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Swiss Observer

Schweizer Verteidigungsminister setzt sich für engere Zusammenarbeit mit der NATO ein

Der neu ernannte Verteidigungsminister Martin Pfister signalisiert einen Kurswechsel in der Schweizer Militärstrategie: Er setzt sich für eine verstärkte Zusammenarbeit mit der NATO ein und will gleichzeitig an der Neutralität festhalten.

Schweizer Verteidigungsminister setzt sich für engere Zusammenarbeit mit der NATO ein
AIThe Local Switzerland

Die jahrhundertealte Tradition des Isolationismus der Schweiz steht vor ihrer grössten Herausforderung seit Jahrzehnten. Die Wahl von Martin Pfister in den Bundesrat markiert eine definitive Neuausrichtung der militärischen Haltung des Landes. Der Oberst der Armee und kantonale Minister tritt die Nachfolge von Viola Amherd an, mit einem Auftrag, der noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre: Er soll sich aktiv für eine engere Einbindung in die NATO einsetzen. Pfister, der am 1. April das Amt übernimmt, hat keine Zeit verloren und erklärt, die Zusammenarbeit mit dem Atlantischen Bündnis sei für den Schutz der Schweizer Sicherheit «absolut notwendig».

Dabei handelt es sich nicht bloss um einen Wechsel an der Spitze, sondern um ein grundlegendes Überdenken der Schweizer Identität. Pfister spricht sich zwar nicht für eine Vollmitgliedschaft aus, doch seine Rhetorik erschüttert die selbstzufriedene Illusion, die Schweiz könne in einem zerrissenen Europa allein bestehen. Er betont, dass «Interoperabilität und Zusammenarbeit mit europäischen Ländern» nicht länger optional, sondern entscheidend seien. Während der Kontinent mit Krieg und Instabilität ringt, räumt die Schweizer Regierung endlich ein, dass geografische Neutralität keinen Schutz vor modernen ballistischen oder Cyberbedrohungen bietet.

Der Faktor Trump: ein externer Schock

Die globale Instabilität zwingt Bern zum Handeln, angetrieben von einer Schockwelle, die von jenseits des Atlantiks ausgeht. Die drohende Unsicherheit rund um die Sicherheitsgarantien der USA unter Präsident Donald Trump hat in den europäischen Hauptstädten für Unruhe gesorgt, und Bern ist davon nicht ausgenommen. Fachleute bezeichnen die Lage als beispiellos. Jean-Marc Rickli, Leiter des Bereichs Globale und neue Risiken am Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik, gibt eine beunruhigende Einschätzung ab: «Ich habe noch nie ein Szenario gesehen, das die Situation beschreibt, in der wir uns befinden.»

Die Möglichkeit eines Rückzugs der USA hat die Fragilität der europäischen Sicherheitsarchitektur offengelegt. Pfister selbst warnte, die NATO «verändert sich, wir wissen nicht, in welche Richtung», und unterstrich damit die Dringlichkeit, dass die Schweiz ihre Partnerschaften umgehend festigt. Die Zeit, in der man davon ausging, indirekt unter dem Schutz der USA zu stehen, ist vorbei. Da die USA damit drohen, Sicherheitsgarantien aufzukündigen, die seit 1945 die Sicherheit des Kontinents gestützt haben, steht die Schweiz vor einer klaren Realität: Sie muss ihre Bündnisse jetzt anpassen oder riskiert in einer feindseligen Welt die völlige strategische Isolation.

Die öffentliche Meinung tendiert zunehmend zur NATO

Die Schweizer Bevölkerung bewegt sich schneller als die Politik. In einer deutlichen Abkehr von historischen Normen wächst die öffentliche Unterstützung für engere militärische Beziehungen rasant. Erstaunliche 53 % der Befragten befürworten inzwischen eine engere Zusammenarbeit mit der NATO. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von 43 %. Diese von der Militärakademie an der ETH Zürich veröffentlichten Daten zeigen eine Bevölkerung, die sich der Gefahren des 21. Jahrhunderts zunehmend bewusst wird.

Noch überraschender ist der Wandel bei der Frage einer Vollmitgliedschaft. Obwohl sie weiterhin eine Minderheitsmeinung ist, befürworten inzwischen 30 % der Schweizer Bevölkerung einen Beitritt zum Bündnis. Damit liegt der Wert über dem langfristigen Durchschnitt von lediglich 23 %. Dieser statistische Anstieg zeigt, dass das Konzept strikter Neutralität unter dem Druck geopolitischer Sorgen an Boden verliert. Matthias Zoller von Swissmem stellt ein spürbares «Gefühl der Dringlichkeit, das es zuvor nicht gab» fest. Die Bevölkerung verlangt Sicherheit und sieht die NATO zunehmend nicht als ausländische Verstrickung, sondern als notwendige Lebensader.

Den neuen strategischen Kurs festlegen

An die Stelle der Debatte tritt das Handeln. Wenn Pfister am 1. April sein Amt antritt, steht er vor der unmittelbaren, gewaltigen Aufgabe, die erste nationale Sicherheitsstrategie der Schweiz auszuarbeiten, die bis zum Sommer vorliegen soll. Dieses Dokument dürfte den Wechsel von passiver Neutralität zu aktiver bewaffneter Zusammenarbeit festschreiben. Das Ziel ist klar: eine nahtlose Interoperabilität mit den europäischen Nachbarn, damit die Schweizer Armee im Konfliktfall weder blind noch allein kämpft.

Verfassungsänderungen für eine Vollmitgliedschaft im Bündnis würden zwar eine Volksabstimmung und jahrelange Debatten erfordern, doch die operative Neuausrichtung findet bereits jetzt statt. Gemeinsame Ausbildungsübungen und der Austausch von nachrichtendienstlichen Informationen sollen zum neuen Standard werden. Wie Zoller betont, ist sich der neue Minister bewusst, dass «wir bei allem, was wir tun, mit unseren Nachbarn zusammenarbeiten müssen». Die Schweiz verlässt ihre alpine Festung und betritt die europäische Bühne, um ihre Souveränität durch Partnerschaft statt Isolation zu verteidigen.