Kriminalität
Kriminalitätsrate in der Schweiz 2025 gesunken, Tötungsdelikte und schwere Gewalt gestiegen, zeigt Bericht
Der jüngste Bericht des Bundesamts für Statistik weist für 2025 auf einen Rückgang der Straftaten insgesamt um 1,5 Prozent hin. Dieser Trend steht jedoch einem besorgniserregenden Anstieg bei Tötungsdelikten und schwerer Gewalt gegenüber, während Eigentumsdelikte wie Diebstahl zurückgegangen sind.

Die Schweiz sieht sich 2025 mit einem beunruhigenden Paradox konfrontiert. Auf dem Papier scheinen die Strassen sicherer zu sein, doch eine verstörende Zunahme schwerer Gewalt untergräbt dieses Sicherheitsgefühl. Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat eine Zahl veröffentlicht, die für Erleichterung sorgen sollte: Die Straftaten insgesamt sind um 1,5 Prozent auf 554 963 Fälle zurückgegangen. Berücksichtigt man das Bevölkerungswachstum, ist die Kriminalitätsrate deutlich gesunken: von 72 Straftaten pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohnern im Jahr 2009 auf heute nur noch 61.
Bei genauerem Hinsehen zerschlägt sich jedoch dieser Anschein einer Verbesserung. Während Kleinkriminelle sich zurückziehen, werden Gewalttäter aggressiver. Das Land verzeichnet einen Anstieg der Gewaltstraftaten insgesamt um 2 Prozent auf knapp 50 000 Fälle. Noch alarmierender ist der gezielte Anstieg schwerer Gewalt, der sich auf beträchtliche 8,1 Prozent beläuft. Die Zahlen zeigen den Schweizer Behörden eine komplexe Realität: Das Kriminalitätsvolumen nimmt ab, doch Intensität und Schwere der verbleibenden Straftaten steigen rasch. Der Rückgang der allgemeinen Gesetzlosigkeit wird von einer härteren, brutaleren Seite der Schweizer Gesellschaft überschattet, die sofortige Aufmerksamkeit erfordert.
Tödlicher Anstieg: Tötungsdelikte und häuslicher Terror
Die erschütterndste Zahl im Bericht für 2025 betrifft die Todesopfer. Die Zahl der Tötungsdelikte ist auf 55 gestiegen und liegt damit deutlich über dem seit 2009 ermittelten langfristigen Jahresdurchschnitt von 48. Dabei handelt es sich nicht um zufällige Gewalt auf der Strasse, sondern um zutiefst persönliche Taten. Laut BFS ereigneten sich mehr als die Hälfte dieser Tötungen im engsten Umfeld von Familie oder Beziehungen.
Frauen tragen die Hauptlast dieser tödlichen Eskalation. Von den 55 Opfern waren 32 Frauen. Das macht ein gravierendes Versagen beim Schutz gefährdeter Partnerinnen deutlich. Besonders erschreckend sind die Zahlen zur häuslichen Gewalt: Fast drei Viertel aller Opfer häuslicher Gewalt sind weiblich. Allein 2025 wurden 19 Frauen von einem aktuellen oder früheren Partner getötet. Diese Zahlen zeichnen ein düsteres Bild der Gefahren, die sich hinter den verschlossenen Türen Schweizer Wohnungen verbergen. Während öffentliche Räume statistisch gesehen sicherer werden, bleibt der private Bereich ein gefährlicher Kampfplatz. Dass diese Zahlen, wie auch der durchschnittliche Anteil weiblicher Opfer in den vergangenen 17 Jahren, konstant bleiben, deutet darauf hin, dass die derzeitigen Präventionsmassnahmen den Kreislauf häuslichen Schreckens nicht durchbrechen.
Diebe auf dem Rückzug: Eigentumsdelikte gehen stark zurück
Für Eigentümerinnen und Eigentümer ist es eine willkommene Entlastung: Der klassische Diebstahl ist stark rückläufig. Die Zeit der umtriebigen Taschendiebe und Autodiebe scheint sich dem Ende zuzuneigen. Diebstähle, nach wie vor das häufigste Eigentumsdelikt, gingen 2025 um 5,3 Prozent auf insgesamt 154 041 Straftaten zurück. Die Zahlen zu einzelnen Kategorien sind noch eindrücklicher und deuten auf einen bedeutenden Wandel im kriminellen Verhalten oder auf wirksame Polizeistrategien hin.
