Demografie
Auslandschweizer-Gemeinschaft wächst 2024 auf Rekordstand von 826'700
Die Zahl der im Ausland lebenden Schweizerinnen und Schweizer ist im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent gestiegen. Drei Viertel besitzen mehrere Staatsangehörigkeiten. Frankreich bleibt mit 212'100 Schweizer Einwohnerinnen und Einwohnern das wichtigste Zielland.

Die «Fünfte Schweiz» ist längst nicht mehr nur ein Konzept, sie ist eine demografische Kraft, die immer neue Rekorde aufstellt. 2024 erreichte die Zahl der im Ausland lebenden Schweizerinnen und Schweizer einen noch nie dagewesenen Stand von 826'700. Das entspricht einem deutlichen Anstieg von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und bestätigt, dass der Wunsch der Schweizer Bevölkerung, weltweit zu leben, nicht bloss ein Trend, sondern ein prägendes Merkmal unserer modernen nationalen Identität ist.
Allein im vergangenen Jahr verliessen per saldo 13'300 Schweizer Staatsangehörige das Land, um jenseits der Alpen nach beruflichen Chancen, einem anderen Lebensstil oder einem Ort für den Ruhestand zu suchen. Zum Vergleich: Die Auslandschweizer-Bevölkerung ist mittlerweile so gross wie die Bevölkerung einiger grosser Kantone. Diese Gemeinschaft ist nicht statisch, sondern eine dynamische, wachsende Kraft, die den Einfluss der Eidgenossenschaft in alle Welt trägt. Die jüngsten Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen, dass die Auslandschweizer-Gemeinschaft in allen Altersgruppen wächst. Das Leben im Ausland ist demnach für junge Menschen ebenso reizvoll wie für Pensionierte.
Europa bleibt das wichtigste Zentrum der Auslandschweizer-Gemeinschaft
Trotz der Anziehungskraft ferner Länder bleibt Europa unbestritten das Zentrum der Auslandschweizer-Erfahrung. Ganze 64 Prozent der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer, also knapp zwei Drittel, haben sich entschieden, auf dem Kontinent zu bleiben. Sie halten damit enge Verbindungen zur Heimat aufrecht und integrieren sich zugleich in die Nachbarkulturen. Frankreich ist das mit Abstand wichtigste Zielland der Schweizer Auswanderung: 212'100 Schweizerinnen und Schweizer leben dort. Diese Zahl übertrifft die der anderen Länder deutlich und festigt die zentrale und dauerhafte Bedeutung der Verbindung zwischen Frankreich und der Schweiz.
Deutschland folgt mit 101'000 Schweizer Einwohnerinnen und Einwohnern. Italien (52'600), das Vereinigte Königreich (40'900) und Spanien (27'300) vervollständigen die fünf wichtigsten Zielländer. Die Zahlen zeichnen ein klares Bild: Schweizerinnen und Schweizer sind in erster Linie Europäerinnen und Europäer. Die Nähe ermöglicht einen regen Austausch und kulturelle Begegnungen, die das moderne europäische Leben prägen. Die Konzentration in den Nachbarländern verdeutlicht aber auch eine wichtige geopolitische Realität: Das Schicksal unserer Auslandschweizer-Gemeinschaft ist untrennbar mit der politischen und wirtschaftlichen Stabilität der Europäischen Union verbunden.
Weltweite Präsenz: Amerika und Asien
Über den europäischen Kontinent hinaus breitet sich die Schweizer Präsenz zunehmend in Amerika und Asien aus. Die grösste Schweizer Gemeinschaft ausserhalb Europas lebt in den Vereinigten Staaten: 84'700 Schweizer Staatsangehörige nennen das Land ihr Zuhause. Diese transatlantische Verbindung bleibt eine wichtige Säule des globalen Einflusses der Schweiz. Kanada und Australien sind ebenfalls wichtige Zielländer für Menschen, die ein Leben im englischsprachigen Raum suchen.
Die Verteilung ist weitläufig und vielfältig: 16 Prozent der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer leben in Nordamerika, während sich jeweils 7 Prozent in Lateinamerika und der Karibik sowie in Asien niedergelassen haben. Im Vergleich zu Europa mögen diese Anteile kleiner erscheinen, doch handelt es sich um bedeutende Zentren der Schweizer Kultur und Wirtschaft. Von den Finanzvierteln New Yorks bis zu den Technologiezentren Asiens etablieren sich Schweizerinnen und Schweizer in den dynamischsten Volkswirtschaften der Welt. Dank dieser weltweiten Präsenz ist die Perspektive der Schweiz nicht auf ein Binnenland beschränkt, sondern wahrhaft international.
Die Realität der doppelten Staatsangehörigkeit
Die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer von heute sind zunehmend im wörtlichen Sinn Weltbürgerinnen und Weltbürger. Die jüngsten Statistiken zeigen eine bemerkenswerte Realität: Drei Viertel (75 Prozent) der im Ausland lebenden Schweizerinnen und Schweizer besitzen mehrere Staatsangehörigkeiten. Dabei geht es nicht nur um Auswanderung, sondern auch um eine tiefe Integration. Die Zeiten der alleinstehenden Schweizer Auswanderer verblassen. An ihre Stelle tritt eine Generation, die ihr Schweizer Erbe mühelos mit der Staatsangehörigkeit ihres neuen Heimatlandes verbindet.
Die Unterschiede zwischen den Regionen sind ausgeprägt. In Lateinamerika ist die doppelte Staatsangehörigkeit die Regel. In Argentinien besitzen bemerkenswerte 95 Prozent der dort lebenden Schweizerinnen und Schweizer eine doppelte Staatsangehörigkeit. Chile folgt mit 92 Prozent knapp dahinter. Ganz anders sieht es in Asien und Afrika aus: Strenge lokale Gesetze oder zeitlich begrenzte Arbeitsaufenthalte halten den Anteil dort tief. In Thailand etwa besitzen nur 37 Prozent eine doppelte Staatsangehörigkeit. Die Zahlen deuten darauf hin, dass Schweizerinnen und Schweizer in Amerika dauerhaft Wurzeln schlagen, während jene in Asien möglicherweise eher vorübergehend im Land leben oder ihre Schweizer Staatsangehörigkeit stärker als eigene Identität bewahren.
Abwanderung im Alter: Den Ruhestand unter der Sonne verbringen
Die Schweiz zählt immer mehr ältere Menschen zu den Auswandernden, denn die Suche nach Sonne und erschwinglichem Leben führt zu einer «Abwanderung im Alter». Die Altersstruktur der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer zeigt einen klaren Trend zur Auswanderung im Ruhestand, besonders in wärmere Regionen. 21 Prozent der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer sind jünger als 18 Jahre, während stattliche 24 Prozent über 65 Jahre alt sind. Sie konzentrieren sich auf bestimmte Länder mit warmem Klima.
Thailand hat sich als beliebtestes Ruhestandsziel etabliert: Dort sind 43 Prozent der Schweizer Gemeinschaft pensioniert. Auch in Portugal (36 Prozent), Südafrika (33 Prozent) und Spanien (33 Prozent) leben besonders viele Pensionierte. Dieser Wandel wirft spannende Fragen für die Zukunft auf: Werden angesichts der hohen Lebenshaltungskosten in der Schweiz künftig noch mehr ältere Menschen ihren Lebensabend im Ausland verbringen? Die Zahlen sprechen vorerst eine klare Sprache: Für viele Schweizerinnen und Schweizer beginnt das Leben mit 65, und zwar an einem warmen Ort.