, muss sich die Finanzbranche nun damit auseinandersetzen, dass die versprochene Erholung einer deutlichen, breit abgestützten Flaute gewichen ist.
Den neuen wirtschaftlichen Gegenwind bewältigen
Die Schweiz steht nun an einem kritischen Wendepunkt. Politik und Privatwirtschaft müssen sich abstimmen, um einen stärkeren Abschwung zu verhindern. Das KOF-Konjunkturbarometer ist ein zusammengesetzter Frühindikator. Es zeigt also nicht nur, wo wir stehen, sondern auch, wohin die Entwicklung führt. Und derzeit führt der Weg in ein Tal der Unsicherheit. Da die Indikatoren sowohl auf der Produktions- als auch auf der Nachfrageseite ein gleichermassen düsteres Bild zeigen, werden die Schweizerische Nationalbank und die Bundesbehörden unter erheblichem Druck stehen, zu reagieren. Der Schatten des Zollschocks von 2025 ist gross und erinnert daran, dass äussere Belastungen die inländische Stabilität rasch erschüttern können. Für die durchschnittliche Schweizerin und den durchschnittlichen Schweizer könnte sich der Abschwung bald in strengeren Kreditbedingungen, einem langsameren Lohnwachstum und einem vorsichtigeren Arbeitsmarkt niederschlagen. Die Schweiz hat jedoch eine lange Geschichte darin, solche Krisen zum Auslöser für Innovationen zu machen. Die unmittelbare Zukunft wird davon abhängen, wie rasch die Industrie umsteuern kann und wie wirksam die Schweiz die Nachfrage in einem sich abkühlenden globalen Umfeld anzukurbeln vermag. Das Barometer hat gesprochen: Das einfache Wachstum ist vorbei, und die Zeit der wirtschaftlichen Ausdauer hat begonnen.