Fahrzeughalterinnen und -halter können aufatmen: Die Zahl der Einbrüche in Fahrzeuge sank um massive 18,8 Prozent, Diebstähle aus Fahrzeugen gingen um 17,0 Prozent zurück. Auch das professionell betriebene Taschendiebstahlgeschäft ist deutlich rückläufig, und zwar um 15,5 Prozent. Zudem gingen Fahrzeugdiebstähle um knapp 5 Prozent und Sachbeschädigungen um 3,2 Prozent zurück. Dieser breite Rückgang in fast allen Kategorien der Eigentumsdelikte zeigt, dass Sachwerte in der Schweiz heute sicherer sind als seit Jahren. Ob bessere Sicherheitstechnik, verstärkte Überwachung oder eine Hinwendung der Kriminellen zu digitalen Tatfeldern dafür verantwortlich ist: Auf den Strassen der Schweiz ist ein spürbarer Rückgang der Gelegenheitskriminalität zu beobachten.
Der geschlechtsspezifische Cyberkrieg
Kriminalität findet nicht nur in der realen Welt statt, sondern auch digital, und dabei zeigt sich eine deutliche Geschlechterkluft. Zwar gingen die Online-Straftaten insgesamt leicht um 2 Prozent auf knapp 58 000 Fälle zurück, doch die Art dieser Straftaten zeigt, wie Betrüger Männer und Frauen unterschiedlich ins Visier nehmen. Der weitaus grösste Teil der digitalen Kriminalität, über 54 000 Fälle, entfällt auf wirtschaftskriminelle Cyberdelikte. Betrugsfälle machen 81,2 Prozent der Vorfälle aus.
Männer werden überwiegend mit Betrugsmaschen ins Visier genommen, die auf Gier und sexuelle Begierde abzielen. Laut BFS sind 65,2 Prozent der Opfer von Online-Anlagebetrug Männer. Noch auffälliger ist die Zahl bei Sextortion, also der Erpressung mit kompromittierenden Fotos oder Videos: Neun von zehn Opfern sind männlich. Frauen hingegen werden über Mitgefühl und Gefühle ins Visier genommen. Sie machten 60,8 Prozent der Opfer von fingierten Hilfsgesuchen und 54,8 Prozent der Opfer von Liebesbetrug aus. Zudem werden ältere Menschen skrupellos ins Visier genommen: Die über 60-Jährigen sind am stärksten von Online-Betrug betroffen. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass Cyberkriminelle psychologische Profile immer ausgefeilter erstellen und ihre Fallen mit verheerender Präzision auf bestimmte Bevölkerungsgruppen zuschneiden.
Demografie und die Herausforderungen der Zukunft
Die Analyse, wer diese Straftaten begeht und wer unter ihnen leidet, gibt wichtige Einblicke in das gesellschaftliche Gefüge der Schweiz. 2025 wurden mehr als 92 000 Personen wegen Straftaten nach Strafgesetzbuch beschuldigt. Schweizer Staatsangehörige machten mit 42,1 Prozent den grössten Anteil aus, ausländische Personen mit Wohnsitz in der Schweiz 32,3 Prozent und Asylsuchende 5,8 Prozent. Während der Anteil der Schweizer Opfer stabil blieb, stieg der Anteil der ausländischen Personen, die Opfer von Straftaten wurden, um 2,9 Prozent.
Auf dem Weg ins Jahr 2026 ist die Herausforderung klar. Die Regierung richtet ihre Politik bereits auf die sich wandelnden Bedrohungen aus und plant, eine nationale Strategie zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität zu verabschieden. Die unmittelbare Sorge gilt jedoch der zunehmenden Brutalität bei Gewaltdelikten. Der Rückgang der einfachen Diebstähle ist ein Erfolg, doch für die Familien der 55 Tötungsopfer ist dieser ein schwacher Trost. Die Behörden müssen nun diese beiden Seiten der Schweiz miteinander in Einklang bringen: eine, in der das Auto auf der Strasse sicher ist, und eine andere, in der schwere Gewalt immer häufiger Schlagzeilen macht. Der Fokus muss sich vom blossen Zählen der Straftaten auf die Bekämpfung der Ursachen jener tödlichen Gewalt verlagern, die allmählich an die Oberfläche dringt.