Diplomatie
Schweizer diplomatische Mission reduziert Präsenz in Teheran angesichts zunehmender Spannungen
Fünf Schweizer Diplomaten verlassen Teheran, während sie angesichts der Eskalation des regionalen Konflikts weiterhin das wichtige Schutzmachtmandat für die US-Interessen wahrnehmen.

Während der Krieg zwischen Israel und dem Iran in seinen sechsten turbulenten Tag geht, hat die Schweiz entschlossene Massnahmen zum Schutz ihres Personals ergriffen. Angesichts der sich rasch verschlechternden Sicherheitslage haben fünf Schweizer Diplomaten und ihre Familien am Dienstag Teheran auf dem Landweg verlassen. Das ist keine Übung, sondern der gezielte Rückzug nicht essenziellen Personals angesichts einer der gefährlichsten regionalen Eskalationen der jüngeren Geschichte.
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte die Abreise. Damit signalisierte es, dass die diplomatische Tür zwar offen bleibt, die Sicherheitslage für Familien und nicht operativ tätiges Personal aber ein kritisches Mass erreicht hat. Die fünf versetzbaren Mitarbeitenden fanden aus eigener Kraft aus der iranischen Hauptstadt hinaus, ein Beleg für die Dringlichkeit der Lage. Während die Mission ihre Präsenz reduziert, verschärft sich der Konflikt: Aus Wohngebieten Teherans wurden Luftangriffe gemeldet. Diese teilweise Evakuierung verdeutlicht den heiklen Balanceakt, den die Schweiz vollziehen muss: die Sicherheit ihrer Gesandten gewährleisten und zugleich ihre historische Rolle als neutrale Vermittlerin in einer von Konflikten erschütterten Region wahrnehmen.
Die entscheidende Verbindung: Washingtons Lebensader bleibt offen
Trotz der Evakuierung gibt die Schweiz ihren Posten nicht auf. Dafür steht zu viel auf dem Spiel. Im Zentrum dieses diplomatischen Sturms steht das wichtige Mandat der Schweiz als Schutzmacht der Vereinigten Staaten im Iran, eine Lebensader, die derzeit stark beansprucht wird. Nicolas Bideau, Kommunikationschef des EDA, bestätigte nachdrücklich: Der Kanal ist nicht nur offen, sondern aktiv.
«Ich kann Ihnen sagen, dass er von beiden Seiten genutzt wird», erklärte Bideau und räumte damit Zweifel an der Bedeutung der Schweizer Neutralität im Jahr 2025 aus. Das ist Diplomatie unter Hochspannung. Da zwischen Teheran und Washington keine direkten Beziehungen bestehen, bleibt die Schweizer Botschaft der einzige Kanal für Botschaften zur Deeskalation zwischen den beiden Gegnern. Weniger Personal bedeutet nicht weniger Verantwortung. Im Gegenteil: Der Druck auf das verbliebene Team ist enorm gestiegen. Die Aufrechterhaltung dieses Kanals ist für die globale Sicherheit von entscheidender Bedeutung. Er bildet die schmale Grenze, die während der laufenden Kriegshandlungen einen vollständigen diplomatischen Abbruch zwischen den USA und dem Iran verhindert.
Standhaft vor Ort: Botschafterin Olivieri hält die Stellung
Als Zeichen entschlossener Führung bleibt die Schweizer Botschafterin Nadine Olivieri vor Ort. Während andere evakuiert werden, bleibt sie in Teheran und leitet die Schweizer Diplomatie an vorderster Front. «Die Schweizer Botschafterin Nadine Olivieri ist noch in Teheran; sie leitet die Schweizer Diplomatie im Iran», bestätigte das EDA. Ihre Anwesenheit sendet eine klare Botschaft der Standhaftigkeit und des Engagements für die diplomatische Mission.
Sie wird von einem kleinen, unverzichtbaren Team unterstützt. Derzeit setzen sieben versetzbare Mitarbeitende und 23 lokale Angestellte ihre Arbeit in der Botschaft fort. Damit unterscheiden sie sich deutlich vom «nicht aktiven» Personal, das in Sicherheit gebracht wurde. Dieses Kernteam arbeitet nun unter enormem Druck und muss sowohl das Schutzmachtmandat als auch die Sicherheit der Mission gewährleisten. Der Entscheid, die Botschafterin und wichtige Mitarbeitende vor Ort zu belassen, unterstreicht, wie ernst die Schweiz ihre internationalen Verpflichtungen nimmt. Sie weigert sich, ihren Betrieb vollständig einzustellen, obwohl über der Hauptstadt die Luftschutzsirenen heulen.
Auswirkungen in der Region: Schweizerinnen und Schweizer suchen Sicherheit
Die Auswirkungen des Konflikts beschränken sich nicht auf Teheran. Die instabile Lage hat bei Schweizer Staatsangehörigen in der gesamten Region eine verzweifelte Suche nach Ausreisemöglichkeiten ausgelöst. Das EDA befasst sich derzeit mit einer enormen Zahl von 130 Gesuchen von Bürgerinnen und Bürgern, die Israel oder den Iran verlassen möchten. Der Anstieg der Ausreisegesuche macht die menschlichen Kosten der diplomatischen Krise sichtbar.
In Tel Aviv ist die Lage ähnlich angespannt wie in Teheran. Auch dort hat die Schweizer Vertretung Abreisen verzeichnet: Am Dienstag wurden zwei mitreisende Familienangehörige auf dem Landweg evakuiert. In der Vertretung in Tel Aviv arbeiten weiterhin sieben versetzbare Mitarbeitende und 18 lokale Angestellte, ähnlich wie das Rumpfteam im Iran. Mit der Verschärfung des Konflikts wächst der Druck auf Bern, die sichere Ausreise seiner Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten. Da der kommerzielle Reiseverkehr beeinträchtigt und die Sicherheitslage unbeständig ist, steht die Schweizer Regierung vor einer erheblichen logistischen und humanitären Herausforderung.